Nun doch Gerechtigkeit für Kunden der Kaliningrader „Investbank“

Nun doch Gerechtigkeit für Kunden der Kaliningrader „Investbank“

 

Freitag der 13. im Jahre 2013 in Kaliningrad. Schwärzer konnte dieser Tag nicht sein. Tausende, wenn nicht gar zehntausende Kunden der Investbank, eine der größten Banken Russlands zum damaligen Zeitpunkt, erinnern sich an diesen Tag, als wenn es gestern gewesen wäre. Nun keimt eine winzige Hoffnung nach Gerechtigkeit auf.

 

 

Mitte 2013 übernahm Elvira Nabiullina, die ehemalige russische Wirtschaftsministerin unter dem Premierminister Wladimir Putin, die Funktion der Leiterin der russischen Zentralbank. Sie wartete nicht lange mit dem Aufräumen der unprofessionellen, kriminellen, korrupten Bankenszene in Russland. Noch im Jahre 2013 verloren 41 Banken ihre Lizenz. Aber zwischen Lizenz verlieren und Lizenz verlieren gibt es qualitative Unterschiede. Erinnern wir uns ein wenig an den schwärzesten Freitag in der Kaliningrader Bankgeschichte.

Gerüchte liefen schon einige Tage, dass irgendetwas mit der Investbank nicht stimme. Vor allen Filialen der Bank bildeten sich Schlangen und die Kunden versuchten ihre Einlagen abzuheben. Ab einem bestimmten Zeitpunkt stoppte die Bank diesen Prozess, denn die Bargeldreserven waren erschöpft. Die tägliche Auszahlung an Kunden, die viele Stunden vor den Banken ausharrten, wurde auf einige Tausend USD, Euro, einige Millionen Rubel begrenzt.

 

 

Die Wogen schlugen immer höher, so dass der damalige Gouverneur Nikolai Zukanow, auch ein Kunde der Investbank, so wie die Gebietsregierung, das deutsche Generalkonsulat, deutsche Privatanleger und tausende von Kaliningrader Private und Unternehmer, vor die erregte Masse trat und sinngemäß die Worte sprach: „Ihr Geld ist sicher“. Zukanow informierte, dass er gerade eben mit hohen und höchstgestellten Personen in Moskau gesprochen habe und alle haben ihm versichert, dass „alles wird – Wsjo budjet“. Und so gingen die Bürger am Donnerstagabend nach Hause, legten ihr müdes Haupt auf das Kopfkissen, um in den ganz frühen Morgenstunden – damals verkündete die Zentralbank Lizenzentzüge immer gegen acht Uhr Moskauer Zeit, also sieben Uhr Kaliningrader Zeit, zu erfahren: Die Investbank hat ihre Lizenz verloren. Die Volksseele begann zu kochen, aber irgendwie hatte Väterchen Staat die Sache im Griff und es kam zu keinen wirklich gefährlichen Aktionen der Betroffenen.

 

 

Die Betroffenen, insgesamt 25.530 Anleger, erhielten im Verlaufe der nächsten Wochen rund neun Milliarden Rubel, also den versicherten Teil ihrer Einlagen ausbezahlt, damals noch 700.000 Rubel. Heute sind bereits 1,4 Mio. Rubel versichert.

Wer mehr auf dem Konto hatte, konnte nur hoffen, aus der Konkursmasse noch ein paar Krümel zu bekommen.

Nun sind über sieben Jahre vergangen und die Abwicklung der Bank ist immer noch nicht geschehen. Man kann auf der Internetseite der Zentralbank den ganzen Vorgang mitverfolgen – wer denn die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat.

Immer mal wieder tauchten Informationen auf, dass es in dieser Bank zu großen betrügerischen Aktionen der Besitzer und des führenden Managements gekommen ist. Nun, sieben Jahre nach dem Lizenzentzug, scheinen die russischen Rechtspflegeorgane sich sicher zu sein, denn am Samstag wurde zugeschlagen und Verhaftungen vorgenommen.

Verhaftet wurde der Präsident der hauptstädtischen Hockey-Föderation und ehemalige Vorsitzende des Verwaltungsrates der Investbank Sergej Mendelejew, die Ex-Mitglieder des Aufsichtsrates der Bank Wladimir Gesin, Sergej Saizew und Grigori Jusufow. Ihnen wird „geplanter Bankrott einer Bank“ vorgeworfen.

Konkret wird den Genannten vorgeworfen, im Zeitraum 30. März bis 15. August 2012 sogenannten „Ein-Tages-Firmen“, die durch die jetzt Verhafteten kontrolliert wurden, ungedeckte, d.h. nicht abgesicherte Kredite im Umfang von 3,2 Mrd. Rubel ausgereicht zu haben. In Russland bezeichnet man dies als ungesetzliche Geldentnahme aus den Aktiva der Bank – ein durchaus üblicher ungesetzlicher Vorgang, um sich persönlich zu bereichern, denn die Banken spielten in Russland viele Jahre nur die Rolle der melkenden Kuh für deren Besitzer und erfüllten nicht die Rolle als Element eines funktionierenden Finanzsystems eines Landes.

Der Haftrichter hat entschieden, dass alle in Untersuchungshaft genommen werden. Zwei der Genannten stehen unter Hausarrest. Verhaftet wurden die Top-Manager in ihren luxuriösen Behausungen in der Moskauer Rubljowka und im Moskauer Stadtzentrum.

408 Firmen und Privatanleger haben die Verantwortlichen der Investbank verklagt.

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