Nix verstehen, nix Gas.

Nix verstehen, nix Gas.
 
Seit drei Tagen gelten in Russland neue Preislisten. Gas, welches unfreundliche Staaten in Russland bestellen, wird nur noch gegen Rubel geliefert. Die Besteller wollen aber nicht in Rubel bezahlen und somit wird wohl bald kein Gas mehr fließen.
 
 
Die europäischen Länder begründen ihre Weigerung Gaslieferungen in Rubel zu bezahlen damit, dass dies vertraglich so nicht vereinbart ist. Das mag richtig sein, aber es gibt auch keine vertraglichen Vereinbarungen mit Russland, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einen Wirtschaftskrieg gegen Russland führen dürfen.
 
Und die deutschen Politiker erzählen, dass man überhaupt nicht versteht, wie die Bezahlung in Rubel vonstatten gehen soll. Man stellt sich dumm: „… nix verstehen.“ Kein Problem für Russland, denn „… nix verstehen bedeutet … nix Gas.“
 
Dabei ist es mir persönlich völlig unklar, was es an diesem neuen System der Bezahlung nicht zu verstehen gibt.
 
Bisher war es so, dass der deutsche Besteller den Eurobetrag auf eine ausländische Bank einbezahlt hat, auf der Gasprom ein Konto unterhält. Gasprom hat dieses Geld dann so genutzt, wie man es für richtig hielt. Nun aber ist es so, dass sich die westlichen Staaten wie ganz gewöhnliche Bankräuber verhalten und einfach die russischen Gelder beschlagnahmen, die sich auf westlichen Banken befinden. Somit liefert Russland Gas, bekommt dafür aber keine Bezahlung. Für wie dumm hält der Westen eigentlich Russland?
 
Somit hat Russland nun festgelegt, dass die Bezahlung erst dann als Bezahlung akzeptiert wird, wenn der Rubelbetrag auf ein Konto der Gasprom Bank eingegangen ist. Es gibt hierfür ganz einfache Möglichkeiten.
 
Die deutsche Firma richtet bei der Gasprom Bank ein Euro-Konto und ein Rubel-Konto ein. Das dauert nur wenige Momente. Man überweist den Eurobetrag direkt auf das Euro-Konto bei der Gasprom Bank und diese nimmt die Konvertierung vor und überweist den konvertierten Betrag auf das Rubelkonto der deutschen Firma. Von dort erfolgt dann die Überweisung auf das Rubelkonto von Gasprom.
 
Wenn die deutsche Firma aber keinen direkten Kontakt mit der Gasprom Bank haben will, so kann sie auch den Eurobetrag auf ein Konto bei irgendeiner anderen Bank einzahlen. Diese Bank kann dann den Betrag konvertieren und die Rubel an die Gasprom Bank überweisen. Oder aber man überweist den Eurobetrag auf das Konto der Gasprom Bank und diese nimmt, wie schon geschildert, die Konvertierung vor. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Möglichkeiten besteht darin, dass die zwischengeschaltete ausländische Bank sich an den Bankgebühren eine Goldene Nase verdient.
 
Was also ist an diesem einfachen System nicht zu verstehen?
 
„Nix verstehen, nix Gas“ – so einfach ist die Formel, spätestens ab Ende April.
 
Bei der Gelegenheit noch ein Kommentar zu dieser merkwürdigen Großzügigkeit Russlands. Einerseits gilt das Gesetz ab 1. April, andererseits wird es erst Ende April angewandt. Ich habe diese Großzügigkeit nicht verstanden und war in meiner Meinungsäußerung in meinem Bekanntenkreis ziemlich radikal. Aber es gibt doch Leute, die einen kühleren Kopf haben als ich und mir erklärten, wieso und warum.
 
So steht die Vermutung, dass Russland seinen westlichen „Partnern“, die ja bis zum 1. April immer noch gezweifelt hatten, dass Putin dieses Gesetz wirklich unterschreibt, die Chance geben will, nochmals alle Konsequenzen, durch wirkliche Spezialisten analysieren zu lassen, die eintreten, wenn kein russisches Gas mehr fließt. Der „Böse Russe“ ist also gar nicht so böse, sondern zeigt nun zum …xten Mal, dass man eigentlich ein vernünftiges Miteinander will.
 
Es herrscht Krieg, Wirtschaftskrieg gegen Russland und Russland, welches um sein Überleben kämpft, setzt die Mittel ein, die das Überleben sichert – die westliche Rechtsprechung nennt dies „Notwehr“.
 
Da es allen klar ist, dass sich Russland kardinal vom Westen trennt, ist es Russland auch völlig egal, was der Westen jetzt denkt und meint und wie die russophobe westliche Propaganda weiterhin versucht, ihre eigenen Bürger so zu beeinflussen, dass man den Eindruck gewinnt, dass der größte Teil der deutschen Bevölkerung so fanatisiert wurde, wie letztmalig am 22. Juni 1941.
 
Sollte sich der Westen entscheiden, das Gas nicht in Rubel zu bezahlen, dann fließt kein Gas mehr – davon bin ich felsenfest überzeugt. Gegenwärtig äußern sich ja viele deutsche Spezialisten, dass es sich Russland einfach nicht leisten kann, auf diese Einnahmen zu verzichten. Eine typisch deutsche Denkweise, die aber nicht den Überlegungen folgt, die die Russen haben. Die Russen gehen davon aus, dass, so wie ich es schon anfänglich geschildert habe, sie für die zukünftigen Gaslieferungen nach Europa sowieso kein Geld bekommen, d.h. das Geld, was die deutschen Firmen bezahlen, wird durch die deutsche Politik im Rahmen der Sanktionen sofort wieder konfisziert. Putin hat also mit seinen Beratern durchgespielt, wie das Leben in Russland weitergeht, wenn kein Gas mehr geliefert wird, d.h. es wurde die Frage gestellt, ob Russland weiterleben kann und wird. Anscheinend ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass das Leben in Russland weitergeht. Somit braucht niemand in Europa und schon gar nicht in Deutschland Zweifel an der Entschlossenheit Putins zu haben, das neue Gesetz umzusetzen. Wir lieben unseren Rubel und Europa wird den Rubel vielleicht nicht lieben, aber zukünftig die notwendige Achtung entgegenbringen.
 
Im Gegensatz zur Arbeitsweise des Kremls und der russischen Regierung, die sich mit Wirtschaftsspezialisten beraten, scheint sich in Europa niemand mit Wirtschaftsspezialisten bei der Erarbeitung von Sanktionen konsultiert zu haben.
 
Jetzt treten plötzlich viele deutsche Wirtschaftsspezialisten vor die Kameras und beschwören die deutschen Politiker, es nicht zum äußersten kommen zu lassen. Steht die Frage, wo denn all diese Wirtschaftsspezialisten waren, als die russophoben Politiker dieser Welt anscheinend nach dem 24. Februar in einen wahren Multiorgasmus-Sanktionstaumel gerieten.  
 
Jetzt beginnt man ganz langsam zu ahnen, was auf die Welt im Allgemeinen und auf Deutschland im Besonderen zurollt. Dabei ist ja eigentlich noch gar nichts passiert. Noch fliest das Gas, noch hat Russland keine einzige Gegensanktion verhängt. Noch gibt es nur winzige Angebotslücken bei Mehl und Sonnenblumenöl. Die Preise für Lebensmittel und Benzin, für Heiz- und Stromkosten, sind nur lächerlich gering gestiegen. Noch gibt es keine Betriebsschließungen, kein Anstieg der Arbeitslosigkeit, keine Massenmigration aus der Ukraine oder den afrikanischen oder asiatischen Staaten.
 
Und trotzdem es das alles noch nicht gibt, spricht der deutsche Minister Habeck im ZDF davon, dass man ein weiteres Aufblühen Deutschland vergessen kann, wenn kein russisches Gas mehr kommt. Herr Minister Habeck – in Kriegszeiten … und wir befinden uns im Krieg … nennt man dies Defätismus. Schauen Sie mal nach, was man früher mit Defätisten gemacht hat. Sie sollten lieber dem deutschen Volk Mut zusprechen, damit es standhaft an der Seite der Ukraine für die Demokratie in der Welt und gegen den bösen Mörder, Kriegsverbrecher, totbringenden Diktator Putin steht und zu weiteren Opfern bereit ist.
 
Finden Sie es nicht heuchlerisch, Herr Minister, den von Ihnen abgelegten Amtseid zu zitieren und dem deutschen Volk mitzuteilen, dass man eine Verarmung des deutschen Michel nicht zulassen darf? Sie sind es doch gewesen, der die Sanktionen mit verabschiedet hat. Betteln sie jetzt schon um die Gnade des, noch unwissenden, deutschen Volkes?
 
„Der Krieg in der Ukraine macht uns alle ärmer ...“, wird der Herr Minister Lindner durch russische Medien zitiert. Und der Herr Minister befürchtet einen Schock in der deutschen Bevölkerung. Wieso befürchten Sie einen Schock – Herr Finanzminister? Haben Sie denn niemanden konsultiert, der alle Folgen Ihrer russophoben Politik mit kühlem Kopf vorher analysiert, damit Sie, Herr Minister Lindner, die richtigen Entscheidungen fällen können. Und jetzt sprechen Sie von einem Schock und das alle ärmer werden. Der deutsche Michel will aber nicht ärmer werden – das weiß ich ganz genau.
 
Ich finde es einfach lächerlich, dass Sie auch noch verkünden, allen betroffenen Bürgern und Unternehmen helfen zu wollen, aber gleichzeitig sagen, dass dafür das Geld nicht ausreicht. Wissen Sie, Herr Minister, wir haben auch so einen Mann bei uns in Russland – Dmitri Medwedjew, der in seiner damaligen Eigenschaft als Premierminister der erregten Volksmenge, die ihn nach einer Rentenerhöhung gefragt hatte, zurief: „Geld haben wir nicht, aber haltet durch.“ Das ganze Volk hat gelacht und die Worte wurden in Russland zu geflügelten Worten. Wie das deutsche Volk reagieren wird, wenn Sie, Herr Minister, kein Geld mehr haben … warten wir es ab.
 
Und natürlich hat sich auch der Herr Bundeskanzler Scholz geäußert, der keine russischen Rubel für russisches Gas bezahlen will. Mit Blick auf 7,3 Prozent Inflation – das ist bald mehr als wir in Russland haben – warnte er vor einer Lebensmittelkrise in Deutschland. Dann tun Sie doch etwas, Herr Bundeskanzler, damit diese Krise nicht kommt und das deutsche Volk nicht hungern muss. Sie aber liefern lieber militärische Ausrüstungsgüter in die Ukraine, damit dort weiter gekämpft und gestorben und kein Getreide angebaut wird. Aber das deutsche Volk wird Sie natürlich verstehen und wird bereit sein, so wie in der Zeit des Endsieges gegen die Russen 1941–1945, dem Beispiel des Führers zu folgen und anstelle von Fleisch, lieber sieben Suppentage in der Woche einlegen. Wobei, Herr Bundeskanzler, wie die Deutsche Wirtschafts Nachrichten informieren, sollen Sie ja seit vorgestern 345 Euro mehr Gehalt bekommen – da kann man sich dann auch teures Fleisch leisten. Ihre Minister, die 275 Euro mehr bekommen, können dann wenigsten einen Fleischtag in der Woche einlegen.
 
 
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Kommentare ( 4 )

  • Wladi

    Veröffentlicht: 3. April 2022 18:58 pm

    Ja Uwe,das ist was den Ig Farben ,Krupp Siemens on den Genen steckt ,das ist die alte Seuche, die damals1945 46 nicht ausgemerzt wurde.Die ändern sich nie davor graute es mir schon 1990 als der DDR der Westen aufgedrückt und die Bürger komplett enteignet wurden!Ich wünsche mir nur eins wenn es denn dazu kommt,sollte Russland gegen die,die sich einer Regel basierenden Ordnung entgegenstellen konsequenter vorgehen ohne Rücksicht.Das ist schlimmer wie die Wühlmausplage in meinen Garten.Leider zu alt,mit 70 noch in eine gesicherte Zukunft auszuwandern.
    Freundliche Grüße Uwe,wir wissen wenigsten was wir wirklich wollen.

  • Eckart

    Veröffentlicht: 3. April 2022 18:59 pm

    Die Basis aller Schwierigkeiten ist doch der Tatsache geschuldet, dass auch unter Putin Russland immer noch von Oligarchen an den maßgeblichen Stelle gelenkt und gesteuert wird.
    Der Konstrukteur dieser Seilschaft, der Oligarch Anatoli Tschubais dürfte das Land bereits straffrei und vollkommen unbehelligt in Richtung Schweiz (wo sein ergaunertes Geld liegt) verlassen.
    Rätselhaft und verwirrend ist auch, warum Putin die Chefin der RZB Elwira Sachipsadowna Nabiullina nicht umgehend ihres Amtes enthebt, anklagt und in den Knast sperrt.
    Die ist es doch für die ominöse Auslagerung russischer Aktiva auf ausländische Banken verantwortlich. - So blöd muss einer erst mal sein, sein Geld einer Lügenorganisation zu überlassen - die bedienen sich jetzt mit einer Unschuldsmiene, und geben es für die Finanzierung ihrer Waffenlieferungen an die Ukraine aus.

    Leonidowitsch Kudrin, Wladimir Kogan, u.a., sind leider auch noch nicht verhaftet - so wird das nie was mit der anvisierten Säuberung.

  • Rudi Michael Schmelzer

    Veröffentlicht: 3. April 2022 19:38 pm

    Hallo Herr Niemeier,
    wie immer eine treffende Zustandsbeschreibung der Situation. Das deutsche Volk hat nach Jahren der Propaganda das Augenmaß verloren. Es gelten die Aussagen der deutschen Politiker und alle folgen. Besonders eine Enttäuschung sind die Ostdeutschen, die nach der Wende sich soviel mal gewendet haben, dass ein Propeller ein nichts ist. Hinterfragen und den gesunden Menschenverstand einsetzen ist nicht erwünscht und wird nicht getan. Bei genaueren Hinsehen sind in Worten und Taten Parallelen zur Deutschen Vergangenheit nicht zu übersehen.
    Der Sprachgebrauch der Deutschen ist in vielen Dingen dem des 2.Weltkrieges Ebenbürtig.
    Es wird alles so hingenommen und abgenickt. In der Zukunft wird werden sich noch größere Umwälzungen in Politik und Wirtschaft ergeben. Bin gespannt wie lange der deutsche Michel duldsam ist und bleibt.
    Sein Wohlstand beginnt zu bröckel und das nicht erst in den letzten Jahren. Mit abnehmenden Wohlstand und Teilung der sozialen Hängematte .....

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 4. April 2022 22:53 pm

    Jeder Nachteil birgt aber auch einen Vorteil in sich. Der Nachteil ist diese Krise mit den militärischen Aktionen der russischen Armee, die wohl nicht immer zu deren Vorteil gereichen.
    Der Vorteil dieser Krise ist aber, daß die USA und die unterwürfigen russophoben Natostaaten erkennen müssen, daß es mit der weltweiten Globalisierung auf allen möglichen und unmöglichen Gebieten, natürlich unter der hegemonialen Führung der USA, vorbei ist. Es wird sich wohl kein Land außerhalb dieses Verbrecherzirkels weiter beschwatzen, nicht bedrohen und gleich gar nicht überzeugen lassen, da mitzumachen. Mit der nun schon mehrfachen Abkehr großer Länder von der Bezahlung von Leistungen und Produkten vom US-Dollar zu den nationalen Währungen verringert sich die finanzielle, wirtschaftliche und damit verbunden auch die politisch/militärische Macht der USA und deren Spießgesellen.

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