Putins Geburtstagsgäste

Putins Geburtstagsgäste

 

Vor kurzem hat Putin Geburtstag gefeiert. Er fuhr in die Taiga. Und er wurde von diesem und jenem Bekannten begleitet. Westliche Medien erfuhren von der Geburtstagsrunde und schon beginnen die Köche in der Gerüchteküche zu arbeiten und die Analysten Wahrscheinlichkeiten zu berechnen.

Russische Medien analysieren nicht nur sich selber, sondern kommentieren und informieren auch über Veröffentlichungen in ausländischen Medien. Und so fiel ein Beitrag des Schweizer „Tages-Anzeiger“ auf, in dem über einen ganz besonderen Gast, eine ganz besondere Begleitung Putins, auf den Waldpfaden der großen Taiga geschrieben wurde.

Interessant ist schon, wie Medien über irgendwelche Interna aus dem Kreml und aus Putins unmittelbarem Umfeld erfahren. Persönlich bin ich der Ansicht, dass, wenn eine Information nicht an die Öffentlichkeit kommen soll, diese auch – zumindest in Russland – nicht an die Öffentlichkeit kommt. Wenn es Veröffentlichungen in den Medien gibt, so ist das gewollt. Und wenn Schweizer Medien über den Aufenthalt Putins in den großen einsamen Wäldern der Taiga berichten, so hat jemand aus der großen einsamen Umgebung Putins dies so gewollt und Putin hatte nichts dagegen.

Und so berichtete man in dem Beitrag, dass der 67jährige Putin vom 65jährigen russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu begleitet wurde. Schoigu gehört zum vertrauten Umfeld Putins und hat schon immer bewiesen, dass er dem Staat loyal in vielen Funktionen dient – erfolgreich dient. Und Putin treibt mit ihm Sport, man geht auch auf die Jagd, angelt oder genießt einfach die Natur und knabbert vielleicht ein wenig Trockenfisch am abendlichen Taiga-Feuer.

Aber die Anwesenheit von Sergej Schoigu an Putins 67. Geburtstag – so berichtet die Schweizer Zeitung – hat vielleicht diesmal einen tieferen Sinn. Putin sucht einen Nachfolger für sich, denn im Jahre 2024, wenn die nächsten Präsidentenwahlen anstehen, kann er nicht mehr antreten. Die Verfassung lässt dies nicht zu.

Es gibt zwar gut Informierte, die orakeln, dass Russland und Weißrussland in Kürze eine Föderation eingehen, somit ein neuer Staat entsteht und Putin als Präsident dieses neuen Staates gewählt wird und weitere sechs Jahre die Geschicke des Landes leite, aber wer den selbstbewussten Lukaschenko kennt, wird wohl berechtigte Zweifel an dieser Version haben.

Und so meint man, dass Putin wohl den fast gleichaltrigen Schoigu als seinen Nachfolger ins Auge gefasst haben könnte. Dabei ignoriert die Autorin des Beitrages, dass Putin mal geäußert hat, dass Russland über sehr viele junge, ambitionierte Menschen verfüge, die zukünftig die Geschicke des Landes leiten. Es gibt Leute, die orakeln, dass dies Anton Alichanow, der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes ist und andere meinen … also, lange Rede kurzer Sinn: Russland hat 147 Mio. Einwohner und alle sind irgendwie Anwärter auf das Amt des Präsidenten, wenn man alle Beiträge westlicher Medien zu diesem Thema liest.

 

 

Interessant ist aber, auf welchen Fakten die Autorin des Schweizer „Tages-Anzeiger“ ihre Annahme basiert. Sie meinte, dass Schoigu wenig in der Öffentlichkeit auftritt (… was ich, als Analyst russischer Medien, eigentlich nicht bestätigen kann) und vor kurzem hat er sein erstes Interview seit sieben Jahren gegeben. Und das Interview dauerte zwei Stunden. Und das ist ein untrügliches Anzeichen, dass sich Schoigu in eine Startposition als möglicher neuer russischer Präsident bringt.

Die Autorin teilt den Lesern weiterhin mit, dass Verteidigungsminister Schoigu sich großer Popularität in der Bevölkerung erfreut und als „Mann der Tat“ gilt. Damit hat sie Recht.

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