Russischer Botschafter zitiert die Meinung Putins über Angela Merkel

Russischer Botschafter zitiert die Meinung Putins über Angela Merkel
 
Toten soll man nichts Schlechtes nachsagen – eine Regel, die in der Regel beachtet wird. Putin hat diese Regel auf noch Lebende, aber aus der Funktion ausscheidende Persönlichkeiten ausgeweitet. Er fand gut formulierte Aussagen zur Tätigkeit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
 
 
Der russische Präsident erhielt eine gute Ausbildung in den sowjetischen Sicherheitsorganen und war in der Auslandsaufklärung tätig. Eine der Schwerpunkte in der Ausbildung dieser Spezialisten bestand wohl darin, Fakten festzustellen und in korrekte Worte zu fassen, die den Kern der Sache erfassen. Um die Informationen zu übermitteln, war es von Zeit zu Zeit notwendig, die Aussage zu verschlüsseln. Und nur, wer den Code für die Entschlüsselung besaß, verstand die Nachricht auch in ihrem wirklichen Inhalt.
 
Video: Putin zu seiner Tätigkeit in der Auslandsaufklärung
 
Die Worte, die der russische Botschafter in Deutschland aus dem Mund des russischen Präsidenten Putin zitierte, kamen mir vor, wie eine codierte Information, die man nur versteht, wenn man täglich die russischsprachigen Informationen, insbesondere aus dem russischen Außenministerium, Verteidigungsministerium, der Auslandsaufklärung und der GRU liest.
 
Präsident Putin hat der scheidenden deutschen Bundeskanzlerin Bestnoten für ihre langjährige politische Tätigkeit zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland ausgestellt – also die Note 5.
 
Da die deutsche Bundeskanzlerin die Interessen Deutschlands zu vertreten hat, verstehe ich die Bewertung des russischen Präsidenten im Klartext so, dass sie alles getan hat, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern im Interesse Deutschlands zu entwickeln. Und die Praxis zeigt, dass Deutschland in seiner jetzigen Konfiguration an keinerlei guten Beziehungen zu Russland interessiert ist. Und diese Aufgabe hat Frau Merkel wirklich mit Bestnote erfüllt.
 
Video: Putin zur Aufgabe der Diplomatie
 
„Präsident Putin bemerkte, dass Angela Merkel im Verlaufe von 16 Jahren die Regierung Deutschlands leitete. Mit fester Hand führte sie eines der stärksten und führendsten Länder Europas und sie gehört unbestritten zur Gruppe der Personen mit höchster Autorität unter den europäischen und internationalen Führern“, - zitierte der russische Botschafter weiter.
 
16 Jahre sind eine lange Zeit. In Russland ist die Macht des real mächtigsten Mannes im Lande auf zwei Amtsperioden beschränkt. In Deutschland darf der Präsident auch nur zwei Amtsperioden ausüben – aber der Charakter der Tätigkeiten beider Präsidenten unterscheidet sich doch ein wenig. Und das Frau Merkel, als die real mächtigste Frau in Deutschland, ihre Autorität und ihren Einfluss genutzt hat, um andere Staaten in Europa und der Welt in ihrer antirussischen Einstellung zu beeinflussen … tja, so decodiere ich die Worte des russischen Präsidenten.
 
Video: Putin über die eigene Meinung
 
Da Frau Merkel die Politik Deutschlands zu verantworten hat, so ist sie auch dafür verantwortlich, dass das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland so schlecht ist, wie niemals zuvor, seit dem 8/9. Mai 1945.
 
„In all diesen Jahren entwickelten sich das bilaterale Verhältnis zwischen Russland und Deutschland Schritt für Schritt“, - wird Putin weiter zitiert.
 
In Deutschland kennt man den Begriff „Wachstum“. Ein positiv besetzter Begriff. Und man versteht es gut in Deutschland, Negatives mit positiv klingenden Begriffen zu umschreiben. So gibt es den Begriff „Negativwachstum“. Und wenn Putin von der schrittweisen Entwicklung der Beziehungen spricht, so ist mir klar, dass man sich positiv aber auch negativ entwickeln kann. Der Präsident hat nicht von einer negativen Entwicklung gesprochen, sondern nur gesagt, dass sich das Verhältnis zwischen beiden Staaten entwickelt hat. Wohin es sich entwickelt hat, hat er nicht gesagt, aber wir sehen es heute: Wir befinden uns in einer Eiszeit und nähern uns arktischen Zuständen nach der Wahl.
 
Video: Szene aus sowjetischem Filmklassiker „Preschwalski (1951)
 
Und wenn bei den Wahlen die SPD als Sieger hervorgehen sollte, so ist dies auch der Politik von Frau Merkel zu verdanken – logisch. Aber darüber hat der russische Präsident nicht gesprochen, denn Russland mischt sich nicht in die Wahlen anderer Länder ein, auch wenn dies immer von Leuten behauptet wird, die dann nichts beweisen können.
 
Der Botschafter erzählte, dass Putin bei der Einschätzung der Tätigkeit von Frau Merkel an verschiedene gemeinsame Projekte erinnert hat, wie z.B. „Das Jahr Russlands in Deutschland“ und das Jahr „Deutschlands in Russland“. Und er erinnerte auch an militär-memoriale und wissenschaftlich-historische Zusammenarbeit.
 
Ich erinnere mich, an verschiedene Skandalsituationen, wo russische Schulbuben vor dem Bundestag auftraten und in Russland eine Welle der Empörung auslösten, an die unklare Arbeit des Volksbundes für Kriegsgräbervorsorge, an die Nichtteilnahme der Bundeskanzlerin an der Ehrung von 27 Millionen ermordeten sowjetischen Bürgern im Jahre 2015, dem 70. Jahrestag der Kapitulation Deutschlands und dem Sieg der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg. Hat der russische Präsident daran erinnern wollen oder interpretiere ich seine Worte völlig verkehrt?
 
Video: Putin – Sie verstehen was ich meine
 
Zum Schluss hat der russische Botschafter noch ein paar eigene Worte gesagt. Wir wissen, dass die russischen Diplomaten ausnahmslos gut ausgebildete Fachleute sind. Es gibt eine Diplomatenuniversität, wo jeder das Handwerk eines Diplomaten von der Pike auf lernt. Das unterscheidet Russland von Deutschland, wo jeder Außenminister werden kann, der den Beamtenstatus hat oder wo man auch vom Posten eines stellvertretenden BND-Präsidenten auf den Posten eines Botschafters versetzt werden kann.
 
Und somit muss man die Worte des russischen Botschafters diplomatisch verstehen und auch versuchen, zwischen den Zeilen das zu lesen, was der Botschafter nicht gesagt, vielleicht aber gemeint hat.
 
Video: Putin über Gutes denken, damit es sich materialisiert
 
Sergej Netschajew/Сергей Нечаев formulierte seine Hoffnung, dass die neue Regierung Deutschlands, die jetzt gewählt wird, sich an die positiven Erfahrungen, die sich in den vielen Jahren im Verhältnis zwischen den beiden Ländern und bei zwischenmenschlichen Kontakten angesammelt haben, erinnert. Er unterstrich, dass sowohl Berlin wie auch Moskau viele gemeinsame Themen und Interessen haben – begonnen bei der Zusammenarbeit im Energiesektor, im Technologiebereit, beim Klimaschutz und der Kultur.
 
Mit anderen Worten verstehe ich den russischen Botschafter so, dass sich die gegenwärtige Regierung nicht an die positiven Momente im gegenseitigen Verhältnis erinnert und es gegenwärtig auch keine positiven zwischenmenschlichen Kontakte mehr gibt. Dass es keine positiven zwischenstaatlichen Kontakte gibt, ist ja für alle ersichtlich. Das der Kontakt zwischen den Menschen verloren gegangen ist, ist nicht so sehr sichtbar, aber um so deprimierender.
 
Video: Frau Merkel zu Besuch in Moskau 2020
 
Frau Merkel hat also ganze Arbeit geleistet – im Interesse der Bundesrepublik Deutschland, der politischen Bundesrepublik Deutschland und wenn Putin ihr dafür Bestnoten gibt, dann wissen alle, die die tägliche Politik verfolgen, dass Putin die richtige Note vergeben hat.
 
Vielleicht irre ich mich ja aber auch und phantasiere negative Fakten und liefere damit wieder meinen Kritikern die notwendigen Argumente, um mich als Deutschlandhasser zu beschimpfen. Somit wäre ich dankbar, wenn man mir über die Kommentarfunktion oder im direkten email-Verkehr mitteilt, was Frau Merkel Positives getan hat, wovon sowohl Deutschland, wie auch Russland in den letzten 16 Jahren profitierte.
 
Video: Putin winkt einem Gast hinterher
 
 
 
Reklame

Kommentare ( 6 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 25. September 2021 02:10 pm

    Erichowitsch, tut mir leid, Sie zu enttäuschen. Die kommende Regierung, egal wie sie zusammen gesetzt sein wird, wird ein diensteifriger transatlantischer Untertanen klub sein, der nur das macht, was Washington als Weisung ausgibt.
    Von allen drei Bundeskanzler-Ambitionen- Figuren wissen wir, daß sie alle transatlantisch US-affin geprägt sind und es unter egal welcher Regierung immer eine verhängnisvolle angeblich bundesdeutsche Politik zu Rußland und der VR China geben wird. Man braucht sich doch nur die absolut anmaßende völkerrechtswidrige "Sanktionsliste" des US-Kongresses anschauen. Nur dazu ausgelegt, die russische Führung zu einer falschen russischen Entscheidung zu verleiten, wo dann angeblich die Nato ihre offensichtlich übersteigert wahrgenommene "Stärke" beweisen könnte.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 26. September 2021 11:37 pm

    die Europa-NATO weiß um ihre "tatsächliche Stärke", und der neuerliche Deal mit Australien zeigt, wie sich, je nach momentaner Interessenlage, die USA im Bedarsfall verhalten werden - keinesfalls kalkulierbar oder verlässlich.
    Das Imperium kennt sein Verfallsdatum, und ein Selbstmord wird nicht in Betracht gezogen.

  • Eckart

    Veröffentlicht: 26. September 2021 13:13 pm

    Putin hätte bei allem diplomatischen Geschick besser auf die stets zur Rothschild Raute geformten Hände der Merkel achten sollen, denn mit solchen Greifern kann man keinen friedfertigen Händedruck wechseln.

    Putin hat Merkel immer höflich wie ein rohes Ei behandelt - nun aber hätte er endlich mal dieses Wesen ganz diplomatisch in die Pfanne hauen dürfen, und auch sollen.
    Jeder würde es akzeptieren und ohne Groll einsehen, wenn man das ganz cool mit einem rohen Eier so macht.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. September 2021 14:15

      ... ich denke, dass, eben weil die russischen Politiker dies nicht tun, hier eine gewisse moralische Überlegenheit gegenüber den russophoben westlichen Politikern besteht, die im Wahn ihrer "Überlegenheit" glauben, sich alles erlauben zu können ... Ich möchte auch gerne mal zuschlagen (verbal) und freue mich dann etwas später, dass ich es nicht getan habe, sondern in wohlgesetzten Worten, meinen "Gesprächspartner" auf den Topf gesetzt habe (leider gelingt mir meine verbale Zurückhaltung nicht immer - aber ich arbeite daran)

  • Eckart

    Veröffentlicht: 26. September 2021 17:16 pm

    Es scheint, das Putin selbst im eigenen Lande nicht mehr von allen Menschen richtig verstanden wird, denn die bekannte (?) Moskauer Analystin Julia Dudnik hat in einer ihrer Publikationen bezüglich Putins "Lobeshymne" über Merkel, gerade in den Westmedien das so veröffentlicht und dargestellt, als wenn Putin wirklich Merkel mit Bestnoten, also quasi mit summa cum laude, zum Abschied noch beschenkte.

    Konfuzius sagte mal: "Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist." Und die diplomatische Sprache stimmt nur, wenn man die Kunst beherrscht mit den Augen zu hören, mit den Ohren zu sehen und mit dem Mund dort zu schweigen, wo die Worte nicht klar, einfach und direkt sein dürfen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. September 2021 17:24

      ... da sehen Sie mal, wie gut Putin auf der Klaviatur des Diplomatenpianos spielen kann, wenn sogar bekannte Analysten ihn nicht verstehen. Ich bin ja nur ein einfacher Blogger ... und um zwischen den Zeilen zu lesen, braucht man einfach nur die Tagespolitik zu verfolgen ... über viele Jahre natürlich.

  • Eckart

    Veröffentlicht: 26. September 2021 18:08 pm

    Ich darf das dann mal diplomatisch so zusammenfassen. " Ironie ist das, was bleibt, wenn alles andere gegangen ist."

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 27. September 2021 09:35 pm

    Es bedarf eines guten Gehörs, um dem Klang des Pianos folgen zu können, und damit ist nicht jeder ausgestattet.
    Manch einer lebt nur vom Schlag der Pauke im Orchester, und nur dann wacht er aus seinem Schlummer auf.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. September 2021 09:37

      ... sehr schön formuliert. Ja, so ist es.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung