Russische Armee vor zweiter Reformwelle?

Russische Armee vor zweiter Reformwelle?
 
Vor vielen Jahren stand die russische Armee am Beginn einer großen Modernisierung – sowohl einer moralischen, wie auch einer materiellen Modernisierung. Putin erklärte damals: Ich war geschockt, als ich die Summen hörte, die benötigt werden.
 
 
Danach begann die Modernisierung der Armee – von vielen unbemerkt, nicht sichtbar. Ab 2014, im Rahmen der Ukraine-Krise und im weiteren der Einsatz in Syrien, insbesondere aber der Massenstart von Flügelraketen von Schiffen der Kaspischen Flotte Richtung Syrien, demonstrierten der Weltöffentlichkeit: Russland ist zurück, Russland hat die ersten erfolgreichen Schritte in der technischen Modernisierung getan.
 
Seitdem ist es in schnellen und großen Schritten weitergegangen und der Abschluss der vollständigen technischen und materiellen Umrüstung ist schon abzusehen.
 
Aber auch im moralischen Bereich ist die Armee auf ein völlig neues, eigentlich das alte Niveau zurückgekehrt. In der Armee zu dienen ist wieder ein gefragter Beruf. Bewerber für einen Dienstvertrag gibt es so viele, dass die Musterungskommissionen auswählen können.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Besonderheiten des nationalen Fischfangs“
 
Auch innerhalb der Armee ist das Problem des zwischenmenschlichen Verhaltens, in Deutschland bekannt unter dem Begriff „EK-Bewegung“ gelöst. Lange hatte die russische Armee damit zu kämpfen. Diese negative Erscheinung war für viele Wehrpflichtige ein Grund, um sich, mit allen nur denkbaren Mitteln, vor der Wehrpflicht zu drücken. Aber nun ist auch dieses Problem gelöst, wenn auch mit Opfern.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Nun veröffentlichte Informationen in den russischen Medien erwecken den Eindruck, dass Russland mit einer zweiten Reformwelle in der Armee beginnen will, d.h. Optimierung der Kostenstruktur. Einige Medien kommentieren: Jeder zehnte Soldat soll entlassen werden.
 
Initiator der Überlegungen zur Optimierung der Verteidigungsausgaben war das russische Finanzministerium. Die sehr umfangreichen Vorschläge wurden jetzt dem russischen Sicherheitsrat vorgelegt. Und es meldete sich bereits der russische Föderationsrat, also die Oberkammer der Staatsduma zu Wort. Dort Verantwortliche kritisierten den Vorschlag des Finanzministers und erinnerten daran, dass der Präsident der Oberkommandierende der Truppen ist und dieser die Stärke der Armee und deren Finanzierung festlegt.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Wahlen“
 
Schlüsselvorschlag ist, rund 100.000 Armeeangehörige zu entlassen, bzw. die von ihnen ausgeübten Funktionen in Zivilfunktionen umzufunktionieren. Mit dieser Umfunktionierung entfallen dann natürlich auch gewisse Zusatzvergütungen, Renten- und sonstige Sozialansprüche, die einem russischen Berufssoldaten gewährt werden.
 
Die bisher bekannt gewordenen Änderungen, erinnern weitgehend an Strukturen, die bereits seit langem in der deutschen Bundeswehr herrschen: All das, was nicht kämpfende Truppe ist, wird in einen Zivilsektor ausgelagert.
 
Das Finanzministerium schlägt vor:
 
Mediziner, Lehrer, Mitarbeiter der Personalabteilung, Mitarbeiter der Finanzstrukturen, Juristen und Angehörige der Rückwärtigen Dienste aus dem Bestand der Armee herauszulösen und in einen Zivilsektor überzuleiten, oder aber, die Leistungen an Privatunternehmen auszulagern.
 
Die Nutzungsfristen für Bekleidung und Ausrüstung entweder zu verlängern oder aber den Armeeangehörigen eine Fix-Summe zur Verfügung zu stellen, mit denen sie die benötigte Bekleidung und Ausrüstung kaufen können,
 
Bei vorzeitiger Kündigung von Dienstverträgen, haben die Armeeangehörigen die Kosten für Bekleidung und Ausrüstung anteilig dem Staat zu erstatten.
 
Kostenlose Essenversorgung nur zu Zeiten der Gefechtsbereitschaft und während Übungen und Manövern,
 
Abschaffung der gesetzlichen Festlegung, dass die Anpassung der Rente für ehemalige Armeeangehörige immer zwei Prozent höher zu sein hat, als die Inflationsrate.
 
An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass in Russland zweimal jährlich die Renten angehoben werden: Im Januar erfolgt der Inflationsausgleich in der Höhe, wie im vergangenen Jahr der Inflationsfaktor real festgestellt wurde und im Mai erfolgt eine zweite Anpassung, in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen Ergebnissen des vergangenen Jahres. Armeeangehörige haben bisher nicht nur den einfachen Inflationsausgleich bekommen, sondern immer zwei Prozent über der Inflationskennziffer. Dies soll nun wegfallen.
 
Russische Armeeangehörige waren Rentenbezugsberechtigte, wenn sie zwanzig Jahre in der Armee gedient hatten. Zu dieser Dienstzeit zählte auch das drei- oder vierjährige Studium an einer Hochschule. Nun soll die Mindestdienstzeit auf 25 Jahre angehoben werden und die Zeit des Studiums an einer Offiziershochschule wird hierbei nicht angerechnet. Ob auch die Zeiten für ein Studium an der Militärakademie zukünftig unberücksichtigt bleiben, geht aus den Meldungen nicht eindeutig hervor.
 
Anhebung der Anspruchszeiten auf eine „Militär-Hypothek“, d.h. das Recht auf eine Wohnung, die nach Ablauf der Dienstzeit automatisch in das Eigentum des Armeeangehörigen übergeht. Offiziere erhielten das Recht auf eine derartige Wohnung sofort nach Absolvierung der Hochschule. Dieses Anspruchsrecht wird nun um fünf Jahre hinausgeschoben, d.h. anspruchsberechtigt ist der Armeeangehörige erst nach fünf Jahren Dienst nach Abschluss der Hochschule. Für Soldaten und Unteroffiziere wird der Zeitraum von bisher drei Jahre auf acht Jahre angehoben.
   
Diese, bisher bekannt gewordenen Einzelheiten der Optimierung von Ausgaben für die Landesverteidigung, werden vermutlich jetzt wieder einige Spezialisten und Analytiker nutzen, um daraus zu schlussfolgern, dass Russland im allgemeinen und die russische Armee im besonderen, wohl kurz vor dem Zusammenbruch stehen und die westlichen Sanktionen endlich zu wirken beginnen. Aber, wie sagte der russische Präsident Putin neulich so treffend:
 
Videoeinspielung: Zitat russischer Präsident Putin im Interview mit Fox News
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