NATO – das Original. Politologe schlägt eine Kopie der NATO vor.

NATO – das Original. Politologe schlägt eine Kopie der NATO vor.
 
Die NATO ist allen in der Welt bekannt. Dass es eine Organisation ODKB, eine militärische Vereinigung ehemaliger Sowjetrepubliken gibt – wussten wohl nur wenige. Erst mit der Entsendung von friedensstiftenden Einsatzkräften nach Kasachstan nahm der normale Medienkonsument Kenntnis von dieser Organisation.
 
 
Der Einsatz von Militär im Rahmen dieser Organisation erfolgte sehr schnell. Nicht Russland übernahm den Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung in Kasachstan, sondern eine solidarische Staatengemeinschaft, die sich im Rahmen dieser Organisation verpflichtet hatte, sich im Krisenfall gegenseitig militärisch zu helfen. Es handelt sich also um eine Art Miniausgabe der NATO, wenn auch in einer völlig anderen Qualität. Sie ist bei weitem nicht so organisiert und so materiell abgesichert, wie die NATO. Ein direkter Vergleich mit der NATO wäre also einfach nicht ernst zu nehmen.
 
Der Einsatz war erfolgreich. Innerhalb weniger Tage war der Spuk in Kasachstan beendet und in der Zwischenzeit läuft die Rückführung der Truppen mit hohem Tempo. Bis zum 20. Januar dürften alle entsandten militärischen Formationen wieder in ihren Heimatstandorten sein.
 
Während man in Russland zufrieden auf die Erfüllung der Mission schaut, mehren sich aber auch Stimmen, die den schnellen Rückzug der Truppen kritisieren. Man ist nicht überzeugt, dass in Kasachstan auch wirklich die Ordnung geschaffen wurde, die notwendig ist, um die Gesellschaft zu entwickeln.
 
Mit dem schnellen Abzug der friedensstiftenden Einheiten wollte man wohl wieder einmal dem Westen den Wind aus den Segeln nehmen, dass Russland aggressiv ist und überall seine Einflusssphären ausbauen will.
 
Man hat es in Russland wohl immer noch nicht gemerkt, dass es völlig egal ist, was Russland tut – es ist immer schlecht. Die Politiker der westlichen Solidargemeinschaft werden jede Handlung Russlands so auslegen, dass sie in einem negativen Licht erscheint – mundgerecht aufbereitet für die kritiklosen Medienverbraucher in den westlichen Demokratien.
 
Schaut man also auf die Ereignisse der Vergangenheit und versucht auch ein wenig in die Zukunft zu schauen, so dürfte jedem klar sein: die Welt verändert sich. Sie muss sich verändern, weil Russland und andere Länder die bisherige unipolare Welt, unter Herrschaft der USA nicht mehr akzeptieren. Die USA sind aber nicht bereit, die Macht in der Welt mit anderen zu teilen. Somit bleibt nur, die Welt selber zu teilen und alles das, was bisher in einem Exemplar existierte, muss nun wohl in den zukünftig entstehenden zwei Welten auf dieser Erde gedoubelt werden. Die US-dominierten internationalen Strukturen wie UNO, Welthandelsorganisation, Weltbank, Internationaler Währungsfond usw. erfüllen nicht mehr ihre Funktion im Interesse aller. Selbst die Olympischen Spiele sind kein Sport- sondern ein politisches Ereignis, vollgestopft mit Sanktionen – inszeniert durch die USA.
 
Neben Überlegungen, eine internationale Organisation der Sanktionsgeschädigten zu schaffen, die sich unpolitisiert auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet gegenseitig helfen die Auswirkungen von Sanktionen zu mindern oder gar zu neutralisieren, sollte man auch über die Schaffung von internationalen Parallelorganisationen wie der UNO, der WTO, der WHO, den Menschenrechtsorganisationen, dem Währungsfond, der Weltbank nachdenken. Hier werden einfach diejenigen aufgenommen, die sich im bisherigen, US-dominierten System nicht wohlfühlen. Eine Doppelmitgliedschaft sollte allerdings ausgeschlossen bleiben. Ergibt sich irgendwann die Notwendigkeit, können zwischen diesen beiden Welten auf dieser Erde vertragliche Vereinbarungen getroffen werden, in dieser oder jener Frage zu kooperieren.
 
Und so hat der weißrussische Politologe Schimow vorgeschlagen, auch die NATO zu kopieren.
 
Er analysierte den Einsatz der ODKB in Kasachstan und bezeichnete die Organisation nicht als Verteidigungsbündnis oder gar Allianz, sondern einfach nur als „Militärclub“. Wenn man zukünftig der NATO ernsthaft gegenüber treten will, der NATO eindeutige Rote Linien aufzeigen will, so muss man ein gleichwertiges militärisches Gegengewicht schaffen. Dabei sollte man ruhig schauen, was die NATO in der Vergangenheit getan hat, um zu einer derartigen Organisation zu werden.
 
Die NATO spricht in einer, mit einer Sprache. Sie hat Standards für ihre Finanzierung – auch wenn diese nicht immer eingehalten werden. Sie hat Standards zu ihrer militärischen Ausstattung – auch wenn diese nicht immer eingehalten werden. Sie unterhält militärische Basen auf den Territorien der Teilnehmerländer. Sie hat eine gemeinsame Führung – natürlich dominiert durch US-Militärs in den Schlüsselfunktionen.
 
Der weißrussische Politologe schlug somit im Interview mit „Ukraina.ru“ vor, die Strukturen der ODKB zu einem wirklichen Gegengewicht zur NATO zu entwickeln. Damit würde Russland der NATO ein gewaltiges Signal senden. Die NATO würde verstehen, dass sich um Russland herum ebenfalls ein starker militär-politischer Block bildet. Sollte es nicht zu einer derartigen Entwicklung kommen, so bleibt die ODKB einfach nur ein „Militärclub“.
 
Auch der weißrussische Politologe kritisierte die Handlungen der ODKB in Kasachstan, meinte, dass die Truppen zu schnell zurückgeführt worden sind. Man solle aber die Ereignisse analysieren und daraus die richtigen Schlussfolgerungen für zukünftige Entwicklungen ziehen.
 
Schimow befürwortete auch die Stationierung russischer Atombewaffnung auf dem weißrussischen Territorium. Dies wäre ein weiteres starkes Signal in Richtung NATO. Allerdings äußerte er auch seine Zweifel, das dies so geschehen wird.

 

 

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Kommentare ( 4 )

  • felix

    Veröffentlicht: 16. Januar 2022 18:30 pm

    Jedes Land auf unserer Welt kann weitgehend tun und lassen was es will.
    Wenn jetzt Länder verschiedenste Strukturen neu zusätzlich aufbauen wollen, wären diese sicher für längere Zeit dann jeweils maximal die Nr. 2, wie schon mit der Sowjetunion.
    Denn der Westen, hauptsächlich USA, ist so vielfältig mit unserer Welt verstrickt, dass es Zweite Ausführungen, egal von wem, sehr schwer haben werden.
    Kurz gesagt:
    Wenn alle miteinander leben und arbeiten, gibt es mehr Zusammenhalt und weniger Spannungen - Russland müsste das nur möglichst schnell lernen.
    Ein bisschen hat es doch aktuell damit angefangen, nur nicht lange durchgehalten.

  • Eckart

    Veröffentlicht: 17. Januar 2022 13:00 pm

    Konfuzius sagte: "Bevor ihr lamentiert - klärt die Begriffe" Recht hat er, denn diese Verein nennt sich mal ODKB dann OVKS und dann wieder CSTO. - Daraus ein NATO Gegengewicht basteln zu wollen ist schlicht absurd. Was in Kasachstan nun abgelaufen ist kann man noch gar nicht abschließend erkennen. - Der alte Stratege SUN TZU sagte einst einst ganz richtig: "Man kann in der Lage sein in einem Kampf zu siegen, ohne am Ende auch als Sieger da zu stehen" - Und Russland steht heute schlechter da, als vor Beginn des WK2, und fühlt sich nun von der NATO immer mehr bedrängt. - Bei Lichte betrachtet ist der Kreml daran selber Schuld. ------ Momentan ist der Proxi Weltkrieg namens CORONA im Gange, und wieder ist Russland voll dabei; merkt aber nicht, dass China als strahlender Sieger am Ende dastehen wird. - Und schlau und konsequent haben die Chinesen sich durch die ODKW ihren Weg durch Kasachstan für ihren ONE ROAD ONE BELT Ambitionen sichern lassen, ohne selbst was dafür zu tun.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 23. Januar 2022 03:37 pm

    "Ein direkter Vergleich mit der NATO wäre also einfach nicht ernst zu nehmen."
    Das stimmt allerdings, aber im doppelten Sinne. Um es mal etwas lächerlich darzustellen, als die russichen Truppen bereits zurück geführt wurden, wäre wohl ein Vorauskommando der Nato in Nursultan eingetroffen, um die Unterbringungsfrage des Kommandos und der Mannschaften zu klären.
    Ach so. Ich habe auch so meine Bedenken, daß entsprechend der öffentlichen Meldungen schon die Rückführung der russ. Truppen zu zeitig erfolgte.
    Dieser Putsch ist noch nicht ausgestanden. Die auswärtigen Kräfte werden sich und ihre kasachischen nationalistischen Vasallen neu organisieren. Das nächste Mal besser. Es müssen nicht immer erst zehn Jahre dawischen liegen. Wozu diese "kasachischen" Putschisten in der Lage sind, ist ja nun bekannt. Es wird noch mehr bekannt werden. Auch wer der/die/das dafür verantwortlich ist.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 23. Januar 2022 14:02 pm

    Manchmal erinnert mich das Verhalten der Russen an das der DDR, nach der Zeit der Diktatur des Proletariats, gegenüber der Kirche - bitte nichts anrühren, was den Westen verärgern könnte !
    So konnten Pfarrerskinder Naturwissenschaften u.a. in "Dubna" studieren, was ein Pfarrer in der BRD nicht so einfach gestemmt hätte.
    Aus mir mittlerweile unverständlichen Gründen mögen Russen Deutsche, und sie auferlegen sich vielleicht zu oft Zwänge, die man gern mißversteht, und als Schwäche auslegt. So verstehe ich den Tenor vieler Kommentare in diesem Forum. Aber Vorsicht !!!
    Von einem sehr erfahrenen Einzelkämpfer habe ich den Rat:
    WENN DU DIR SICHER BIST, daß Dein Herausforderer Dich zerstören kann, dann darf der Kampf nicht länger als 4 Sekunden dauern !!!
    Und das geht !

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