Lukaschenko zum Schicksal Russlands: Leben und Sterben gemeinsam

Lukaschenko zum Schicksal Russlands: Leben und Sterben gemeinsam
 
In einem großen Interview äußerte sich der belarussische Präsident Lukaschenko zu vielen Detailfragen der aktuellen Situation. Eine seiner Schlussfolgerungen war: Wenn Belarus fällt, fällt als nächstes Russland. Egal welche Einstellung man zu Lukaschenko hat, hier hat er unbestreitbar recht, allerdings bedürfen seine Worte eines Kommentars.
 
 
 
Videoeinspielung: Interviewauszug Präsident Lukaschenko
 
Die Erkenntnis von Lukaschenko, dass, wenn Belarus stirbt, als nächstes auch Russland sterben wird, mit anderen Worten „Wir leben und sterben gemeinsam“, müsste somit logischerweise zu der Erkenntnis führen: „Lasst uns lieber gemeinsam leben.“
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Preschwalski“
 
Und dieses gemeinsame leben (Leben) wäre somit nur zu verwirklichen, in dem endlich der Gedanke eines Bündnisstaates, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen, sprich Rechten und Pflichten, geschaffen wird – ein Projekt, welches schon rund 20 Jahre existiert, aber seitens der beiden beteiligten Länder nie ernsthaft umgesetzt wurde.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Nur Russland hat vor einigen Monaten begonnen, Belarus an die getroffenen Vereinbarungen zu erinnern. Lukaschenko hat dann sein bekanntes Verhalten an den Tag gelegt – sprich, zwischen West und Ost laviert, um für sich das Beste rauszuholen. Das Resultat sehen wir heute.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker
 
Würden wir dieser Aussage Lukaschenkos einfach zustimmen, so wäre es dasselbe, als wenn ich behaupten würde, dass, wenn Deutschland fällt, auch die USA als nächstes fallen werden. Selbst umgekehrt würde dies nicht stimmen: Wenn die USA fallen, wird Deutschland auf keinen Fall fallen, sondern erst in wirklicher Freiheit und Souveränität aufblühen.
 
Kommen wir aber darauf zurück, dass er meinte, dass auch Russland sterben wird.
 
Ich würde diese sehr allgemeine, allumfassende Prognose, so nicht stehen lassen wollen, denn ein Land wie Russland stirbt nicht so schnell – die Erfahrungen aus den 90er Jahren und sogar aus der Zeit 2010/2011 zeigen, dass Russland es versteht, seine Interessen zu wahren, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Tote Seelen“
 
Wenn Lukaschenko aber mit „Russland“ „Kaliningrad“ meint, also salopp formuliert „Klein-Russland“, so würde ich ihm zu hundert Prozent zustimmen. Sollte es der Opposition in Belarus gelingen, den Präsidenten zu stürzen, so ist schon klar, wie die neue belarussische Führung ausgerichtet sein wird, wenn wir wissen, dass mindestens eine der führenden Köpfe der Opposition viele Jahre in Deutschland gelebt und kurz vor den Wahlen nach Belarus zurückgekehrt ist. Das erinnert an die Vorgänge in der Ukraine, wo es ähnliche Rückkehrer gab.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Jemeljan Pugatschow“
 
Ich gebe mich überhaupt keinen Illusionen hin, dass, wenn es politische Veränderungen in Belarus gibt, dies sehr schnell Auswirkungen haben wird auf die russische Region Kaliningrad.
 
Grafik: Karte der Transitverbindung
 
Belarus ist ein Land, welches den Transitkontakt mit dem russischen Mutterland ermöglicht. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht gibt es viele Kontakte.
 
Eine Situation der „Unzufriedenen“ in Kaliningrad zu schaffen, scheint bei den heutigen Methoden der „Kriegsführung“ des Westens, kein großes Problem zu sein. Steht die Frage, ob der russische Staat darauf vorbereitet ist? Im Jahre 2010 war er nicht darauf vorbereitet – allerdings waren die Ursachen für die damals Unzufriedenen in Kaliningrad, andere und mit einem einfachen Personalwechsel löste man im Kreml das Problem, um sich dann sechs Jahre mit einem Nikolai Zukanow rumärgern zu müssen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Preschwalski“
 
Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Bekannten zur Thematik Belarus und Kaliningrad und zu möglichen Szenarien. Beide ergänzten wir uns mit unseren Überlegungen und beide waren wir erschrocken von den Schlussfolgerungen des jeweils anderen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Weiße Rosen“
 
Sie wollen wissen, was das für Überlegungen und was das für Schlussfolgerungen waren? Nun, Sie werden doch nicht ernsthaft von mir erwarten, dass ich denjenigen, die „Königsberg“ heim in die Republik holen wollen, auch noch eine Bedienungsanleitung hierzu liefere.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Unsichtbarer Reisender“
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Kommentare ( 2 )

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 10. September 2020 08:40 pm

    Russland laviert zwischen West und Ost, in dieser Hinsicht ähnelt es Belarus. Welchen Weg wird dieses Land weiter gehen? Die beiden Weltmächte haben diesbezüglich unterschiedliche Meinungen. Für manche mag es unglaublich erscheinen, aber die Interessen der Vereinigten Staaten und Chinas kollidierten in Belarus, andere Länder, einschließlich Russland, spielen nur mit. Die Weltmächte wissen, wie man "mit einer langen Perspektive" spielt, daher brauchen Kaliningrader viel Geduld und genug Popcorn, um herauszufinden, wie die Dinge in Belarus enden werden.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. September 2020 08:42

      ... ich habe irgendwie ein Problem, Ihrem Kommentar geistig zu folgen.

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 10. September 2020 08:55 pm

    Politik ist ebenso wie Religion ein sehr problematisches Feld für Meinungsaustausch und gegenseitiges Verständnis.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. September 2020 08:56

      ... aha.

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