Russland-Leckerli für die, die schon jetzt die Wahrheit kennen

Russland-Leckerli für die, die schon jetzt die Wahrheit kennen
 
Der russische Sicherheitsdienst FSB hat am Dienstag eine Verhaftung vorgenommen. Es handelt sich um einen bekannten exJournalisten und jetzigen Berater des hochgestellten Chefs von RosKosmos.
 
 
Viele Medien berichten über diese Verhaftung und liefern Unmengen von Details. Alle Medien wissen bereits jetzt, dass der Mann unschuldig ist, denn sein guter Ruf, seine Reputation, sein hochangesehener Vater, in dessen Fußstapfen er als Journalist getreten ist, schließen aus, dass er schuldig ist. Deshalb gibt es Erklärungen von Medien, bei denen der Journalist früher gearbeitet hat und die zu seinem Schutz auftreten. Es gibt bereits erste Demonstrationen, sogenannte Pikets, sogenannte „Ich-Demonstration“, die sich mit dem Verhafteten solidarisieren.
 
Ich habe keine einzige Meldung, keinen einzigen Satz in russischen Medien gelesen, wo die Möglichkeit eingeräumt wird, dass der russische Sicherheitsdienst FSB einfach nur seine Arbeit gemacht und einen Verdächtigen festgenommen hat.
 
Gelesen habe ich nur die Stellungnahme des amerikanischen Botschafters, der sich erstaunlich schnell zu Wort meldete und meinte, dass es mal wieder um eine Kampagne geht, um auf die russische Medienlandschaft Einfluss zu nehmen. Wobei es doch gar keine freie Medienlandschaft in Russland mehr geben dürfte, auf die der FSB Einfluss nehmen müsste – glaubt man den Meldungen der freien Medien im Westen.
 
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Es geht um den ehemaligen Journalisten Iwan Safronow/Иван Сафронов. Dieser hatte viele Jahre bei der angesehenen Zeitung „Kommersant“ und der nicht weniger angesehenen Zeitung „Wedemosti“ gearbeitet. Vor zwei Monaten wechselte er nach RosKosmos und wurde Berater von Dmitri Rogosin, dem ehemaligen Russlandvertreter bei der NATO, dem ehemaligen Vizepremier und jetzigem allmächtigen Leiter von RosKosmos – einer nachrichtendienstlich sehr empfindlichen Organisation.
 
Safronow hat sich in seiner journalistischen Tätigkeit auf den Bereich „Militär“ spezialisiert und darüber in hoher kompetenter Glaubwürdigkeit und Professionalität berichtet. Das wird von allen berichtet und von niemandem angezweifelt. Er setzt damit die Arbeit seines Vaters fort, der im Jahre 2007, als Mitarbeiter von „Kommersant“, tragisch ums Leben kam.
 
Informationen, die nach der Verhaftung bekannt wurden, besagen, dass Iwan Safronow im Jahre 2012 durch einen tschechischen Geheimdienst (Tschechien hat zwei Geheimdienste) angeworben worden sein soll. Die Meldungen lassen vermuten, dass die Zusammenarbeit nicht sehr intensiv war, er vielleicht als „Schläfer“ positioniert wurde oder man einfach nur auf „bessere Zeiten“ wartete, um die Zusammenarbeit zu aktivieren. Dieser Zeitpunkt schien im Jahre 2017 gekommen zu sein, denn da soll Safronow erstmals über eine codierte Nachricht die Aufgabe erhalten haben, Informationen über die Lieferung von militärischen Ausrüstungen nach Afrika und Informationen über die Tätigkeit russischer Militärs im Nahen Osten, zu übermitteln. Dem FSB liegen anscheinend Informationen vor, wonach der tschechische Geheimdienst diese Aktion mit Diensten aus den USA koordiniert habe.
 
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Safronow, der in der Zwischenzeit bereits fünf Verteidiger haben soll, bestreitet die Vorwürfe, wurde aber erstmal durch den Haftrichter zwei Monate in Untersuchungshaft genommen. Entsprechend Artikel 51 der neuen russischen Verfassung, machte er von seinem Recht Gebrauch, nicht gegen sich selber auszusagen.
 
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Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dem Antrag des FSB auf „Nichtöffentlichkeit“ stattgegeben, da viele Dokumente der Beweisführung als „geheim“ eingestuft sind. Somit ist klar, dass es gegenwärtig keine Veröffentlichung von Beweisen der Schuld Safronows gibt. Daraus ergibt sich die Frage, woher alle, die zum Schutze Safronows auftreten, schon jetzt wissen, dass er unschuldig ist und der FSB mal wieder eine Spez-Aktion durchgeführt hat – vermutlich, weil den Mitarbeitern dort langweilig ist. Sollte man nicht abwarten, bis weitere Informationen vorliegen und sich dann positionieren?
 
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Welcher Logik sollte es entsprechen, dass der FSB sich einen Spionagefall ausdenkt – dazu noch mit einer derart bekannten Persönlichkeit?
 
Alle wissen, dass dieser Fall sofort in die internationale Aufmerksamkeit geraten wird und mindestens die halbe russische Medienwelt diesen Fall in allen Einzelheiten ausleuchten wird. Und Gnade Gott denjenigen, die beim FSB aus irgendwelchen subjektiven Gründen sich diese Sache ausgedacht haben … Gnade Gott denjenigen, die im russischen Rechtssystem den „fingierten“ Beweisen des FSB folgten und Untersuchungshaft und Ermittlungen und Gerichtsverfahren anordneten. Und Gnade Gott dem russischen Staat, der damit sich wiederum in das internationale Abseits stellt …
 
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Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten kommentierte noch am gleichen Tag, dass er durch die Medien von diesem Vorfall erfahren habe. Er sehe keine Notwendigkeit, den russischen Präsidenten darüber zu informieren, damit dieser die Angelegenheit unter präsidiale Kontrolle nimmt. Die Verhaftung erfolgte nicht wegen der journalistischen Tätigkeit des Beschuldigten. Die Pressefreiheit ist also nicht in Gefahr. Fünf Rechtsanwälte, so Peskow, garantieren, dass alles seinen gerechten Gang geht.
 
Peskow kommentierte weiter, dass Iwan Safronow ein talentierter Journalist ist. Er hat über die Arbeit der russischen Regierung berichtet, befand sich in der Gruppe der Journalisten, die den Präsidenten begleiten durfte. Man kenne im Kreml alle Veröffentlichungen Safronows und sie zeigten immer tiefgreifende Expertisen.  
 
Auch Dmitri Rogosin, der Chef von RosKosmos charakterisierte die Arbeit des exJournalisten mit höchsten Einschätzungen und kommentierte, dass Safronow kein Geheimnisträger war und auch keinen Zugang zu geheimen Materialien hatte. Er habe keine Zweifel an der Professionalität Safronows und an dessen persönlicher Integrität.
 
Diese Einschätzungen sind natürlich beeindruckend, insbesondere, wenn sie von derartigen Persönlichkeiten vorgenommen werden. Aber es stellt sich auch die Frage, welche Personen in dieser Welt denn für die Arbeit der Geheimdienste von Interesse sind – sicherlich auch die Reinemachefrauen, die täglichen Zugang zu den Papierkörben der Mächtigen dieser Welt haben, aber auch andere Personen …
 
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Es sei also angeraten, dass man die zuständigen Organe ihre Arbeit machen lässt und diese Arbeit mit rein sachlichen Artikeln aufmerksam begleitet. Liegen dann Fakten vor, egal ob diese die Anschuldigungen bestätigen oder aber etwas anderes besagen, kann man immer noch anfangen Kampagnen zu entwickeln und Demonstrationen zu organisieren.
 
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