Russisch-Orthodoxe Kirche setzt Stalin ein Denkmal

Russisch-Orthodoxe Kirche setzt Stalin ein Denkmal


Es gibt Charakterisierungen Russlands, die über Jahrhunderte beweisen, dass sie richtig sind. Und es gibt Dinge im modernen Russland, die mich fast täglich an Fjodor Iwanowitsch Tjutschew`s Worte erinnern: „Russland kann man mit dem normalen Verstand nicht verstehen. An Russland muss man einfach nur glauben.“

 

 

 

 

 

So informierte das russische Portal „Kommersant“, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche, die gegenwärtig die größte Kirche der Armee Russlands im „Park der Patrioten“, ganz in der Nähe von Moskau gelegen, baut, dort Stalin ein Denkmal setzen will.

Nur kurz zur Erinnerung: Stalin war derjenige, der die Aussage von Karl Marx: „Religion ist Opium für das Volk“ praktisch damit beantwortet hat, dass er das Opium abgeschafft hat – formulieren wir es mal maximal neutral. Kirchen wurden abgerissen, Kirchen wurden umfunktioniert und die religiösen russischen Würdenträger verschwanden aus dem modernen sowjetischen Leben. Die Sowjetunion war opiumfrei.

Erst unter Putin erhielt die russische Kirche wieder einen Status in der Gesellschaft, der ihr gebührt – zumindest vom Standpunkt der Gläubigen aus gesehen. Und die Anzahl der Gläubigen, insbesondere in der jüngeren Generation, wächst. Die Kirche kann zufrieden sein. Der Zulauf ist so groß, dass zu kirchlichen Feiertagen die Gottesdienste in Schichten abgehalten werden müssen und die Menschen auf der Straße vor der Kirche im Stau stehen.

Somit ist klar, dass man demjenigen, der diese gesellschaftliche Entwicklung ermöglicht hat, gerne gedenkt. Und so findet man das Porträt des russischen Präsidenten Putin in der neuen Kirche wieder.

Und man findet auch das Portrait von Sergej Schoigu dort – also dem jetzigen russischen Verteidigungsminister. Und ganz eng am Verteidigungsminister findet man auch das Portrait von Armeegeneral Gerassimow, dem Chef des Generalstabes der russischen Armee.

Die besondere Bedeutung besteht darin, dass es sich um ein großformatiges Mosaikportrait handelt, also keine Bildergalerie, wo man mal schnell einen Rahmen gegen einen anderen austauschen kann.

Und es wird Stalin dort verewigt – Stalin in einer russisch-orthodoxen Kirche neben den wichtigsten Entscheidungsträgern des heutigen modernen Russlands. Wenn das keine Aussage ist!

Die Kirche kommentierte, dass dieses großformatige Mosaik historische Ereignisse und Persönlichkeiten darstellt und das ist Tradition.

Diese Worte werden noch dadurch unterstrichen, dass sich in dieser Kirche auch Mosaiken vom Beitritt der Krim zum Bestand der Russischen Föderation finden werden.

Und es wird die „Siegesparade“ aus dem Jahre 1945 in einer Szene dargestellt – dort findet der Gläubige, aber auch der ungläubige Besucher der Kirche, Joseph Stalin wieder.

Man findet auch Szenen aus dem Jahre 1812 mit den damaligen Persönlichkeiten, die Napoleon das Laufen, das Weglaufen, beigebracht haben und man findet andere Persönlichkeiten, die mit ihren Handlungen das Schicksal Russlands beeinflusst haben – so formuliert ein Kirchenvertreter

Ein interessanter Beitrag aus der neuen russischen Gesellschaft.


Aber nicht nur Russland gedenkt, kurz vor dem 75. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg derer, die diesen Sieg ermöglicht haben. Auch die eigentliche Heimat von Joseph Stalin, Georgien, erinnert sich an ihren Sohn und beliefert die Supermärkte in Russland mit einer neuen Weinsorte … schön, wenn es doch etwas Verbindendes gibt zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken.

 

… ach, und ehe ich es vergesse. Ich habe nicht nur den Beitrag von „Kommersant“ gelesen, sondern auch die Beiträge anderer russischer Medien, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Und ich habe mir die veröffentlichten Fotos genau angeschaut. Gorbatschow und Jelzin habe ich dort nicht gefunden … aber noch ist das Mosaik nicht fertig und es gibt noch einige graue Flächen dort.

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Kommentare ( 5 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 26. April 2020 10:42 pm

    ... einfach nur traurig und unfassbar ... da fallen mir nur zwei Zitate ein:
    .
    Nichts vergoldet die Vergangenheit so sehr wie ein schlechtes Gedächtnis.
    - John Steinbeck -
    .
    Der Patriotismus verdirbt die Geschichte.
    - Johann Wolfgang von Goethe -

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. April 2020 10:44

      ... Russland hat seine eigenen Sprichwörter.

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 26. April 2020 20:51 pm

    Jedem das seine Herr Werner. Ich für meinen Teil wünsche mir, das Putin künftig jeden europäischen, besonders aber jeden deutschen Politiker, der nach Russland kommt, nur noch in dieser Kirche empfängt - und nur, nachdem sie die "Strasse der Erinnerung" vollständig gegangen sind. Als Pflichtprogramm, wie die Israelis das in Yad Veshem machen. Und das so lange, bis "der Westen" und "die Deutschen" den Russen (und Stalin) endlich verzeihen, dass diese den Krieg nicht wie geplant verloren haben.

  • May Tupac

    Veröffentlicht: 27. April 2020 08:30 pm

    Darf ich mal rückfragen? Im großen Eingangsbild oben unter der Überschrift dieses Artikels, das hinten rechts und hervorragend ist doch Stalin. Ist er aus dem Foto des Mosaiks bildtechnisch hervorgehoben oder bleibt dies so im Mosaik?
    Auf der linken Seite ist ein rechteckiger heller Fleck, ist das ein Platzhalter oder eine überklebte Verdeckung?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. April 2020 08:36

      ... ich kann dazu relativ wenig sagen. Gegenwärtig wird an allen Mosaiken noch gearbeitet und die grauen oder überklebten Flächen zeigen einfach nur, dass an diesen Stellen noch ergänzt oder gearbeitet wird. Das von Ihnen erwähnte Foto ist sicherlich die Grundlage für die endgültige Gestaltung des Mosaiks und stellt - nach meiner subjektiven Meinung - eine Ideallösung für das "Problem Stalin" dar. Er ist eben nicht als Persönlichkeit, wie z.B. Schukow abgebildet, sondern als Plakat ... da haben sich einige Leute sicherlich lange den Kopf drüber zerbrochen ... Übrigens hat sich Putin (mit Schmunzeln) zu seinem Porträt geäußert und gemeint, dass er erstmal sterben sollte und die nachfolgenden Generationen sollten dann entscheiden, ob ein Platz für ihn an der Stelle dann angebracht ist ... jetzt ist es verfrüht. Mit anderen Worten: Bei den lebenden Personen wie Putin, Schoigu, Gerassimow kann es noch Änderungen geben.

  • May Tupac

    Veröffentlicht: 27. April 2020 17:30 pm

    Es ist noch verfrüht. Zumindest danke für den Artikel, diese Armeekirche und das Mosaik sind für mich sehr spannende und interessante Entäußerungen von Glaube und Welt. Als Katholik bin ich den Orthodoxen in Russland ja nicht soweit entfernt, deswegen sehe ich hier eine Interpretationsgrundlage, die mich diese beabsichtigte Gestaltung in einer russisch-orthodoxen Kirche verstehen läßt. Aber noch ist das Kunstwerk nicht zu Ende gebracht, deswegen würde ich mich freuen, wenn Sie Herr Niemeier weiter davon berichten könnten.

  • May Tupac

    Veröffentlicht: 4. Mai 2020 19:03 pm

    Es gibt eine Neuigkeit in meinem Nachrichteneingang. Ich zitiere den mal, wenn Sie Herr Niemeier gestatten:
    "Ein bereits fertiges Mosaikporträt des russischen Präsidenten Wladimir Putin wird doch nicht in der neuen Hauptkirche der russischen Armee angebracht. „Auf Wunsch des Staatsoberhaupts hat sich der künstlerische Rat entschlossen, es nicht einzusetzen“, sagte der russisch-orthodoxe Militärbischof Stefan Priwalow russischen Nachrichtenagenturen am Freitag." (Zitatende)
    Der Artikel erschien bei der paz.de

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 4. Mai 2020 19:05

      ... und wenn Sie mein Portal am 2. Mai gelesen oder meinen YouTube-Kanal am 2. Mai besucht hätten, dann hätten Sie diese Information schon zwei Tage eher gelesen:
      http://kaliningrad-domizil.ru/portal/russland-kompakt/politik-und-gesellschaft/putins-wunsch-ist-der-kirche-befehl/

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