Oppositionsportal schafft ab, was es eigentlich nicht gibt

Oppositionsportal schafft ab, was es eigentlich nicht gibt
 
Im Westen herrscht die Meinung, dass es in Russland weder eine Opposition, geschweige denn Meinungsfreiheit gibt. Alles wird kontrolliert, unterdrückt, mindestens jedoch zensiert. Nun aber informiert das wohl bekannteste Kaliningrader „liebe“rale Portal „newkaliningrad“, dass das angegliederte Forum, wo jeder seine Meinung sagt, geschlossen wird – freiwillig.
 
 
Fast alle Kaliningrader Medien haben auf ihrem Portal ein angeschlossenes Forum, wo sich Interessierte registrieren können und dann nach Lust und Laune, entweder unter ihrem eigenen Namen oder irgendeinem, mehr oder weniger lächerlichen Pseudonym und Avatar, all ihren mehr oder weniger, in der Regel weniger, intelligenten Unfug, dem Rest der russischsprachigen Welt mitteilen. Was man dort manchmal zu lesen bekommt ist die reinste Gosse. Damit unterscheidet sich Russland wohl nicht von ähnlichen Einrichtungen für Deutschsprachige. Und es ist der Beleg, dass es wohl doch nicht ganz so schlimm bestellt ist mit der Unterdrückung Andersdenkender bzw. Andersschreibender. Das kann natürlich im Westen nur der beurteilen, der auch Russisch lesen und verstehen kann. Alle anderen müssen das glauben, was „Spiegel“, „Focus“ und „Bild“ schreiben oder ARD und ZDF senden. Oder man kann auch mir und meinem Portal glauben.
 
Videoeinspielung ("17 Augenblicke des Frühlings")
 
Die meisten dieser Forenteilnehmer weltweit glauben immer noch, dass sie unentdeckt und anonym agieren können. Die Praxis zeigt aber, dass es für die Rechtspflegeorgane jedes beliebigen Landes kein großes Problem darstellt, diese „Sozialnetzteilnehmer“ zu „enttarnen“, die Präsidenten, Kanzlerinnen, Minister, Gouverneure, Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitschüler beleidigen, beschimpfen, verleumden und bedrohen.
 
Screeneinspielung
 
Das Informationsportal „newkaliningrad“ informiert mit einem ausführlichen Beitrag über die Gründe, weshalb das Forum zum Ende des Monats eingestellt wird. Es wird nicht deshalb eingestellt, weil sich dort die anonyme Kaliningrader Gosse trifft. Es wird eingestellt, weil ein neues Gesetz die Speicherung und die Übergabe von Daten im Bedarfsfall an die Rechtspflegeorgane fordert. Der Verwaltungsaufwand ist sehr groß, meint das Portal und letztendlich habe man Aufwand und Nutzen gegenübergestellt und sich entschlossen, die Gosse abzuschaffen.
 
Screeneinspielung
 
Das rief die Begeisterung des exChefredakteurs dieses Portals Alexej Milowanow hervor, der sich, wie bei ihm üblich, unter Nutzung der russischen Mat-Sprache (Gossensprache) in einem Begeisterungssturm positiv zu diesem, seit 10 Jahren überfälligen, Schritt des Portals äußert.
 
Bedauern tut er, dass das Portal trotzdem noch die Möglichkeit belässt, dass die Kaliningrader Gosse ihre Ergüsse noch direkt unter den Artikeln platzieren kann. Diese Möglichkeit der Beleidigung, Beschimpfung, Verbreitung von Gerüchten, Fake-Informationen bleibt nach wie vor erhalten.
 
Als ich im vergangenen Jahr mein Informationsportal habe neu programmieren lassen, stand ebenfalls die Frage, ob die Kommentarfunktion erhalten bleiben soll oder nicht. Andere deutschsprachige Medien in Russland haben diese Funktion längst abgeschafft oder kontrollieren diese streng. Letztendlich habe ich mich überreden lassen die Kommentarfunktion zu belassen, denn im Unterschied zu einem Forum, sind die Kommentare in der Anzahl und im Umfang doch übersichtlich und können somit immer moderiert werden. Somit ist ausgeschlossen, dass sich auf meinem Portal das abspielt, was nicht erwünscht ist: Gosse. Erwünscht sind qualitative Kommentare, die für alle Interessierten, wissenserweiternd sind, die meine Veröffentlichungen ergänzen oder korrigieren. Kritik ist auch erwünscht, aber keine Nörgelei und keine Provokationen, egal, wie gut sie verpackt werden.
 
Das Gleiche trifft natürlich auch auf Kommentare zu, die unter Beiträgen in Facebook oder in meinen YouTube-Kanälen (deutsch und russisch) platziert werden. Zum Glück gibt es auch hier nur wenig zu beanstanden und meine ursprüngliche Meinung, niemanden zu blockieren, habe ich längst aufgegeben. Wer seine Wohnung sauber halten will, muss auch Staub wischen und den Lappen regelmäßig ausschütteln. Die von mir genutzten Sozialnetzwerke, in denen ich grundsätzlich mit meinen Realgesicht und Realnamen auftrete, haben zum Glück die Möglichkeit der Einflussnahme auf nicht erwünschte „Gäste“.
 
Videoeinspielung
 
Alexej Milowanow, ein gern gesehener freischaffender Oppositionsjournalist bei Empfängen des deutschen Generalkonsulats, kommt mit seiner verfickten russischen Gossensprache zu dem Schluss, dass die Abschaffung des Forums und sonstiger anonymer Kommentar-Kotz-Funktionen kein Verlust für die Welt und schon gar nicht für Kaliningrad ist.
 
Videoeinspielung
 
Tja, wo er Recht hat, hat er Recht.
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