Russischer Staat zahlt Entschädigung bei Immobilienbetrug

Russischer Staat zahlt Entschädigung bei Immobilienbetrug

 

Eine bemerkenswerte neue gesetzliche Regelung ist zum neuen Jahr in Kraft getreten. Es geht um betrogene Immobilienkäufer, denen der Staat Entschädigungszahlungen leistet, wenn diese kriminellen Machenschaften zum Opfer gefallen sind.

 

 

In Russland haben Immobilien eine sogenannte „Historie“. Es ist die Aufgabe der Makler, diese Historie zu erfahren und alle Probleme in diesem Zusammenhang bis zum realen Vertragsabschluss zu klären.

Zur „Historie“ gehören z.B. Personen, die in den Wohnungen polizeilich gemeldet sind, also für diese Adresse eine sogenannte Propiska haben. Damit sind sie Bewohner der Wohnung und können nicht auf die Straße gesetzt werden. Der neue Eigentümer der Immobilie hat also gleich einen Mitbewohner – was dieser wohl in den seltensten Fällen wünscht.

Weiterhin könnte es versteckte Mitbesitzer geben, z.B. minderjährige Kinder. Die Eltern dürfen ihre Immobilie nicht verkaufen, bevor sie nicht nachweisen, dass sie über neuen Wohnraum verfügen und sie nicht mit den Kindern unter der Brücke schlafen wollen. Wenn aber diese Kinder verschwiegen werden, so hat das Kind das Recht, in der Wohnung weiter zu wohnen.

Weiterhin kann es ungeklärte Erbschaftsangelegenheiten und eine Vielzahl anderer Probleme geben, über die unerfahrene Immobilienkäufer nicht informiert sind und die sich auf die Ehrlichkeit des Verkäufers und die Professionalität der Maklerfirma verlassen.

Die Praxis seit Beginn der Privatisierung von Wohnraum und dem massenhaften Übergang von Immobilien in Privatbesitz Anfang der 90er Jahre zeigt, dass Betrug im Immobilienbereich stark verbreitet ist. Menschen haben häufig alles verloren, was sie besaßen.

Nun hat der Staat gesetzliche Regelungen geschaffen, um derartig betrogene Bürger durch den Staat zu entschädigen. In den letzten Jahren ist im Bereich des Grundbuchwesens schon sehr viel getan worden, um Betrug oder Manipulationen vorzubeugen. Neben den Arbeiten der Maklerfirma, arbeitet auch eine ganze Heerschar von Juristen und geschulten Spezialisten in der sogenannten Registrierbehörde für Grundbesitz, um jeden einzelnen Verkaufsvorgang zu prüfen. Vom Zeitpunkt der Einreichung des Vertrages, bis zur Registrierung der neuen Eigentumsrechte vergehen nicht mehr als 10 Arbeitstage.

Und sollte nun doch noch im Nachhinein festgestellt werden, dass der Verkauf der Immobilie ungesetzlich ist und der Verkäufer den Kaufpreis nicht rückerstatten kann oder will, so tritt der Staat hierfür ein. Der betrogene Immobilienkäufer kann auswählen, ob er vom Staat die Summe seines realen finanziellen Verlustes erstattet bekommen will oder die Summe des Grundbuchwertes seiner Immobilie. Grundlage für die Ausbezahlung der Summe ist ein Gerichtsbeschluss. Das Gericht fasst einen Beschluss jedoch erst nach sechs Monaten, gerechnet vom Zeitpunkt der Feststellung, dass es sich um einen ungesetzlichen Verkaufsvorgang handelt und in diesem Zeitraum der Verkäufer die erhaltene Geldsumme nicht erstattet hat.

Um betrogene Immobilienkäufer vollständig glücklich zu machen, hat das Gesetz rückwirkende Wirkung. Diejenigen, die in den letzten drei Jahren Opfer derartigen Betrugs geworden sind, können jetzt noch einen Antrag stellen.

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 4. Januar 2020 21:25 pm

    Bleibt die Frage zu beantworten, was passiert mit den Betrügern und deren vielen "beschenkten" Verwandten und Bekannten. Ist doch der uralte Trick, daß der Kriminelle letztendlich gar nicht besitzt oder gar noch weniger. Das große Auto, daß er aber täglich fährt, gehört seiner 90jährigen Schwiegermutter, die gar keinen Führerschein hat.

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