Russische Zentralbank bittet Amerika um Hilfe

Russische Zentralbank bittet Amerika um Hilfe

 

Natürlich gibt es Fake-Nachrichten. Und die Meldung von „Lenta.ru“, einem soliden russischen Informationsportal, ruft zunächst ungläubiges Erstaunen hervor. Die Phantasie reicht nicht aus sich vorzustellen, wie eine der wichtigsten russischen Einrichtungen den Hauptfeind im Sanktionsgeschehen um Hilfe bitten kann. Aber es geht um Geld und da ist pragmatisches Handeln angesagt.

 

 

Liest man die Meldung vollständig und nicht nur die Überschrift, wie dies leider viele tun, so wird schnell aus dem Elefanten zwar keine Mücke, aber mindestens eine Maus. Und natürlich berücksichtigt Russland die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Amerikanern. Reichhaltige Erfahrungen aus den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts liegen auch vor und sind hoffentlich nicht in Vergessenheit geraten, als die russische Wirtschaft „für´n Appel und ´nen Ei“ verramscht wurde.

Seit Mitte 2013 läuft in Russland der Prozess der Bankendisziplinierung. Hunderte Banken, die kriminelle und unprofessionelle Handlungen zugunsten der Besitzer, zuungunsten der Kunden und der Stabilität des russischen Finanzsystems vorgenommen hatten, verloren die Lizenz. Aber es gibt qualitative Unterschiede.

 

 

So erregte im Jahre 2017 der Lizenzentzug für drei riesige Bankenmonster großes Aufsehen in Russland. Niemand hätte gedacht, dass derartige Banken die Lizenz verlieren könnten. Aber die Zentralbank war knallhart, auch wenn sie dafür tief, sehr tief in die Taschen des Einlagensicherungsfonds greifen musste.

Man entschied sich bei diesen Banken im weiteren nicht für eine kompromisslose Abwicklung, sondern schaffte ein neues System innerhalb des Bankensektors, d.h. man saniert Banken und stellt sie anschließend zum Verkauf, in der Hoffnung, mit der Verkaufssumme die Kosten der Sanierung und natürlich der Ausgaben des Einlagensicherungsfonds wieder hereinzubekommen. Die Hoffnung, aus der Konkursmasse, die automatisch nach Lizenzentzug entsteht, irgendwelche interessanten oder nennenswerten Aktiva erhalten zu können, ist defacto bei jeder Bank „Null“, denn die Bank verliert ja gerade deshalb ihre Lizenz, weil die Besitzer „Geldentnahmen“ durchführen, d.h. sich selber über dubiose Dritte Kredite ohne ausreichende Sicherungshinterlegung genehmigen und somit eben keine Aktiva mehr vorhanden sind.

 

 

Nun geht es in diesem konkreten Fall um die Bank „Otkrytije“, die im August 2017 unter die Fittiche der Zentralbank genommen wurde und einen Sanierungsprozess durchlaufen hat. Jetzt steht die Bank zum Verkauf. Man wandte sich an die „Gasprombank“. Die winkte ab. Man wandte sich an den „Russischen Fond für Direktinvestitionen“ – der winkte ab. Auch die amerikanische „Goldmann Sachs Group Inc.“, die „Morgan Stanley“ und die „Bank of America Corp.“ winkten ab. Für alle war das Risiko einer weiteren Arbeit mit der sanierten Bank zu hoch.

So blieb der Zentralbank nichts weiter übrig, als die Bank öffentlich zur Ausschreibung zu stellen. Wobei es jetzt erstmal darum geht, eine Strategie zum Verkauf der Bank zu erarbeiten. 12 Konsultanten haben sich bereits gemeldet, die an einer derartigen Beratung Interesse zeigen.

Zu den Interessenten für Consultingdienstleistungen gehören die amerikanische "JPMorgan Chase & Co.“ die „Citigroup Inc.“, die Schweizer „UBS Group AG“  und „Credit Suisse Group AG“ sowie die französische „Societe Generale SA“.

Die Information hierzu wird nicht durch die russische Zentralbank verbreitet, sondern durch Bloomberg, die sich wiederum auf „zwei Quellen“ bezieht.

 

 

Bereits seit 28. Januar sammelt die Zentralbank Angebote der Berater. Letzter Termin für Bewerber, die sich mit der Vermarktung der russischen „Otkrytije“ eine Goldene Nase verdienen wollen, ist der 16. März. Wer dann konkret eine Goldene Nase verdient, wird erst im Mai oder Juni bekannt gegeben. Der Verkauf der Aktien der Bank soll im kommenden Jahr beginnen.

Derjenige, der dann Aktien dieser Bank kauft, kauft eigentlich auch Anteile der „BinBank“, denn diese gehörte mit zu den drei „Bank-Monstern“, die die Lizenz verloren hatten, aber im Verlaufe des Sanierungsprozesses mit der Bank „Otkrytije“ vereint wurde. Somit entstand aus zwei Monster-Banken eine SuperMonster-Bank, die sich gegenwärtig noch zu 99,99 Prozent im Besitz der Zentralbank befindet.

Der Käufer kann völlig unbedenklich die Aktien dieser Bank kaufen, denn nach der Sanierung durch die Zentralbank, die im Juli 2019 abgeschlossen wurde, ist diese Bank jetzt grundsolide. Und es ist auch kaum zu erwarten, dass es mit dieser Bank jemals wieder Schwierigkeiten geben wird, denn diese Bank steht unter der besonderen Beobachtung der Zentralbank und kleinste Abweichungen von der Norm werden sofort geahndet. Diese hohe Sicherheit für die Aktionäre bedeutet aber auch, dass die Dividenden geringer ausfallen, denn mit riskanten Operationen zur Erarbeitung von Hypergewinnen wird sich die Bank nicht mehr beschäftigen.

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