Putin der Gütige. Die Feinde Russlands erhalten eine weitere Chance

Putin der Gütige. Die Feinde Russlands erhalten eine weitere Chance
 
Vor wenigen Tagen verkündete der russische Präsident Putin einen neuen Ukas. Er wurde im Osten der Welt zur Kenntnis genommen. Im Westen anscheinend nicht. Dabei bietet Putin mit diesem Ukas den Feinden Russlands Zuckerbrot an – oder alternativ die Peitsche.
 
 
Lange habe ich gebraucht, um diese nicht ganz einfache Thematik „Sachalin-2“ zu verstehen. Viele habe ich befragt und gebeten, mir mit einfachen Worten zu erklären, was der Ukas Putins vom 30. Juni zu bedeuten hat. Viele haben mir irgendwas erklärt, aber verstanden habe ich trotzdem nichts.
 
Heute habe ich „Jemanden“ getroffen, der wohl aus der Branche stammt und der mir erklärt hat, dass die Bezeichnung „Sachalin“ nicht abgeleitet ist vom russischen Wort „Sachar“, also „Zucker“. Sachalin, in diesem Fall Sachalin-2 bedeutet „Gepfeffertes und Gesalzenes“.
 
Ich versuche mal ganz einfach und sehr kompakt zu erklären, was ich verstanden habe. Meine Darlegungen erheben kein Anspruch auf Vollständigkeit und absolute Wahrheit.
 
Übrigens befinde ich mich mit meiner Unwissenheit in Gesellschaft mit der japanischen Regierung. Denn diese hat den Ukas Putins auch nicht verstanden und hat sich an Putin gewandt mit der Bitte, das Ganze verständlich zu erklären. Ich versuche dies jetzt einmal – allerdings nicht für die japanische Regierung, sondern für meine Leser und Zuschauer.
 
Das „Projekt Sachalin-2“ befindet sich auf der Insel Sachalin und ist eines der größten Erdgas-/Erdölprojekte in der Welt. Um das Projekt zu entwickeln, gibt es einen „Operator“ – „Sachalin-Energie“. Dieser Operator hat Aktionäre: Gasprom mit 50 Prozent plus einer Aktie, die britische Firma „Shell mit 27,5 Prozent minus einer Aktie, Mitsui mit 12,5 Prozent und Mitsubishi mit 10 Prozent.
 
Die Aktionäre haben in der Vergangenheit in die Erschließung des Projektes investiert. Viel moderne westliche Technik wurde geliefert und genutzt. Eine große Anzahl westlicher Spezialisten arbeitete in dem Unternehmen. Eigenartigerweise scheint aber das Projekt keinen Gewinn abzuwerfen – so sagt es zumindest Putin, der meint, dass es für Russland nicht von Interesse ist mit Investoren zusammenzuarbeiten, die das Geschäft so organisieren, dass es keinen Gewinn abwirft.
 
Man muss also davon ausgehen, dass die Investoren durch den Verkauf von Fördertechnik und sonstigen Leistungen, wie z.B. Management Fee, soviel Geld verdienen und das geförderte Gas zu so geringen Preisen verkaufen, dass kein Gewinn erwirtschaftet wird – also Kosten hochtreiben und Preise künstlich drosseln. Ein bekanntes Schema westlicher Firmen, die in Russland tätig sind. Russland schaut also, wortwörtlich, in die Röhre.
 
Hauptabnehmer für das dort geförderte Gas sind übrigens Japan und Südkorea.
 
 
Die ausländischen Investoren haben sich jetzt entschlossen, sich aus diesem Geschäft zurückzuziehen. Sie schmeißen den Kram aber nicht einfach hin und verschwinden, sondern versuchen mit Hochdruck, ihre Anteile irgendjemandem zu verkaufen, um wenigstens noch ein wenig Profit aus dem Unternehmen herauszusaugen. Russland ist aber nicht daran interessiert, irgendwelche anderen Partner zu erhalten, die ihnen der Westen wieder vor die Nase setzt.
 
Dazu kommt noch das Risiko, dass natürlich all die hochkomplizierten, hochmodernen Anlagen nicht mehr mit westlicher Technik versorgt oder instandgesetzt wird. Alle westlichen Spezialisten sind bereits abgezogen worden. Es wird also über kurz oder lang zu Problemen kommen. Das Projekt könnte zusammenbrechen, wenn keine energische Unternehmensführung das Zepter in die Hand nimmt.
 
Russland will nun mit dieser ganzen westlichen Willkür Schluss machen.
 
Somit hat Putin angeordnet, einen neuen Operator für das Projekt in Monatsfrist zu schaffen. Die westlichen Aktionäre wurden darüber informiert und ihnen wurde eine Frist gesetzt Russland mitzuteilen, ob sie Aktienanteile am neuen Operator erhalten wollen oder nicht. Wenn sie dies wollen, so denke ich mal, dass dies der Anteil sein wird, den sie auch am alten Operator hatten. Zuzahlungen sind nicht nötig, aber die Pflichten und Rechte werden sicherlich neu geregelt – natürlich im Sinne aller Aktionäre, so auch Russlands. Daran ist aber der Westen nicht interessiert. Somit wird vermutet, dass die westlichen Aktionäre einfach ihre Anteile am alten Operator verlieren – letztendlich führt Russland eine Nationalisierung des Objektes durch.
 
Mein Bekannter meinte lakonisch: Der Westen hat uns 300 Milliarden USD gestohlen. Wir bedienen uns jetzt an deren Eigentum, welches er, der Westen, moralisch verwerflich, gegen uns in den letzten Jahrzehnten eingesetzt und ausgenutzt hat.
 
Offiziell wird im Ukas Putins angewiesen, dass im Falle des Verzichtes der ausländischen Aktionäre auf ihre Anteile beim neuen Operator, ihre Anteile zum Verkauf ausgeschrieben werden. Der erzielte Verkaufserlös (vermutlich wird Gasprom die Anteile kaufen), wird auf ein Konto zugunsten der ehemaligen Aktionäre überwiesen.
 
Soweit zur Vorrede. Für 99,9 Prozent aller Leser und Zuschauer wohl sehr langweilig – weil anscheinend bedeutungslos. Aber man kann sich irren. Manchmal muss man bis zum Schluss Ausdauer haben.
 
Das auf Sachalin geförderte Gas wird zu einem Großteil in Flüssiggas umgewandelt und nach Japan und Südkorea geliefert. Das Flüssiggas wurde bisher – wie schon gesagt – zu lächerlichen Preisen geliefert. Der neue Operator wird andere Preise fordern, wesentlich höhere als jetzt – eben angepasst an den Weltmarkt. Dies bedeutet, dass alle Erzeugnisse, die mit Hilfe dieses Gases produziert werden, natürlich erheblich teurer werden.
 
Aber das generelle Problem ist, ob dieses Flüssiggas zukünftig überhaupt noch für Japan und Südkorea zur Verfügung steht. Zum einen handelt es sich um unfreundliche Staaten, denen man die Lieferung verweigern kann und wenn geliefert wird, dann natürlich gegen Rubel. Zum anderen haben beide Staaten auch die Sanktionen zu beachten und könnten durch die USA gezwungen werden, auf dieses Gas zu verzichten.
 
Japan hat jetzt bereits begonnen, sich nach alternativen Lieferquellen umzuschauen. Aber diese sind nur begrenzt vorhanden. Logisch, dass derjenige freie Kapazitäten erhält, der bereit ist, das meiste Geld zu bezahlen. Wieder beginnt sich die Preisschraube zu drehen.
 
Verlierer ist eindeutig der Westen – meint mein Bekannter, der mir half, Sachar-lin und Sachar-Peitsche zu verstehen.
 
Die nächste Welle der Energiekrise rast auf Europa zu – die Öffentlichkeit hat dies nur noch nicht zur Kenntnis genommen. Und trifft diese Welle auf die Rücklaufwelle der ersten Sanktionswelle … tja, ich muss mal bei Wikipedia nachschauen, was die Physik dann macht.
 
Ich hoffe, meine lieben Zuschauer und Leser, dass ich diesen, bisher wenig beachteten Putin-Ukas, einigermaßen verständlich erklärt habe. Für mich war es wichtig, dass Sie verstehen, dass Putin der Gütige, den Feinden Russlands eine zweite Chance gibt. Er hätte auch einfach enteignen können – so wie es der Westen tut.
 
 
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Kommentare ( 4 )

  • Rudi Michael Schmelzer

    Veröffentlicht: 5. Juli 2022 21:49 pm

    zum Gas aber über Umwege. Heute hat ein Wohnungsvermieter in Dippoldiswalde seinen 800 Mietern mitgeteilt, dass es nur noch Warmwasser für 4 Stunden am Tag gibt. Als Begründung wurde angeführt, dass man die Mieter vor hohen Nachzahlungen im kommenden Jahr schützen müsse. Einschränkungen bei der Wärmeversorgung sind nicht ausgeschlossen. Wie man sehen kann, wirken die Sanktionen gut auf die eigene Bevölkerung und unfähige Politikerbringen jeden Tag neue Sanktionen ins Spiel bringen. Der deutsche Michel beugt sich bis zum Umfallen. Die Werte der der vergangener Generationen werden mit Füssen getreten.

  • Manfred SCHARTOW

    Veröffentlicht: 5. Juli 2022 22:36 pm

    Heer Schmelzer das ist ein kluger Schachzug vom Wohnungsvermieter in Dippswalde.
    Entweder er will seine Mieter endlich wachrütteln; wacht auf ihr Verdammten dieser Erde, oder er handelt im Auftrag der Nationalen Front, bestehend derzeitig aus SPD, Bündnis90/Grüne, FDP und CDU.
    Also eine in Dippswalde über Jahrzehnte bekannte Einheitsfront, der man dann auch bei den nächsten Volksabstimmungen das Vertrauen schenkt.
    Die Umfaller wählen dann die einzigste Alternative, nämlich DIE PARTEI unter Leitung ihres Vorsitzen und Europaabgeordneten Sonneborn.
    Da macht Politik wieder Spaß.

  • Tikhon Friedrichowitsch von Münchhausen

    Veröffentlicht: 5. Juli 2022 23:47 pm

    Wann platzt dem deutschen treudoofen, von seinen Qualitätsmedien mit Durchhalteparolen und Schönrednerei eingelullten, schlafwandeldem Dummmichel wohl der Kragen?

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 6. Juli 2022 09:00 pm

    Wie denken eigentlich die Einwohner von "Dippelsdorf", wo es sicher auch AWG- und Werkswohnungen gegeben hat, über die Tatsache, daß ein Mann, oder eine Gruppierung, über 800 Wohnungen bestimmt?
    Durch die Wende verschwand auch die auf mich vor grauen Tagen eingetragene AWG-Wohnung ins Nichts - einfach so - keinerlei Hinweis - niente!

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