Russisches Außenministerium warnt vor Gift-Dollar

Russisches Außenministerium warnt vor Gift-Dollar
 
 
Es kommt häufig vor, dass sich ausländische Staaten in die inneren Angelegenheiten Russlands einmischen. Es kommt relativ selten vor, dass sich ein russisches Ministerium in die inneren Angelegenheiten eines anderen russischen Ministeriums einmischt. Zum Glück sind es zwei Ministerien einer Regierung und man versteht sich untereinander.
 
Seit dem Jahre 2014, dem Beginn der Sanktionen und Gegensanktionen, hat Russland ein großangelegtes Programm der Importablösungen gestartet. In den ersten Wochen spürte man, insbesondere im Bereich „Obst und Gemüse“, dass die Regale spürbar übersichtlich sortiert waren – wie man in Deutschland sagen würde, um einen negativen Fakt mit positiven Worten zu verschleiern. Es dauert eben eine Zeit, bis alternative Lieferanten gefunden werden konnten. Aber sie wurden gefunden und zwei, drei Monate später waren alle Regale wieder voll.
 
 
Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Importablösungen, z.B. im medizinischen Bereich, natürlich auch im empfindlichen Bereich der Landesverteidigung und weitere Bereiche, wo die Importablösungen Schritt für Schritt umgesetzt, aber in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so sichtbar sind.
 
Im vergangenen Jahr hatte ich eine Analyse des erreichten Standes der Importablösungen veröffentlicht. An genaue Zahlen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber Fazit der Analyse war, dass man das geplante Ziel nicht erreicht hat. Um sich von 80 Prozent aller Importe unabhängig zu machen, braucht es eben noch ein wenig länger.
 
Haben Sie meine feine Wortwahl soeben bemerkt?
 
Ich hatte gesagt „Um sich von 80 Prozent aller Importe unabhängig zu machen …“ Das bedeutet nicht, dass man keine Importe mehr will. Doch, man will Importe, denn um eine ausgewogene Handelsbilanz zu haben, sollten sich Import und Export in einem guten Verhältnis zueinander befinden. Es geht Russland bei den Importablösungen darum, sich eigenständig mit allem Lebensnotwendigen versorgen zu können - für den Fall einer Totalblockade durch die menschenrechtlich-demokratisch orientierten Staaten der Welt. In Friedenszeiten wird zusätzlich importiert – dies ist ein gutes Wettbewerbselement und der russische Konsument kann entscheiden, welches Produkt er erwerben möchte: ein patriotisches, in Russland durch Russen hergestelltes Kondom oder ein importiertes Verhüterli, welches vielleicht doch nicht verhütet …
 
Aber, es gibt gegenwärtig noch eine große, eine sehr große „Warengruppe“, deren Importablösung nur zu einem geringen Teil gelungen ist – die Warengruppe Geld. Und hier nimmt der Dollar einen großen Raum ein. Gewisse Fortschritte gibt es natürlich schon bei der Zurückdrängung der ausländischen Valuta. So zahlen die Banken schon keine Zinsen mehr auf Valutakonten. Mit Rubelkonten gibt es immerhin 4-5 Prozent. Wer trotzdem Valuta vorhält, kann nur auf den steigenden Rubelkurs rechnen, der mehr Rubel in die Kassen spült.
 
Im gegenseitigen Warenaustausch mit Drittstaaten hat Russland schon einige Erfolge errungen, in dem die Verrechnungen in der jeweiligen Landeswährung erfolgen. Aber der erreichte Stand ist nicht zufriedenstellend.
 
Und so hat sich das russische Außenministerium in die inneren Angelegenheiten des russischen Wirtschaftsministeriums eingemischt – mit helfenden Hinweisen. Man erinnerte daran, dass der neue amerikanische Präsident Biden weitere, scharfe Sanktionen gegen Russland angekündigt hat. Und wer sich an Äußerungen aus der Trump-Ära erinnert, weiß, dass dort erklärt wurde, dass das Arsenal möglicher Sanktionen an sich ausgeschöpft ist …
 
Vermutlich schreckte Trump – als Wirtschafts- und Finanzfachmann – vor Sanktionen im Finanzbereich, also ernsthaften Sanktionen im Finanzbereich, zurück. Die bisherigen Sanktionen gegen russische Banken, haben diese leicht weggesteckt. Und für die latent angedrohten Sanktionen zur Abschaltung des SWIFT-System, ist ebenfalls schon ein Alternativsystem entwickelt worden.
 
Aber das Biden-System hat wohl andere Vorstellungen – befürchtet das russische Außenministerium. Russische Medien erinnern, dass die USA noch in dieser Woche, vermutlich vielleicht sogar schon am zweiten März, neue Sanktionen, abgestimmt mit vielen Ländern Europas, gegen Russland verhängen werden.
 
In den letzten Jahren haben die Amerikaner 90 Sanktionsrunden gegen Russland durchgeführt. Somit ist es notwendig, dass sich Russland vom Finanz- und Wirtschaftssystem der USA trennt und damit eine Giftquelle gegen Russland abschaltet.
 
Erinnert wird u.a. an die Verringerung des Engagements in US-Staatsobligationen durch Russland und die Neustrukturierung der internationalen Reserven Russlands. Der jetzige Stand der Dinge ist aber leider der, dass Russland immer noch in hohem Maße an den Gift-Dollar gebunden ist – und dies will das russische Außenministerium ändern – mit seinem Warn- und Weckruf an das Wirtschaftsministerium, andere Regierungsstrukturen und natürlich an die Russen selbst, die jetzt auf den USD bauen und im Falle von Sanktionen möglicherweise vieles verlieren – denn bisher weiß niemand, welches konkrete Gift die USA einsetzen werden. 
 
Am Dienstag erinnerte nun auch die Vorsitzende der Staatsduma Valentina Matwijenko daran, dass Russland seine Abhängigkeit vom US-Dollar senken muss, wenn Russland seine Souveränität ausbauen will.
 
Sie kommentierte, dass es nicht darum gehe, den Dollar im russischen Alltag abzuschaffen. Dies wird nicht möglich und auch nicht nötig sein. Aber die Abhängigkeit von dieser Valuta muss gesenkt werden – so Matwijenko.
 
Valentina Matwijenko erinnerte auch daran, dass gegenwärtig die staatliche Politik darauf ausgerichtet ist, das Image des Rubels aufzupolieren. Und Resultate sind bereits sichtbar, denn immer mehr Geldanlagen erfolgen in Rubel und Kredite werden ebenfalls zum großen Teil in Rubel und nicht mehr in riskanter ausländischer Währung genommen.
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Kommentare ( 1 )

  • Günther Tröge

    Veröffentlicht: 3. März 2021 08:53 pm

    Auch wenn es schwerfällt, man sollte mit der Verabschiedung vom Dollar keine Zeit versäumen.

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