Licht und Schatten dicht beieinander im russischen Bankensektor

Licht und Schatten dicht beieinander im russischen Bankensektor

 

Das russische Bankwesen stabilisiert sich immer mehr. Im Jahre 2020 will die Zentralbank die Säuberung des Marktes von kriminellen und undisziplinierten Banken beenden. Gleichzeitig arbeitet man an der Stabilisierung der Liste der systemtragenden Banken.

 

 

Vier Banken haben im Januar 2020 ihre Lizenz verloren. Da möchte man fast sagen: „Das Jahr fängt ja gut an.“ Aber der Prozess des Lizenzentzuges für russische Banken hat sich merklich beruhigt, wenn man auf die Statistik seit Mitte 2013 schaut, wo Elvira Nabiullina, die Chefin der russischen Zentralbank, mit der Disziplinierung des Bankensektors begonnen hat.

 

 

Nun melden russische Medien, dass die jährliche Korrektur der Liste der „systemtragenden Banken“ wieder ansteht. Dieses System wurde im Jahre 2014 entwickelt und erstmals 2015 angewandt. Von anfänglich 50 Banken, die systemtragend sein sollten, erwiesen sich viele als so wenig systemtragend, dass sie die Lizenz verloren und dem System dabei nichts passierte.

So kürzte die russische Zentralbank das Verständnis „Systemtragend“ auf jetzt 11 Banken. Diese werden jährlich geprüft und neu bestätigt oder ausgetauscht.

Zu Wort hat sich eine Bank gemeldet, die auch eine Filiale in Kaliningrad hat. Als konservativ denkender Mensch hat mich der Name der Bank angezogen, als ich ein neues Deposit für Gelder anlegen wollte, deren Lagerung unter dem Kopfkissen in meiner Wohnung ungeeignet waren. Es handelt sich um die Bank „SowKomBank/Совкомбанк“. Nirgendwo konnte ich die Dechiffrierung dieses Namens finden und übersetze somit: „Sowjetisch-Kommunistische Bank“. Mein Vertrauen war groß und ich wurde bitter enttäuscht: „Mit Ausländern arbeiten wir nicht“,- so die Antwort der freundlichen Bankmitarbeiterin in der Filiale im Kaliningrader Stadtzentrum.

Enttäuscht wandte ich mich ab und legte mein Geld bei einer kapitalistischen russischen Bank an.

Und diese Bank soll nun in die Gruppe der systemtragenden Banken aufgenommen werden. Welche Bank dafür aus der bisherigen Liste ausscheidet ist schwer zu sagen. Meine Vermutung wäre die „PromSwjasBank“. Ein Ausscheiden aus dieser Liste bedeutet aber nicht unbedingt etwas Negatives – wohl eher im Gegenteil, wenn man hört, welche Sorgen sich die „SowKomBank“ macht, wenn sie in diese Liste aufgenommen wird.

Die Bank informiert, dass, wenn man in diese Liste aufgenommen wird, die Kontrolle seitens der Zentralbank erheblich verstärkt wird. Dazu muss die Bank die Struktur der liquiden Aktiva verändern und das wird sich spürbar auf den Gewinn auswirken. Außerdem muss man in der Lage sein, operativ auf neue Forderungen der Zentralbank zu Kapital und Liquidität zu reagieren. So kann es sein, dass zusätzliches Kapital beschafft werden muss, welches auf die Schnelle zu günstigen Konditionen nicht möglich ist. Dann wird man zu ungünstigen Bedingungen kaufen müssen, was sich ebenfalls auf die Gewinnsituation auswirken wird.

 

 

Andererseits steigt natürlich die Bank im Ansehen der Kunden und im Bankensektor selber. Und es kann sein, dass man trotzdem Finanzquellen erschließt, die einem früher nicht zugänglich waren. Und es ist klar, dass der Staat diese Bank, im Falle von Problemen, stützen wird, denn eine systemtragende Bank abstürzen zu lassen hieße, das System ins Wanken zu bringen.

Wie man somit sieht, liegen Licht und Schatten nicht nur in der Natur dicht beieinander, sondern auch im täglichen wirtschaftlichen und finanziellen Leben.

Noch hat die Zentralbank sich nicht geäußert und es kann durchaus sein, dass die Äußerungen der SowKomBank ein einfacher Trick ist, um die Reputation anzuheben und die Verkäufe der Eurobonds zu fördern, mit deren Verkauf die Bank am letzten Tag des Monats Januar begonnen hat.

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