Mine unter europäischer Russlandbrücke gefunden

Mine unter europäischer Russlandbrücke gefunden
 
Gestern berichtete ich über die Einbestellung des deutschen Botschafters in das russische Außenministerium. Insgesamt hatte man, liest man die Meldungen der russischen Medien, den Eindruck, dass die Einladung nach zehn Minuten beendet war. Dem war aber nicht so.
 
 
Vermutlich habe ich am gestrigen Mittwoch die Berichterstattung der mir zugänglichen deutschen Medien nicht aufmerksam genug verfolgt, denn mir ist nicht erinnerlich, dass die deutschen Medien über die Einbestellung des deutschen Botschafters und die sehr harschen Formulierungen der russischen Seite berichtet haben.
 
Videoeinspielung: Außenminister Lawrow emotional
 
Dafür haben russische Medien ausführlich berichtet und man kommt zu dem Schluss, dass die Nawalny-Thematik die Mine ist, die die letzte Brücke zwischen Europa und Russland sprengen wird.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Man formuliert, dass diese Angelegenheit sich auswachsen wird zu einer neuen Systemkrise in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen. Insbesondere, dass Deutschland sich sehr lautstark an die G-7, NATO und die Organisation zur Chemiewaffenkontrolle gewandt hat, war Anlass für Russland für eine starke verbale Reaktion.
 
Videoeinspielung: Außenminister Lawrow im Interview
 
„Kommersant“ kommt zu der Ansicht, dass die Gefahr eines Abbruchs der russisch-deutschen Beziehungen besteht … wobei der Formulierung nicht zu entnehmen ist, welcher Abbruch konkret gemeint ist. Man muss ja nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen, also dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen …
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Der Idiot“
 
Zwei Stunden soll der deutsche Botschafter sich im russischen Außenministerium aufgehalten haben. Zwei Stunden! Schade, da hätte ich gerne Mäuschen gespielt. Für die Übergabe der russischen Protestnote, vermutlich mit Verlesung des Inhalts, brauchte man höchstens zehn Minuten. Was wurde in der restlichen Zeit besprochen? Gut, der deutsche Botschafter hat die Position der Bundesregierung dargelegt … zum Glück nicht die Meinung des deutschen Volkes.
Aber dafür brauchte auch er nur wenige Momente: Russland hat Nawalny vergiftet. Mit Nowitschok. Tja, wir werden den Inhalt des Gespräches entweder in 50 Jahren erfahren, wenn die Archive geöffnet werden, oder wenn es Sergej Lawrow für notwendig erachtet, früher an die Öffentlichkeit zu treten.
 
Videoeinspielung: Außenminister Lawrow – Vortrag Diplomatenuniversität
 
Nach dem Gespräch verließ der deutsche Botschafter das russische Außenministerium, trat an die frische Luft und die Öffentlichkeit und sagte kein Wort.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Das Dorfgericht“
 
Er ließ enttäuschte Journalisten zurück.
 
Russland zeigt sich insgesamt enttäuscht vom Verhalten Deutschlands. Die Anfrage um Rechtshilfe hat Deutschland geschickt umgeleitet. Sie befindet sich gegenwärtig auf den bürokratischen Wegen hinab zu irgendwelchen untergeordneten Berliner Justizorganen. Man kommentierte bereits, dass die Bundesregierung jetzt damit überhaupt nichts mehr zu tun hat. Man kann sich in die Angelegenheiten der deutschen Justiz nicht einmischen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Der unsichtbare Reisende“
 
Russlands Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Nawalny nicht vergiftet worden ist. Deutsche Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Nawalny vergiftet worden ist und Deutschland fordert die Aufnahme von Ermittlungen. Damit Russland die Ermittlungen aufnehmen kann, braucht es die deutschen Untersuchungsergebnisse – logisch, oder? Aber Deutschland liefert diese nicht – nicht logisch, oder?
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Der Idiot“
 
Dann gibt es deutsche Meinungsäußerungen, dass die russische Medizintechnik veraltet ist und mit alter Technik man wohl nicht die korrekten Analysedaten ermitteln kann. Hier hat sich Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten zu Wort gemeldet. Er meinte, dass Leute, die so etwas verbreiten, wohl nicht ganz aktuell im Bilde sind. Er wollte allerdings nicht ausschließen, dass in allen Krankenhäusern Russlands die letzten Modelle der Medizintechnik bereits Einzug gehalten haben.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Wir sitzen gut“
 
… und, um mal ein wenig zwischendurch privat zu plaudern. Ich habe die Zeit der Corona-Krise in Kaliningrad genutzt, um meine gesamte medizinische Betreuung von Deutschland nach Kaliningrad zu verlagern. Bis vor kurzem dachte ich auch noch anders über das russische Gesundheitswesen. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Ich brauche zukünftig keine deutschen Ärzte mehr – noch nicht mal, wenn es um Leben und Tod geht. Und ich lebe in Kaliningrad – einer Provinz-Hauptstadt.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Unsichtbarer Reisender“
 
Kommen wir zu Peskow zurück, der darauf hofft, dass die deutsche Seite in allernächster Zeit die Analysewerte liefert, die zeigen, dass wirklich eine Vergiftung vorliegt und somit die russische Seite auf der Grundlage der Erkenntnisse deutscher Mediziner die Ermittlungen aufnehmen kann.
 
Videoeinspielung: Sergej Peskow im Interview
 
Allerdings ist die Chance, dass die Hoffnungen von Peskow in Erfüllung gehen, fast „NULL“, denn zur Übergabe der Analysewerte ist das Einverständnis des Patienten oder der Ehefrau nötig. Und bisher wehrt sich die Ehefrau vehement, der russischen Seite diese zu übergeben? Warum? Gerade diese Werte beweisen doch die Vergiftung des Gatten und somit gibt es die Chance, dass derjenige gefunden wird, der Nawalny vergiftet hat.
 
Die Situation ist absurd. Stellen Sie sich vor, bei Ihnen in der Wohnung ist eingebrochen worden. Die Nachbarn informieren die Polizei darüber, Sie aber verwehren dieser den Zugang zu Ihrer Wohnung zur Spurensicherung. Und in den Gesprächen mit der Polizei, wo diese wissen wollen, was gestohlen wurde, was zerstört wurde, wie die Täter in die Wohnung gelangt sind, verweigern Sie die Aussage. Was soll die Polizei denn dann tun?
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Kommersant kommentiert, dass das Verhalten Deutschlands für Russland völlig überraschend ist. Man war bisher nur auf die USA als Kontrahenten eingestellt und schätzte die Vermittlerrolle, die zurückhaltende Rolle Deutschlands. Nun ist klar, dass das Verhältnis zu Deutschland eine neue, leider keine gute Qualität, erhält.
 
Das russische Außenministerium kommentierte, dass das Verhalten Deutschlands, also das Starten einer großangelegten Desinformationskampagne, nicht darauf ausgerichtet ist, etwas für die Gesundheit des Patienten Nawalny zu tun und wirklich dazu beizutragen, Klarheit in die Umstände der Erkrankung Nawalnys zu bringen. Es geht einzig und alleine um die Mobilisierung der Bereitschaft der Öffentlichkeit, neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Jemeljan Pugatschow“
 
Gegenwärtig dreht sich die Hauptdiskussion um mögliche Sanktionen um das Projekt „NordStream-2“. In einem früheren Beitrag hatte ich bereits erwähnt, dass ein gutes, schmackhaftes Essen aus drei Gängen besteht: Vor-, Haupt- und Nachspeise. Es bleibt zu hoffen, dass die westliche, sprich die deutsche Seite, alle möglichen Sanktionen mit sehr kühlem Kopf überlegt, darüber schläft, nochmal nachdenkt und erst dann die Schritte vollzieht, die aber vermutlich wohl schon längst geplant sind.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Dorfgericht – die Frage nach dem richtigen Weg“
 
Beschlossen werden die neuen Sanktionen in einem Gebäude, welches sowohl zu Zeiten seiner Funktion als Reichstag, wie auch zu aktuellen heutigen Zeiten die Inschrift trägt: „Dem deutschen Volke.“
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Oktober“
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