Nordstream-2-Sanktionen – weiteres kostenloses US-Audit für die russische Wirtschaft

Nordstream-2-Sanktionen – weiteres kostenloses US-Audit für die russische Wirtschaft

 

Wieder einmal haben die USA Sanktionen gegen Russland verhängt. Diesmal im Zusammenhang mit Nordstream-2. Sanktionen sind für Russland, rechnet man die Erfahrungen der Sowjetunion hinzu, ein Dauer- und somit Normalzustand. Man lebt damit. Und Sanktionen haben auch noch einen Vorteil: sie sind ein kostenloses Audit des Landes, der Wirtschaft und der Gesellschaft.

 

 

Jede Sanktion anderer Staaten gegen Russland zwingt das Land, sich mit möglichen Folgen zu beschäftigen. Man erhält also durch die Sanktionen den Spiegel vorgehalten und kostenlos aufgezeigt, wo die eigene Wirtschaft, die eigene Gesellschaft nicht so organisiert ist, dass sie reibungslos funktioniert.

Es gibt Bereiche in der russischen Gesellschaft, die keinerlei ausländische Sanktionen zu befürchten haben – sie funktionieren unter allen Bedingungen: wir sprechen von der russischen Armee und den Sicherheitsorganen. Und das provoziert die Frage, warum andere Bereiche Russlands nicht so arbeiten, wie die genannten.

Es wird langsam Zeit, dass Russland aus fast 100 Jahren Sanktionsgeschichte endlich die richtigen Schlussfolgerungen zieht, sich nicht isoliert, aber sein Leben so organisiert, dass es immer Alternativen gibt. Die monopolare Herrschaft der USA in der wirtschaftlichen Welt muss genauso aufhören, wie sie schon in der politischen und militärischen Welt beginnt aufzuhören.

Verhindert wurde, dank der amerikanischen Einflussnahme, der Bau von Südstream. Die Länder, die die Amerikaner damals unterstützt haben, bedauern dies heute. Aber es ist zu spät. Russland hat eine Alternative gefunden und baut die Türkenlinie. Sie ist an sich fertig.

Viel ist in den letzten Jahren geschehen, um den Bau von Nordstream-2 zu verhindern. Und in letzter Minute, wenige Kilometer vor dem Endausbau, wird ein einziges Schiff abgezogen, welches die Rohre verlegt hat und schon kommt das Projekt zum Stillstand. Wie kann es sein, dass ein einziges Schiff entscheidet, ob man zukünftig in Deutschland mehr oder weniger friert?

Nun gibt es verschiedenste Aussagen russischer Politiker, so auch des russischen Präsidenten Putin, dass man innerhalb kürzester Zeit Alternativen zu diesem schwimmenden Rohrverleger finden wird. Man will sogar mehrere Schiffe zur Auswahl haben – sagen russische Experten. Aber trotzdem – der Bau wird erst einmal verzögert, aber nicht verhindert, es sei denn, die Einflussnahme der Amerikaner geht so weit, dass man Deutschland verbietet, Gas aus dieser neuen Leitung zu nutzen und das souveräne Deutschland die Weisung der Besatzungsmacht USA ausführt.

Bis der Bau fortgesetzt und vollendet wird, schauen wir stichpunktartig noch ein wenig auf die Hundert-Jahre-Sanktionen gegen „SowjetRussland“.

1917 Verhängung einer Handels- und Seeblockade der Länder der Entente. Grund war die Weigerung Sowjetrusslands, Schulden des Zarenreiches zu bezahlen und die Verstaatlichung von ausländischem Eigentum. Die Blockade endete im Januar 1920.

1925 Verhängung der sogenannten „Goldblockade“ durch die USA und europäische Staaten. Grund war die Einführung der Neuen ökonomischen Politik und die Kündigung von Konzessionsvereinbarungen durch die Sowjetunion. Die Sowjetunion konnte nun nicht mehr mit reinem Gold für Warenlieferungen bezahlen. Als Bezahlung wurde nur noch Erdöl oder Getreide akzeptiert. Ziel war eine Lebensmittelknappheit herbeizuführen und die Unzufriedenheit der Menschen zu stimulieren. Die Blockade endete 1934

1939 wurde ein „Moralisches Embargo“ durch die USA verhängt. Grund war der sowjetisch-finnische Krieg. Es durften keine Erzeugnisse der Luftfahrt in die Sowjetunion geliefert werden. Das Embargo war ein Flopp. In dieser Zeit erhöhte sich der Außenhandelsumsatz fast um das Doppelte.

1947 traten die Truman-Doktrin in Kraft. Diese beinhalteten u.a. die Niederhaltung der UdSSR in allen Fragen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung.

1948 begann die Einschränkung des Exports von strategischen Materialien, Ausrüstungen und Militärtechnik durch die USA und einer Reihe westlicher Staaten. 1949 wurde das Komitee Cocom (Kokom) gegründet, die das totale Exportverbot zu überwachen hatte. Diese Sanktionen endeten 1994.

1962 verhängten die USA ein Embargo zur Lieferung von Röhren großen Durchmessers für den Bau der Erdölleitung „Druschba“.

1974 Abschaffung der sogenannten Meistbegünstigung im Handel mit der Sowjetunion und Einführung neuer Steuern für Importe aus der Sowjetunion. Grund war die Einführung eines Gesetzes, wonach sowjetische Auswanderer dem Staat die Kosten für ihr Studium in der Sowjetunion zu erstatten haben, bevor sie ausreisen. Die Sowjetunion wollte damit der Bildungs-Migration einen Riegel vorschieben. Selbst, nachdem die Migrationsfreiheit im Jahre 1987 wieder eingeführt wurde, blieben diese Sanktionen in Kraft und wurden erst 2012 aufgehoben.

Nach Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan verhängten die USA Handels- und Krediteinschränkungen und verboten Kulturkontakte. Weiterhin wurde der Sowjetunion der Fischfang in Hoheitsgewässern der USA untersagt. Es wurde ein Getreideimportvertrag über 17 Mio. Tonnen durch die USA gekündigt. Die Sowjetunion verkaufte das Getreide umgehend an andere westliche Staaten. Weiterhin kam es zum gegenseitigen Boykott von Olympischen Spielen.

1981 verhängten die USA ein Verbot zum Export von Erdöltechnik aller Art. Man wollte den Bau einer Leitung von Sibirien nach Westeuropa verhindern. Russland kompensierte dieses Embargo mit dem erhöhten Export von Gold, von ehemals 90 Tonnen auf 250 Tonnen jährlich. Die Leitung wurde trotzdem gebaut und die USA stellten das Embargo 1982 ein. 1984 wurde die Leitung, die bis heute funktioniert, in Betrieb genommen.

1986 zwangen die USA einige arabische Staaten die Erdölförderung erheblich anzuheben. Ziel war ein Preisverfall und dies wiederum hatte erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt der Sowjetunion. Erdöl war die Haupteinnahmequelle im Valutabereich. Es begann eine große Wirtschaftskrise im Land.

Während der Jelzin-Ära, der Ära des totalen Ausverkaufs Russlands, kam es zu keinen Sanktionen. Erst, nachdem die USA erkannt hatten, dass in Russland ab dem Jahre 2000 wieder eine neue Entwicklung einsetzte, die die Rolle der USA in der Welt erheblich bedrohte, begann man wieder zum Mittel der Sanktionen zu greifen.

Kommen wir zum Fazit.

Sanktionen haben immer Folgen, egal, welcher Politiker welchen Landes irgendetwas erklärt. Sanktionen haben die Folgen, dass sie die Menschen und die Wirtschaft des betroffenen Landes auf Trab bringen, wie eben das Beispiel Russlands ab 2014 zeigt, als der russische Bär aus dem Erdölschlaf geweckt wurde und sich Gedanken machen musste über sein weiteres Leben.

Mit den bisherigen Sanktionen der letzten hundert Jahre hat der Westen ein Ziel erreicht: Das ideologisierte sowjetische Wirtschaftssystem brach zusammen. Die russische Wirtschaft ist nicht ideologiebelastet. Und ein Schiff für das Verlegen der letzten 160 Kilometer Röhren findet sich bestimmt in der Welt.

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 30. Dezember 2019 18:45 pm

    "Und Sanktionen haben auch noch einen Vorteil: sie sind ein kostenloses Audit des Landes, der Wirtschaft und der Gesellschaft."
    Eine Gesellschaft und deren Administration, die das nach Jahrzehnten noch nicht erkannt haben, was soll man von der Administration halten? Deren ganzes Sinnen und Trachten darauf hinaus ist, einen angeblich günstigen Deal zu machen, das zeigt mal wieder, was das für Krämerseelen sind.
    Die werden das entweder nie oder vollkommen zu spät begreifen, daß sie sich ihre Sanktionen sonstwo hinstecken können. Der nächste Hieb gegen die Sanktionen und Erschwerungen des internationalen Handels haben doch die muslimischen Länder jetzt vereinbart. Weg vom US-Dollar, Handel in nationalen Währungen bis der Gold-Dinar spruchreif ist. Und das mit den ganzen Folgen für den USD und die immer weniger werdenden Möglichkeiten der US-Administration von wirksamen Sanktionen gegen "ungehorsame" Länder. Die Knute der selbsteingebildeten Weltenherrscher wird dünner.

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