Russland. Revolution. Roter Terror. Emigration. Zusammenbruch. Das Jahr 2022.

Russland. Revolution. Roter Terror. Emigration. Zusammenbruch. Das Jahr 2022.
 
Am 10. Dezember 1866 empfahl der russische Diplomat, Poet, Lyriker Fjodor Iwanowitsch Tutschew seinen Landsleuten, an Russland zu glauben. Mit dem normalen Verstand, kann man das Land nicht verstehen – meinte er. Es fällt gegenwärtig schwer, dieser Empfehlung zu folgen, denn wieder einmal kann man Russland nicht verstehen.
 
 
Viele meiner Leser und Zuschauer werden in der Vergangenheit bemerkt haben, dass ich mich, bei der Erläuterung von aktuellen Vorgängen, gerne auf Historisches rückbesinne, Vergleiche ziehe und dann in der Hoffnung ende, dass sich doch alles zum Guten wende, so, wie es eben auch in der historischen Vergangenheit immer war.
 
 
Vor der Veröffentlichung dieses Beitrages habe ich mich mit russischen Bekannten unterhalten, wollte deren Meinung hören. Nicht alle waren mit meinen Ansichten und Schlussfolgerungen einverstanden. Ich, als gebürtiger Deutscher, sehe aber die Entwicklung Russlands so, wie jetzt in diesem Beitrag dargestellt. Mein Fazit: Russland ist durch gesellschaftliche Katastrophen zur Weltmacht geworden.
 
Ich stehe damit im Widerspruch zu Präsident Putin, der meint, dass Russland die Rolle einer Weltmacht nicht mehr ausfüllen will – zumindest war er 2016 noch dieser Ansicht.
 
 
Und ich bin solidarisch mit den Russen die meinen, dass eine derartige Situation, wie sie heute herrscht, nicht entstanden wäre, wenn Russland seinen Anspruch auf den Status einer Weltmacht laut und deutlich kundgetan hätte, so dass ein gewisses Gefühl der Unsicherheit und Angst den Westen in seinen Handlungen eingegrenzt hätte.
 
Russlands Politik ist leider berechenbar geworden. Russlands Politik ist eine Schäfchenpolitik: man will es allen recht machen, man will, dass die Welt Russland liebt. Die Welt wird dies aber nicht tun, denn das reiche Russland hatte schon immer viele Neider. Russlands Schäfchenpolitik lässt den Westen sich entspannt zurücklehnen und die Politik betreiben, die er jetzt betreibt. Es bleibt zu hoffen, dass meine These, dass Russland durch gesellschaftliche Katastrophen, gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen, zur Weltmacht geworden ist, sich auch heute wiederholt.
 
Der russische Präsident Putin hat sich gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen. Seine Meinung hierzu habe sich nicht verändert. Putin erinnerte an die immer wieder aufflammende Diskussion zu diesem Thema und zitierte den Vorsitzenden des russischen Verfassungsgerichtes, der erklärt hatte, dass für die Wiedereinführung der Todesstrafe die Verfassung des Landes geändert werden müsste.
 
Der Zar Nikolai II. hat das, für europäische Verhältnisse, rückständige, feudale Russland durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg in den Ruin gestürzt. Die Revolution 1917, egal, wer diese organisiert hatte, ob es der Kommunist Uljanow oder doch der deutsche Agent Lenin war, brachte das Land in eine neue Phase seiner gesellschaftlichen Entwicklung. Vielen war das damals nicht klar. Man sah nur das Chaos der Revolution und die Machtlosigkeit der Mächtigen.
 
Die Große Sozialistische Oktoberrevolution 1917 brachte Hunger, Tod, geopolitischen Rückschritt, völkerrechtliche Erniedrigung. Aber sie brachte auch Stalin an die Macht. Es brach eine Periode harter Führung des Volkes und der Aufbruch in die Industrialisierung des Landes an.
 
Die Entwicklung der Sowjetunion unter Stalin, brachte dem Land nicht nur menschliche Opfer im Rahmen einer misstrauischen Innenpolitik des stalinschen Politbüros, Enteignungen und Hunger, sondern führte das Land in eine Position, dass es das faschistische Deutschland, mit samt seinen europäischen Vasallen, in die bedingungslose Kapitulation zwingen konnte. Die katastrophalen Ereignisse des Großen Vaterländischen Krieges, mit mehr als 27 Mio. Opfern und riesigen Zerstörungen, katapultierte das Land auf Augenhöhe mit den USA. Russland, als Teil der Sowjetunion, wurde Weltmacht, ließ die Kolonialmächte Frankreich, England und andere, die traditionellen Neider Russlands, unter sich abgleiten.
 
Der Vorsitzende des russischen Untersuchungskomitees Alexander Bastrykin erklärte, dass sich seit 2011 rund 72.000 russische Beamte vor Gerichten wegen Korruptionsvorwürfen zu verantworten hatten und verurteilt worden sind. Dies sind jedoch nur die Beamten, die vom Untersuchungskomitee angeklagt worden sind. Es gibt aber noch eine Vielzahl anderer Rechtspflegeorgane, die ebenfalls angeklagt haben.
 
Es vergingen nur 30 Jahre vom Untergang des russischen Imperiums, dem Totalchaos der Oktoberrevolution, der Katastrophe des Großen Vaterländischen Krieges, bis zur Erlangung des Status einer Weltmacht durch die Sowjetunion.
 
Es vergingen weitere 45 Jahre, bis die Sowjetunion diesen Status, defacto über Nacht, durch Verrat und Misswirtschaft, wieder verloren hatte. Es wurde das angeblich „unabhängige“ Russland geboren, welches sich sofort in die internationale jelzinsche komödiale Bedeutungslosigkeit, die amerikanische Abhängigkeit begab und seine Souveränität aufgab. Das Chaos der Gesetz- und Bedeutungslosigkeit der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts begann.
 
Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow erklärte vor Journalisten, dass Moskau kein Interesse hat, die diplomatischen Beziehungen mit den USA vollständig abzubrechen. Ein Abbruch diplomatischer Beziehungen ist immer ein Signal, dass keinerlei politische Ressourcen mehr vorhanden sind und nur noch Gewalt zur Verfügung steht. Das brauchen wir nicht – so Rjabkow. Auch die amerikanische Seite will keine derartige Entwicklung.
 
Mit dem Jahr 2000 begann die Zeitenwende in Russland – weniger stürmisch, weniger opferreich, weniger spektakulär, als wir die Geschichte seit 1917 in Erinnerung hatten. Mit ruhiger und berechnender Hand führt Putin und seine Mannschaft Russland in eine Position, die die Herrschaft der USA und deren Vasallen weltweit bedroht. Aber das Land selber befindet sich in einer gesellschaftlichen Lage großer Verunsicherung. Heute, so scheint es für diejenigen, die sich in der russischen und europäischen Geschichte ein wenig auskennen, wiederholt sich die Geschichte des Landes aus der Zeit 1917, den 30er Jahren, den Jahren des Krieges – fast identisch, fast wortwörtlich.
 
 
Es wird jetzt sicherlich einige Leser und Zuschauer geben, die sich die Frage stellen, was ich mit diesem Beitrag eigentlich sagen will. Ich will damit sagen, dass ich mich in einer Lage befinde, wo ich auf viele Fragen der Gegenwart keine Antworten mehr finde und mich deshalb in die Vergangenheit flüchte. Ich will mich mit den historischen Erfahrungen trösten, in der Hoffnung, dass diese sich heute wiederholen und Russland aus der aktuellen Situation als Sieger hervorgeht, als Sieger in der Welt und nicht nur in der Ukraine.
 
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Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihr Interesse. Tschüss und Poka aus Kaliningrad.

 

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