Russland organisiert den Währungs-Patriotismus

Russland organisiert den Währungs-Patriotismus

 

Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hat dem deutschen „Handelsblatt“ ein bemerkenswertes Interview gegeben. Eine der interessantesten Antworten auf die Frage der deutschen Journalisten war, dass Russland aktiv Einfluss auf die Bedeutung westlicher Valuten im Lande und in der Wirtschaft nehmen wird.

 

 

In den 90er Jahren und auch noch die Zeit danach, war der amerikanische Dollar eigentlich die Währung Russlands. Wer sich in dieser Zeit im Land aufgehalten hat, wird sich daran erinnern. Fast alles wurde über Dollar umgerechnet, häufig auch mit Dollar bezahlt.

Im Jahre 2002 wurde der Euro geboren. Er hatte es anfänglich schwer, in Russland Fuß zu fassen. Auch die Deutsche Mark war bis 2002 wesentlich schwächer, im Vergleich zum USD, vertreten.

Das Bankensystem insgesamt stand in Russland auf sehr sandigen Füßen. Banken wurden gegründet, so wie frische Brötchen täglich gebacken wurden. Ziel dieser Bankgründungen war, dem Besitzer der Bank für andere Investitionsgedanken, die dieser hatte, billiges Geld von der Bevölkerung und anderen Gutgläubigen zu verschaffen. Unter Nutzung krimineller Methoden wurden dann Aktiva in unterschiedlichster Form aus dem Bestand der Bank entnommen und die Anleger standen plötzlich vor einer geschlossenen Bank oder erhielten, ab Mitte 2013 aus den Medien die Information, dass die Zentralbank wieder mal zugeschlagen und einem kriminellen Banker die Lizenz entzogen hatte. Leichter wurde dadurch niemanden, denn viele Anleger, die die Gesetzgebung nicht beachtet hatten, insbesondere zu Fragen der Einlagensicherung, verloren sehr viel Geld, vielleicht sogar alles, was sie hatten.

Und weil das Bankensystem insgesamt unsicher war, legten viele ihr Geld irgendwo im Westen an – vermeintlich glaubend, dass es dort sicher ist und auch Zinsen bringt.

Spätestens seit 2014 wissen die Russen nun, dass ihr Geld im Westen nicht sicher ist, denn die Sanktionen greifen. Und es greifen nicht nur die Sanktionen des Westens, sondern auch die immer perfektere Steuergesetzgebung in Russland, die die Russen im Rahmen internationaler Vereinbarungen zwingt, ihre Vermögen im Ausland offen zu legen. Wer dies nicht tut, muss mit Konsequenzen rechnen. Eine mehrmals verlängerte Amnestie zur Rückkehr von Kapital wird als Alternative vom russischen Staat angeboten.

Und den Russen mit Auslandskapital ist nun auch klar, dass nicht nur ihr Guthaben im Ausland in Gefahr ist. Ihnen ist auch klar, dass sie keine Zinsen mit diesen gefährdeten Guthaben mehr verdienen können. Und bald wird es ihnen auch klar werden, dass sie für die Lagerung ihres Geldes in deutschen Banken, auch noch Lagergebühr bezahlen müssen. Was macht es also für einen Sinn, das Geld noch im Westen zu halten?

Bereits früheren Meldungen der Zentralbank und anderer aufsichtsführender Behörden war zu entnehmen, dass die Kapitalrückführung begonnen hat. Nun steht die Frage, was der Russe mit seinem Geld macht? Der Staat hat angeboten, dass er es in die Wirtschaft investieren kann. Dann braucht er auch keine Steuern für die rückgeführten Gelder bezahlen, sondern bekommt sogar Steuervorteile.

Einige investieren, einige legen das Geld bei Banken an. Und wieder steht der Russe vor der Qual der Wahl: In welcher Währung legt er das Geld bei der Bank an. Noch im vergangenen Jahr gab es die Möglichkeit, ein paar Prozente mit Dollar und Euro zu verdienen. Jetzt allerdings bieten die Banken höchstens noch 0,-Prozente an. Aber immer mehr russische Banken gehen dazu über, überhaupt keine Valuta mehr anzunehmen, denn sie wissen nicht, wie sie mit diesem „wertlosen“ Geld, noch Geld verdienen können. Strafzinsen, so wie in Deutschland, dürfen russische Banken gegenwärtig noch nicht nehmen.

Und somit setzt ganz automatisch der Prozess der Entwicklung des Rubel-Patriotismus ein.

Und im Interview mit dem Handelsblatt gibt die Chefin der russischen Zentralbank den Russen eine einfache Empfehlung:

„Wir raten von Euro und Dollar ab.“

Und das „Handelsblatt“ fragt weiter:

„Aber wollen Sie denn überhaupt den Zufluss von Euro-Milliarden?“

Und auch hier ist die Antwort von Elvira Nabiullina sehr klar:

„Wir warnen russische Banken vor Operationen mit Euro. Die bringen ihnen keinen Gewinn mehr. Wenn Sparer Geld auf Euro-Konten anlegen, muss dieses Geld ja irgendwo von der Bank angelegt werden. Und dabei gibt es fast nur noch Instrumente mit Minuszinsen. Das bringt Banken Verluste. Da Negativzinsen für Einlagen in Russland untersagt sind, haben die Banken die Gebühren für Euro-Konten so erhöht, dass kaum noch Sparkonten in dieser Währung angelegt werden. Wir als Zentralbank achten darauf, dass russische Banken kein zu hohes Devisenrisiko in ihren Büchern haben, egal ob in Euro oder Dollar.“

Frau Nabiullina erklärte weiter, dass es das Ziel der Zentralbank ist, die Währungs- und Sanktionsrisiken aus der russischen Wirtschaft weitgehend zu vertreiben. Die westlichen Sanktionen haben faktisch bereits keinerlei Auswirkungen mehr auf den Finanzsektor und die Wirtschaft. Nur noch direkt sanktionierte Banken haben noch internationale Nachteile, die aber durch die innerrussische Förderung ausgeglichen werden.

Somit ist klar: Für Dollar und Euro hat das letzte Stündchen in Russland im täglichen Leben geschlagen. So wie der Rubel für Deutsche in Deutschland überhaupt kein Thema ist, wird man nun endlich auch in Russland im täglichen Leben die eigene Währung wieder so schätzen lernen, wie es sich für einen russischen Patrioten gehört.

 

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