Russland privatisiert seinen „ARD-Sender“

Russland privatisiert seinen „ARD-Sender“
 
Während man in Deutschland in der ersten Reihe gut sitzt und mit dem Zweiten besser sieht, wenn man jährlich pünktlich die Zwangsgebühren zahlt, braucht man in Russland für den TV-Empfang nichts zu bezahlen und sieht mit beiden Augen gut, egal, in welcher Reihe man sitzt.
 
 
Wer die Wahl, hat die Qual – besonders in Russland, wo es eine fast unüberschaubare Anzahl von TV-Sendern, sowohl auf föderaler, wie auch regionaler Ebene gibt. Neben den staatlichen Sendern, gibt es auch eine Vielzahl privater TV-Kanäle, die als Bezahl-TV geführt werden.
 
Somit kann derjenige, der meint, die staatlichen Kanäle informieren nicht unabhängig und objektiv genug, sich auf einer Vielzahl von anderen Kanälen, dann allerdings gegen Bezahlung, informieren. Eine weitere Möglichkeit ist, den Informationsbedarf über das Internet zu befriedigen, wo es eine weitere unüberschaubare Vielzahl von Kanälen, insbesondere über Youtube gibt.
 
Der größte TV-Sender ist der staatliche Erste Kanal. Trotzdem sich standhaft das Gerücht hält, dass es sich um einen Propagandasender der russischen Regierung handelt und niemand diesen Sender schaut, hat dieser Sender die höchsten Einschaltquoten, überflügelt gegenwärtig nur durch den TV-Sender „Rossija 1“. Somit gibt es hier gewisse Parallelen zu Deutschland, wo auch niemand die BILD-Zeitung liest, diese aber ständig ausverkauft ist und alle Deutschen wissen, dass in dieser Zeitung nichts Interessantes steht.
 
Seit 2014 hat der Erste Kanal, der sich eben nicht über Zwangsgebühren finanziert, finanzielle Probleme und wird seitens des Staates zusätzlich finanziert. Anscheinend hat nun aber der Staat keine Lust mehr, in den Sender zu investieren, was etwas merkwürdig anmutet, wenn man den Gerüchten glaubt, dass es doch der Sender ist, mit dem der russische Staat seine Bürger propagandistisch beeinflussen will und er somit interessiert sein müsste, dass der Sender perfekt, so auch mit Finanzen, ausgestattet ist.
 
Russlands Präsident Putin hat nun angeordnet, in den kommenden drei Monaten den Ersten Kanal zu privatisieren. Verkauft werden darf der Sender nicht an andere staatliche oder halbstaatliche Strukturen, sondern an diejenigen, die an Aktien des Senders interessiert sind und damit Geld verdienen wollen.
 
Mit dem Verkauf der Aktien soll Geld in die Kassen gespült werden, um den Sender TOP-FIT für die zukünftige Arbeit zu machen.
 
Bisher hält der russische Staat am TV-Sender 51 Prozent. Dieser Umfang soll auf 34 Prozent abgesenkt werden, so dass zwei Drittel aller Gesellschafteranteile in den Händen von Privatpersonen liegen. Ausländische Investoren können natürlich auch in den Sender investieren, jedoch nicht mehr als 20 Prozent des Aktienpaketes.
 
Um trotzdem die Kontrolle über den Kanal nicht ganz zu verlieren, soll es eine sogenannte „Goldene Aktie“ geben, die dem Staat den notwendigen Einfluss sichert.
 
Um eine stabile Arbeit zu leisten, benötigt der TV-Sender im Jahre 2021 6,5 Milliarden Rubel und ab 2022 bis 2025 jährlich fünf Milliarden Rubel.
Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung