Reale Grabsteine, virtuelle Gräber – Deutsche Grabstein-Anarchie in Kaliningrad

Reale Grabsteine, virtuelle Gräber – Deutsche Grabstein-Anarchie in Kaliningrad
 
Die Meldungen zum Wildwuchs neuer deutscher Grabsteine im Kaliningrader Gebiet mehren sich. Es geht um das illegale Aufstellen von Grabsteinen für gefallene deutsche Soldaten, vielleicht sogar für deutsche Kriegsverbrecher.
 
 
Verträge, die zwischen Russland und Deutschland abgeschlossen worden sind, regeln im gegenseitigen Einvernehmen die Arbeit mit konkret definierten Orten, Gedenkstätten und Friedhöfen, wo, in beiden Weltkriegen gefallene Soldaten, ihre letzte Ruhe fanden. Dies betrifft sowohl Stätten in Deutschland, wie auch Stätten in Russland, so auch im Kaliningrader Gebiet.
 
Kein russischer Bürger würde auf den Gedanken kommen, für einen gefallenen Angehörigen in irgendeiner deutschen Stadt, in irgendeinem deutschen Wald, auf irgendeiner deutschen Wiese, einen Grabstein aufzustellen. Wenn dieser Wunsch bestehen würde, dann kann man sicher ein Gesuch an deutsche Behörden richten und diese werden, entsprechend der deutschen Gesetzgebung, antworten und verfahren.
 
Auch kein Deutscher würde auf den Gedanken kommen, einen Grabstein irgendwo in Deutschland aufzustellen, dort, wo ein Familienangehöriger gefallen ist. Hierfür gibt es spezielle Friedhöfe, Gedenkstätten und deutsche Gesetze.
 
Aber in Kaliningrad scheint das anders zu sein. Hier glauben immer mehr Deutsche, dass sie russische Gesetze nicht zu beachten brauchen und stellen Grabsteine auf. Wenn diese Deutschen aber schon russische  Gesetze ignorieren, weil sie vielleicht zu denen gehören, die meinen, dass Ostpreußen das heutige Ostdeutschland ist, auf dessen Territorium sich die Russen ungesetzlich und nur temporär aufhalten, so würde dies doch aber bedeuten, dass sie dann mindestens die deutschen Gesetze einhalten sollten. Das tun sie aber auch nicht. Mit anderen Worten: es herrscht Anarchie … Grabstein-Anarchie … deutsche Grabstein-Anarchie.
 
Das neueste Beispiel betrifft einen Grabstein, der unweit der Stadt Nestorow gefunden wurde.
 
Foto: Illegaler Grabstein für deutschen Soldaten
 
Er trägt die Inschrift:
 
"Hier ruht in Gott unser einziger Sohn und Bruder Otto Millnat, Inf-Regiment 43, geboren 16. März 1922, verwundet 30. Mai 1942 im Osten, gestorben 18. Januar 1943 im Hospital Glogau. Unsterblich!"
 
Aber an dieser Stelle ruht kein deutscher und kein russischer Soldat, welcher im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, denn der Grabstein wurde in einer Gedenkstätte für gefallene russische und deutsche Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg aufgestellt. Der hier erwähnte Otto Millnat wurde aber erst vier Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges geboren.
 
Entdeckt wurde dieser neue Grabstein durch einen Würdenträger der russisch-orthodoxen Kirche, der die zuständigen Behörden informierte. Diese wiederum veranlassten die Demontage dieses Grabstein-Wildwuchses.
 
Der Grabstein ist eine Neuanfertigung. Vermutlich gibt es Steinmetze in Kaliningrad, die Auftragsarbeiten aus Deutschland ausführen und die dann auch die Grabsteine aufstellen. Man kann durchaus vermuten, dass es hierzu bereits eine gewisse „Struktur“ gibt, interessierte Deutsche sich gegenseitig über Möglichkeiten informieren und dann die Aufträge auslösen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Steinmetze im Kaliningrader Gebiet gefunden werden. Wie teuer das illegale Aufstellen für diese russischen Steinmetze wird, ist schwer zu sagen, vermutlich nicht sehr teuer. Wie teuer es für die Deutschen wird, die diese Auftragsarbeiten ausgelöst und russische Bürger zur Verletzung bestehender Gesetze angestiftet haben, ist auch schwer zu sagen. Vermutlich wird sich auch hier die Verwaltungsstrafe im ganz niedrigen Rubelbereich bewegen. Teuer, virtuell teuer, wird es aber dann, wenn Familienangehörige des Soldaten, für den der Grabstein aufgestellt wurde, nach Kaliningrad einreisen wollen und ihnen an der Grenze gesagt wird, dass deutsche Anarchisten, Grabstein-Anarchisten im Kaliningrader Gebiet unerwünscht sind.
 
Es sollte niemand glauben, dass es besonderer Mühe bedarf, Angehörige zu ermitteln oder Auftraggeber für derartige Grabsteine.
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