Russlands Bankensystem zukünftig ohne Schwarzen Freitag

Russlands Bankensystem zukünftig ohne Schwarzen Freitag

 

Ab Mitte 2013 erarbeitete sich Elvira Nabiullina den inoffiziellen Titel als Eiserne Lady des russischen Banken- und Finanzsystems. Sie trat die Funktion als Leiterin der russischen Zentralbank an. Sie nahm sich vor, das marode, egoistische, kriminell durchflochtene Bankensystem auf gesunde, international anerkannte Füße zu stellen.

 

 

Mitte 2013 begann die sogenannte Bankendisziplinierung. Wir erinnern uns an die ersten Meldungen, wonach es in der Zentralbank eine sogenannte Schwarze Liste von zehn Banken geben sollte, was umgehend von der Zentralbank dementiert wurde. Die Praxis der nachfolgenden Zeit zeigte, dass es keine Schwarze Liste, sondern eine Schwarze Datenbank gab. Es folgten hunderte von Lizenzentzügen für russische Banken.

 

Grafik: Lizenzentzüge der russischen Zentralbank
 
Einer der spektakulärsten Lizenzentzüge betraf die Kaliningrader „Investbank“. Sie verlor die Lizenz am Freitag den 13. Dezember im Jahre 2013.
 
Videoeinspielung: Unruhen Investbank Kaliningrad
 
Gerüchte um einen möglichen Lizenzentzug figurierten damals schon einige Tage. Dann trat am Donnerstag der damalige Kaliningrader Gouverneur Nikolai Zukanow vor die wütenden Menschen, die den Verlust ihres Geldes befürchteten und erklärte: „Ihr Geld ist sicher.“ Das Volk ging beruhigt auseinander und am kommenden Morgen hatten viele sehr viel Geld verloren. Der Einlagensicherungsfond betrug damals nur 700.000 Rubel und wer dies nicht beachtete, verlor alles, was darüber hinaus sich auf den Konten der Bank befand.
 
Seit diesem Zeitpunkt hat die Zentralbank 459 Mal erklärt, dass eine Bank nicht mehr die gesetzlichen Vorschriften für eine gute Bank erfüllt und die Lizenz entzogen. Das System der Rückerstattung der Einlagen im Rahmen des Einlagensicherungsfonds, ab 2015 schon auf 1,4 Mio. Rubel angehoben, funktioniert perfekt und fast völlig bürokratiefrei. Um sein Geld zu bekommen, musste man nur seinen Ausweis vorlegen – mehr nicht.

 

Grafik: Einlagensicherungsfond Russland
 
Die Vielzahl der unprofessionell und kriminell arbeitenden Banken in Russland entstand dadurch, dass russische Unternehmer oder Investoren für ihre Pläne Geld brauchten. Geld war teuer in Russland und man musste umfangreiche Sicherheiten hinterlegen – summarno das Doppelte oder Dreifache der Kreditsumme. Und die Zinsen waren so hoch, dass eine Rentabilität der Investitionen sich über Jahrzehnte nicht rechnete.
 
Grafik: Entwicklung des Leitzinses in Russland
 
Aber der Russe war gewohnt, sein investiertes Geld in spätestens zwei, drei Jahren wieder kapitalisiert zu haben. Und so gründete man eine Bank, versprach Iwan-Normalanleger gute Zinsen, aber natürlich geringere Zinsen als die, die man selbst bei einer Kreditaufnahme hätte zahlen müssen. Dann nahm man bei der eigenen Bank, zu denkbar niedrigen Zinsen und völlig überbewerteten Sicherheiten, einen Kredit auf, um neue Investitionen umzusetzen. Rechneten sich diese Investitionen nicht, konnten auch keine Zinsen an Iwan-Normalanleger ausbezahlt werden und natürlich konnte auch Kapital nicht zurückerstattet werden. Das bezeichnet man als „insolvent“ und das war den Bankinhabern völlig egal. Sie schlossen die Bank, die Anleger verloren alles Geld und der kriminelle Investor und Unternehmer gründete eine neue Bank. Verdiente er dann aber mit seinen Investitionen Geld, so legte er dieses nicht in die Gesundung der russischen Wirtschaft an, sondern schaffte es ins Ausland – wo es sicher war. Ein Trugschluss, wie wir heute wissen.
 
Grafik: Kapitalamnestie in Russland
 
Heute wissen wir, dass die Politik Russlands, unter Führung von Putin, strategisch langfristig für viele Bereiche der Wirtschaft geplant wurde. Man wusste, dass man für die Pläne, Russland wieder einen angesehenen Platz in der Welt zukommen zu lassen, ein gesundes Banken- und Finanzsystem brauchte.
 
Grafik: Internationale Reserven Russlands
 
So begann einerseits der Bankendisziplinierungsprozess, andererseits wurden die Rücklagen des Staates in Form von Internationalen Reserven, Goldreserven und den Fond des Nationalen Wohltandes mit Energie aufgebaut.
 
Grafik: Goldreserven Russlands
 
 
Grafik: Fond des Nationalen Wohlstandes
 
Kreditverpflichtungen Russlands im Ausland wurden parallel, schon sofort nach Amtsantritt des russischen Präsidenten Putin ab 2000 radikal abgebaut und defacto bis zur Bedeutungslosigkeit reduziert. Das half, die unruhigen internationalen Zeiten ab Mitte 2013 finanziell völlig entspannt zu durchleben.
 
Grafik: Entwicklung der Auslandsverschuldung Russlands
 
Russland hat selbst in den Zeiten, wo die westlichen Demokratien alles taten, um Russland an den Rand einer wirtschaftlichen, womöglich gar gesellschaftlichen Katastrophe zu führen, die Auslandsschulden der UdSSR beglichen. Sie beliefen sich beim Zusammenbruch der UdSSR auf mehr als 140 Milliarden USD. Im Jahre 2017 wurden die letzten Kredite an Bosnien Herzegowina erstattet. Und dies auch deshalb nur so spät, weil es nicht klar war, wem man das Geld schuldete, denn Jugoslawien existierte nicht mehr.
 
Grafik: UdSSR-Auslandsschulden Russlands
 
Einen weiteren Schritt zur Stabilisierung tat die Zentralbank ebenfalls über einen langen Zeitraum von Jahren. Die Inflation war in Russland katastrophal hoch. Für Anleger hatte dies natürlich den Vorteil, dass man mit Geld viel Geld verdienen konnte, das sogenannte passive Geldverdienen. Für die Wirtschaft war es schlecht, denn niemand konnte sich Kredite leisten und eben deshalb blühten die Banken mit geplantem kriminellem Hintergrund auf.
 
Grafik: Entwicklung Inflation in Russland
 
Nun scheint Elvira Nabiullina mit ihrer eisernen Hand die Inflation beruhigt zu haben. Das Jahr 2019 wird sich auf dem Niveau um die drei Prozent bewegen. Der Leitzins liegt, nach fünf Senkungen im Jahre 2019 bei 6,25 Prozent. Somit kann Iwan-Normalanleger immer noch mit einer Netto-Verzinsung seiner Ersparnisse um drei Prozent rechnen – im Vergleich zu den Strafzinsen in Deutschland rosige Aussichten.
 
Und die Zentralbank hat sich entschlossen, den Einlagenfond auf bis zu 10 Mio. Rubel anzuheben – allerdings eingeschränkt auf Sonderfälle wie Erbschaften und Einkünfte aus Immobilienverkäufen. Aber es ist abzusehen, dass nach Abschluss der Bankensäuberung, der für dieses Jahr geplant ist, der Versicherungsschutz aufgestockt wird. Und bei zehn Mio. Rubel Einlagenschutz, wird das Geld, welches jetzt noch im Ausland ungenutzt schlummert, sicher kräftig nach Russland strömen.
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