Russische Zentralbank studiert Erfahrungen westlicher Zentralbanken

Russische Zentralbank studiert Erfahrungen westlicher Zentralbanken
Eine interessante Information veröffentlichte das föderale Informationsportal „Lenta.ru“. Wir erfahren, dass die russische Zentralbank Erfahrungen ihrer westlichen Partnerbanken, insbesondere aus den USA und Großbritannien, übernehmen will. Konkret geht es um die Werbung von „V-Leuten“, in Deutschland auch manchmal „IM“ genannt. Der einfache Bankkunde erfährt mit Erstaunen, dass nicht nur BND und Verfassungsschutz IM`s haben, sondern auch die westlichen Zentralbanken.
 
 
Russlands Zentralbank hat anscheinend bisher keine „Informanten“ in den russischen Banken, möchte dies aber ändern – westliche Banken sind hierfür Vorbild. Es geht darum, den Prozess der russischen Bankendisziplinierung fortzusetzen.
 
Grafik: Lizenzentzüge der russischen Zentralbank
 
Seit Mitte 2013 haben hunderte von kriminellen Banken ihre Lizenz verloren und die Privatanleger, aber auch juristische Personen Milliarden an russischen Rubeln und Euro und Dollar verloren. Der Prozess des Lizenzentzuges hat sich im vergangenen Jahr, vermutlich bedingt durch die Corona-Krise, drastisch verlangsamt und wohl auch das Jahr 2021 wird nur wenige Lizenzentzüge bringen, obwohl, um einen wirklich idealen Finanz- und Bankensektor zu erhalten, mindestens 200 Banken noch ihre Lizenz abgeben müssten.
 
Aber der Zentralbank geht es nun schon um weniger strategische Dinge. Man spricht vom Verbraucherschutz zu Themen, die auch viele Bankanleger in westlichen Staaten kennen.
 
Grafik: Sparanlagen russischer Privatanleger in ausgewählten Städten
 
Man hat Geld und möchte es möglichst gewinnbringend anlegen. Und die Bankberater erzählen einem das Blaue vom Himmel herunter. Leichtgläubige legen an und verlieren – vielleicht. Im Westen hat man noch die Verbraucherschutzorganisationen, die beraten und man hat die Bankenaufsicht – aber nicht immer funktioniert dieses System. Ähnlich ist es in Russland. Man hat die Verbraucherschutzbehörde, aber keine Verbraucherschutzorganisation. Damit russische Bankkunden nicht über den Tisch gezogen werden, sollen jetzt verantwortungsbewusste Mitarbeiter der Banken für eine nichttransparente Zusammenarbeit mit der Zentralbank gewonnen werden. Sie sollen melden, wenn die Banken Geschäftsmethoden mit zweifelhafter Moral oder sogar gesetzeswidrig anwenden.
 
Screen: Russische Zentralbank
 
Irgendwelche Belobigungen in materieller oder finanzieller Hinsicht wird es nicht geben. Man setzt ausschließlich auf Verantwortungsbewusstsein.
 
Bereits jetzt hat die russische Zentralbank auf ihrer Internetseite eine Möglichkeit geschaffen, wo man Informationen absenden, über Machenschaften des Arbeitgebers, also der Bank, informieren kann. Die Zentralbank beginnt dann unauffällig die Meldung zu analysieren und bei Bedarf zu handeln.
 
Der Vorsitzende des Vorstandes der Internationalen Verbrauchergesellschaft nannte das System der Informanten eine normale Praxis. Allerdings ist nicht geklärt, wie die betroffenen Banken zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Die bisherigen Strafen sind nicht umfassend und sollten verschärft werden. Wenn dies nicht erfolgt und die Strafen nicht spürbar empfindlich sind, verpuffen alle Meldungen der Informanten.
 
Der Vizepräsident der Assoziation russischer Banken bemerkte, dass es in der westlichen Welt Praxis ist, dass der Informant einen gewissen Prozentsatz der Strafe bekommt, die die Bank zu zahlen hat. Man könnte aber auch den Informanten durch ein „Zertifikat“, bei den Geheimdiensten nennt sich so etwas Verpflichtungserklärung, an sich binden. Dies bedingt dann aber auch eine Bezahlung. Ohne Bezahlung werden die Informationsaktivitäten nur sehr schleppend erfolgen. Gleichzeitig meinte er, dass das System der Informanten in Russland, egal ob mit oder ohne Bezahlung, nicht funktionieren wird. Melden werden Gesetzesverstöße höchstens ehemalige Bankmitarbeiter, die eine Rechnung mit ihrem exArbeitgeber offen haben.

 

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