Saunagespräche: Ukrainische Nazis als Aufbauhelfer Süd

Saunagespräche: Ukrainische Nazis als Aufbauhelfer Süd
 
Gespräche in einer russischen Sauna sind vermutlich zu vergleichen mit Gesprächen an einem deutschen Stammtisch. Während der Russe deutsches Bier kennt, kennen nur wenige Deutsche eine russische Sauna. Ich möchte Sie an den Gesprächen teilhaben lassen, die dort jeden Morgen, mehr oder weniger hitzig, geführt werden.
 
 
Die gegenwärtigen Bedingungen in der morgendlichen Sauna sind etwas schwieriger als üblich. Die finnische Sauna ist geschlossen. Es erfolgt ein totaler Neuaufbau, die alte Sauna wurde herausgerissen und eine neue wird jetzt eingebaut. Rein optisch ändert sich nichts. Wir, die Saunafans, lassen uns in einer Woche von der möglichen neuen technischen Leistungsfähigkeit überraschen. Und sollte irgendetwas nicht zu unserer Zufriedenheit sein, so werden wir sicherlich saunatechnische Maßnahmen einleiten, um unser Wohlbefinden auch weiterhin zu garantieren.
 
Wir sind jetzt in der türkischen Sauna. Sie ist sehr feucht, stark nebelig durch den Wasserdampf und sie macht viel Krach – manchmal versteht man nicht so richtig, was der andere sagt. Aber wir versuchen, im Gespräch zu bleiben.
 
Und so sprachen wir heute darüber, wie es denn weitergeht in der Ukraine. Mariupol und das Asowstal-Werk sind gefallen. Tausende sind in Gefangenschaft gegangen, viele davon sind Kämpfer der Asow-Einheiten, also Nazis. Anscheinend hat man bisher keinen einzigen deutschen Söldner gefangengenommen. Das befreite mich ein wenig von einer aktiven Teilnahme am Gespräch und ich hörte nur zu.
 
Diesmal gesellte sich, völlig unerwartet für unsere Männerrunde, eine Frau zu uns. Sie fragte uns, welche russische Region die loyalste oder die russischste aller russischen Regionen ist? Nun, Moskau ist es nicht, Kaliningrad auch nicht … bleibt also nur die Krim. Falsch geraten, meinte die Frau, es ist Tschetschenien.
 
Können Sie sich eine sprachlose Männerrunde vorstellen, Männer, die von sich überzeugt sind und nun bringt eine Frau eine These in die Diskussion, die völlig von den gewohnten Standards abweicht?
 
Ja, es ist richtig, dass zwei schlimme Kriege in Tschetschenien geführt worden sind. Auf beiden Seiten gab es viele Opfer. Viel Hass herrschte und niemand konnte sich damals vorstellen, wie diese Tragödie enden könnte.
 
Der zweite tschetschenische Krieg dauerte vom 7. August 1999 bis zum 20. April 2000. Danach gab es noch Partisanenterror, der aber im Jahre 2009 ebenfalls beendet wurde. Im April 2000 war Putin gerade einmal als Präsident vom Volk vor wenigen Tagen gewählt worden. Seit 1. Januar 2000 war er mit der Führung des Landes beauftragt. Er beendete den Krieg, zog die ehemaligen Gegner auf seine Seite – den Vater des heutigen Leiters der Republik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow und gemeinsam wurde und wird viel getan, um diese Republik aufzubauen und zu entwickeln. Und so muss man sich nicht wundern, dass Ramsan Kadyrow einer der loyalsten Regionalleiter ist, die Russland hat. Und Tschetschenien ist die einzige russische Region, die Freiwilligenverbände aufgestellt hat, die in der Ukraine für die Sicherheit Russlands kämpfen und leider auch sterben.
 
Aus Feinden wurden die loyalsten Bürger des Landes – so unser neues weibliches Sauna-Mitglied.
 
Und sie argumentierte in der Hinsicht, dass, wenn es Putin damals gelungen ist, aus Feinden, aus Terroristen, Verbündete und loyale Staatsbürger zu machen, warum sollte dies nicht wiederholbar sein?
 
 
Ein Mann warf, eine kleine Gesprächspause nutzend, schnell ein, dass Afghanistan ja auch so ein Beispiel ist. Russland pflegt aktive Beziehungen zu denen, mit denen man im vorigen Jahrhundert Krieg geführt hat. Heute entwickelt sich das Verhältnis erstaunlich loyal mit gegenseitigem Verständnis.
 
Und die Frau ergänzte, dass, wenn Russland über die DeNAZIfizierung der Ukraine spricht, man damit nicht meint, dass nach einem Nürnberger … nein, natürlich Mariupoler Tribunal, die Stricke an den Straßenlaternen befestigt werden. Sie erinnerte an die Endnazifizierung in Deutschland, über die man natürlich heute streiten kann, ob sie denn wirklich effektiv stattgefunden hat. Aber zu dieser Entnazifizierung gehörte z.B. die Aufhebung von Nazi-Gesetzen, also z.B. die Rassengesetze. Das gesamte Bildungssystem wurde neu organisiert und vieles andere mehr.
 
Und so in etwa stelle sie sich die EntNAZIfizierung der Ukraine vor.
 
Warum sollten also die Asow-Kämpfer, die heute NAZIs reinsten Wassers sind – nein, das Wasser ist natürlich nicht rein, sondern fäkalienbraun, nicht am Aufbau der Ukraine teilnehmen? Sicher kann man erkennen, wer Unverbesserlicher ist. Der sollte in sicherem Gewahrsam bleiben. Aber die vielen kleinen NAZI-Dienstgrade … warum sollten die keine zweite Chance für ein neues Leben bekommen?
 
Putin hat sich im Jahre 2000 nicht geirrt, als er Tschetschenien eine neue Chance im Bestand der Russischen Föderation anbot. Er hat sich auch nicht geirrt, als er sich um ein neues Verhältnis zu Afghanistan bemühte, nachdem die Amerikaner und die NATO aus dem Land flüchten mussten. Und die Ukraine sollte das dritte Beispiel sein, wie man aus Feinden, Freunde machen kann – meinte die Frau.
 
 
Und zum Schluss konnte ich mich einer neunmalklugen Bemerkung nicht enthalten und meinte: „Na, da bin ich aber gespannt, wie das mit Deutschland weitergeht.“ Und unser Liberalissimus fragte sofort: „Ach, Sie denken, Deutschland ist unser Feind?“ Meine Antwort fiel kurz aus: „Ja.“ Aber dann ergänzte ich noch einen Klassikerspruch: „Deutsche Regierungen kommen und gehen. Das deutsche Volk wird bleiben.“
 
Und das verstanden alle als Signal den Saunagang zu beenden und eine kalte Dusche zu nehmen.
Reklame

Kommentare ( 8 )

  • Mombo

    Veröffentlicht: 26. Mai 2022 11:10 pm

    "....Entnazifizierung in Deutschland, über die man natürlich heute streiten kann, ob sie denn wirklich effektiv stattgefunden hat...".
    Nein, da wird kaum noch gestritten: Eine wirklich effektive Entnazifizierung hat mit Sicherheit nicht stattgefunden.
    Die Eliten des Nazisystems haben sich weitgehend nahtlos in die Strukturen der 3 westdeutschen Besatzungszonen und den Folgestaat BRD eingegliedert, wo sie nicht wenige Führungspositionen übernommen haben. Ich erinnere hier nur an Bundeskanzler Kiesinger, Ministerpräsident Filbinger und an Adenauers "rechte Hand" Globke, den Kommentator der Nazi-Rassegesetze. Ich persönlich habe noch den damaligen Todesurteile-Kriegsrichter E. Schwinge in Marburg erlebt, der nach dem Krieg jahrelang die Juristische Fakultät führte und sogar als Präsident der Universität vorstand.

  • Mombo

    Veröffentlicht: 26. Mai 2022 12:25 pm

    Zur Ergänzung verweise ich auf die Untersuchung von Ingo Müller, die nicht ohne Grund den Titel trägt:
    "Furchtbare Juristen: Die unbewältigte Vergangenheit der deutschen Justiz".
    Das betrifft zwar "nur" die sogenannte 3. Gewalt, die Justiz, läßt aber ohne weiteres entsprechende Schlüsse auf die anderen Bereiche der BRD-Eliten zu.

  • Vogonendichter

    Veröffentlicht: 26. Mai 2022 12:34 pm

    Russland hat schon seit einiger Zeit den Ruf, ein guter Problemlöser zu sein.
    Und den will RU garantiert nicht aufs Spiel setzen, in dem es überhastet reagiert.
    Ich glaub das RU es auch schafft, den Zwist zwischen Indien und Pakistan zu lösen.

  • Detlef

    Veröffentlicht: 26. Mai 2022 15:32 pm

    "Und Tschetschenien ist die einzige russische Region, die Freiwilligenverbände aufgestellt hat, "
    Diesen Satz habe ich mir mehrere Male durchgelesen. Bedeutet das, dass die übrigen Gouverneure an der Seitenlinie stehen und abwarten?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. Mai 2022 15:35

      ... eine interessante Logik, die ich eigentlich bei meinen Formulierungen im Beitrag hätte vorausahnen müssen. Habe ich aber nicht. Aber das bedeutet nicht, dass die anderen Gouverneure weniger loyal sind. Das bedeutet nur, dass eben Tschetschenien eine Ausnahmerolle in Russland spielt - ob es uns immer gefällt oder nicht. Bisher war es immer zum Vorteil für die Gemeinschaft.

  • Vogonendichter

    Veröffentlicht: 26. Mai 2022 16:05 pm

    Ich nehme mal an das die derzeitigen Soldaten der Russischen Armee aus allen Teilen des Landes kommen.
    Nur das Tschetschenien noch zusätzlich eigene Kräfte geschickt hat, soweit weg hatten sie ja auch nicht, im Gegensatz zu anderen Regionen

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 27. Mai 2022 12:41 pm

    Wenn man von "Entnazifizierung" in Deutschland spricht, dann begeht man immer einen Fehler, denn Aktivitäten dieser Art waren ausschließlich auf das Gebiet der DDR beschränkt.
    Die bundesdeutschen "Persilscheine" hatten schon fast einen qualifizierenden Anspruch, und die nahtlose, straffreie Übernahme Tausender, maßgeblich am Kriegsgeschehen involvierter Wissenschaftler, die die heutige Bedeutung der amerikanischen Militärtechnik erst möglich machten, bleibt weitgehend unbeachtet.
    Ein "Nazi" konnte nie so schuldig sein wie ein möglicher Sympathisant mit Rußland, dem Erzfeind jedweder westlicher Lebensform.
    Dieses eherne Gesetz hat Bestand.
    Wenn Rußland Freunde in Deutschland hat, dann östlich der ehemaligen Demarkationslinie, die wiederum keine ausgemachte Freundschaft mit den sich anschließenden Todfeinden Rußlands pflegen.
    Europa ist weder einig, noch gleichberechtigt, noch stark, Nationalstaaten divergierender Interessen, mittels Druck an einander gekettet.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 28. Mai 2022 13:00 pm

    Ich möchte mal auf Uwes neue Sauna-Besucherin und ihre wohl klugen Worte eingehen, die den eigentlich positiven Ruf einer - Frau - unterstreichen.
    Ganz im Gegenteil zu den Frauen im Westen, die sich an Spitzen von Regierungen "gearbeitet" haben und fleißig am Untergang oder zumindest großem Schaden der ihnen anvertrauten Länder arbeiten.
    Man kann ja gar nicht alle aufzählen und begründen, die entweder keinerlei Ausbildung oder Kenntnisse für diese Positionen hatten oder haben und sich aber gut bis sehr gut versorgt haben.
    Denken wir an V.d. Leyen, AKK, Glöckner, Karlicek, Bär oder die neuen Strack-Z., Baerbock, Lambrecht, Faecer, Lemke und Roth.
    Ich will damit keinesfalls sagen, daß die "Herren der Schöpfung" besser sind. Da schüttelt man genauso den Kopf über die Besetzungen von höchsten Planstellen von solchen Leuten. Aber bei vielen solcher Stellen, geht es eben darum, daß weiblich an erster Stelle steht. Warum? Geht es eigentlich nicht um Qualifikation? Ein schweres Fremdwort!

  • Vogonendichter

    Veröffentlicht: 29. Mai 2022 01:39 pm

    Bastian
    "Warum? Geht es eigentlich nicht um Qualifikation?"
    Ich kann ja mal schreiben wie das sehe. Das Personen auf Ämter gehieft werden, von dem sie keine Ahnung haben hat System. So kann man denen teure Berater zur Seite stellen, die einem das "Richtige" einflüstern, auserdem ist man damit auch noch erpressbar. siehe Buch von Thomas Röper "ABHÄNGIG BESCHÄFTIGT"
    überleg mal, nur ein Kinderbuchautor kommt auf die Idee
    "Wir legen einfach eine Obergrenze für den Ölpreis fest" und das muss dann einfach der "Russe" akzeptieren.
    Wenn es sich nicht um einen deutsche Minister handeln würde, könnte man über diese Naivität sogar lachen.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung