Sechs Auswege aus der Partnerschaft mit Russland

Sechs Auswege aus der Partnerschaft mit Russland
 
Wer die Wahl, hat die Qual. Und Deutschland quält sich gegenwärtig mit der Wahl, ob es aus dem Projekt „NordStream-2“ aussteigen soll oder nicht. Und mit dieser Quälerei ist die Sache aber noch nicht abgeschlossen.
 
 
Entscheidet sich Deutschland, aus „Nord-Stream-2“ nicht auszusteigen, so muss man diese Entscheidung irgendwie den Partnern in der Europäischen Union erklären. Das wird nicht ganz einfach und Deutschland muss sicherlich zwischen einigen Erklärungsvarianten diejenige aussuchen, die am besten ist, um nicht das Gesicht zu verlieren.
 
Videoeinspielung: Zitat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag
 
Persönlich bin ich der Meinung, dass diese Variante aber nicht zutreffen wird, d.h. das politische Deutschland wird die wirtschaftliche „NordStream-2“-Partnerschaft mit Russland aufkündigen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „17 Augenblicke des Frühlings“
 
Wenn dies wirklich so eintrifft, ist bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre der Beweis erbracht, dass der Staatsbürgerkundeunterricht in der untergegangenen DDR, nicht immer das richtige Wissen vermittelt hat, denn mir wurde im Unterricht vermittelt:
 
„Wer die wirtschaftliche Macht hat, hat auch die politische Macht.“
 
2014 hat die deutsche Politik bewiesen, dass dies nicht stimmt und heute, im Jahre 2020 wird die deutsche Politik dies mit großer Wahrscheinlichkeit ein zweites Mal beweisen.
 
Somit kommen wir zur zweiten Wahl, nämlich aus dem Projekt auszusteigen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Russische Medien haben einen Beitrag bei „Politico“ gefunden. Die dortigen Journalisten haben sich Gedanken gemacht und sechs Wege, sechs Auswege gefunden, die Deutschland nutzen könnte, um eingegangene Verträge nicht einhalten zu müssen …
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „17 Augenblicke des Frühlings“
 
… sprich, den Russen die bekannte „Figur aus drei Fingern“ zu zeigen.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Besonderheiten der russischen Angelei“
 
Es geht den Deutschen nicht darum, den Patienten Nawalny damit möglichst umfangreiche moralische und auch ein wenig medizinische Hilfe zu leisten und die Giftmischer-Russen, die Versucht-Mörder-Russen damit zu bestrafen.
 
Es geht auch nicht darum, Deutschland vor einer zu großen Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu bewahren. Selbst zu schlimmsten Zeiten des Kalten Krieges gab es niemals derartige Bedenken seitens des damaligen 75-Prozent-Deutschlands. Heute gibt es diese Bedenken, obwohl Russland niemals Anlass zu Befürchtungen über Lieferstopps gegeben hat.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Besonderheiten der nationalen Jagd“
 
Nein, es geht einerseits darum, Russland natürlich an den moralischen Weltpranger zu stellen, was bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung bereits zu den gewünschten Beeinflussungserfolgen geführt hat.
 
Und es geht andererseits darum, Russland möglichst maximal wirtschaftlich zu schaden. Man hat natürlich den Zeitraum ab 2014 analysiert und festgestellt, dass alle Sanktionen gegen Russland nicht zum Zusammenbruch, sondern umgekehrt, zur Stärkung des Landes geführt haben.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Jemeljan Pugatschow“
 
Russland ist heute wesentlich stärker, politisch, wirtschaftlich und militärisch, als im Jahre 2014 und diese Entwicklung setzt sich in einer steilen Kurve nach oben fort. Und genau diese Kurve will Deutschland – ob als souveräne Entscheidung oder von einer dritten Macht diktiert – abflachen.
 
Videoeinspielung: Zitat Präsident Putin zur Souveränität
 
Ich habe meine Zweifel, ob dies gelingen wird. Der russische Bär wird sich wieder ein wenig in seiner Höhle bewegen und nachdenken, wie er trotzdem zu seiner jährlichen Portion Honig kommt und sich die lästigen Bienen beim schleckern vom Pelz hält.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Deutschland wird andererseits versuchen das Projekt maximal gesichtswahrend und mit möglichst wenig finanziellen Konsequenzen zu beenden.
 
Als erste Variante zählt „Politico“ auf, dass Deutschland die Baugenehmigung zurückziehen könnte. Dann kämen Schadenersatzforderung in Höhe von 9,5 Mrd. Euro auf Deutschland zu. Deutsche Steuerzahler zahlen fleißig Steuern und da man das Problem der Migranten finanziell gestemmt hat, sind diese 9,5 Milliarden Euro „Peanuts“, wie mal ein deutscher Banker gesagt hat.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Deutschland kann aber auch warten, bis das zuständige Gericht die Klage der „Deutschen Umwelthilfe“ behandelt. Diese versucht zu beweisen, dass „NordStream-2“ dem Klima schade und der Erderwärmung Vorschub leistet. Zum Glück sind die Gerichte in Deutschland nicht beeinflussbar, so dass die Weltöffentlichkeit im Allgemeinen und Russland im Besonderen, auf ein objektives Urteil rechnen können.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker
 
Eine weitere Möglichkeit ist, gesetzliche Festlegungen zur Liefer-Höchstmenge an Gas aufzustellen, welches Deutschland aus Russland importieren darf.
 
Die vierte Möglichkeit ist, nichts mehr gegen die Bestrebungen der USA zu unternehmen, das Projekt zum Fall zu bringen. Damit wären dann die USA die Totengräber und Deutschland könnte sein falsch-freundschaftliches Gesicht weiterhin den Russen anbieten.
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Die vorletzte Möglichkeit ist, dass die Europäische Union Sanktionen gegen das Projekt verhängt. Dies ist allerdings eine schwer vorstellbare Variante, denn in der EU herrscht das Prinzip der Einstimmigkeit und Deutschland müsste so gegen sich selber stimmen.
 
Die letzte Möglichkeit wäre, der Gasleitung letztendlich keine Lizenz für die Inbetriebnahme zu erteilen und das Projekt in bürokratischen Formalitäten zu ertränken.
 
Egal, welches Mittel angewandt wird, um die Russen zu bestrafen, es kostet allen ein wenig Geld und es wird niemanden wirklich an den Rand des Ruins bringen.
 
Videoeinspielung: Internetfund
 
Das Verhältnis zwischen beiden Ländern wird sich deutlich verschlechtern, was vermutlich in dem einen oder anderen Fall Auswirkungen auf Deutsche, deutsche Firmen, deutsche Aktivitäten, in Russland haben wird.
 
Wenn die Mehrheit des deutschen Volkes diese Politik nicht will, so hat es die Möglichkeit, im kommenden Jahr zu den Bundestagswahlen, dies kund zu tun. Es ist ganz einfach: Man muss sich nur die Wahlprogramme der einzelnen Parteien anschauen und dann die richtige Wahl treffen. Wird so gewählt, wie in den vergangenen Jahren seit 1949, so wird sich nichts ändern und auch Russland, mit seinem Deutsch sprechenden Präsidenten, wird endlich mit Gewissheit wissen: Die Mehrheit des deutschen Volkes ist nicht an einem guten Verhältnis zu Russland interessiert.  
 
Videoeinspielung: Kinoklassiker – Lied „Ist uns doch egal“ (Nikulin)
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Kommentare ( 3 )

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 14. September 2020 09:45 pm

    Der Rückzug Deutschlands aus "Nord-Stream-2" wird keine Auswirkungen auf Russland haben und Deutschland viel größere wirtschaftliche Verluste bringen als Russland. Dies ist in der Bundesregierung gut verstanden. Wenn eine Entscheidung getroffen wird, werden die materiellen Interessen des deutschen Volkes stark leiden. Auf Kosten moralischer Interessen nehme ich nicht an zu urteilen... Bei allem Respekt vor Ihnen, Uwe Erichovitsch, warum schreiben Sie: "Russland ist heute wesentlich stärker, politisch, wirtschaftlich und militärisch, als im Jahre 2014 ..." Natürlich vielen Dank für Ihre Treue zu Russland, aber Sie sind der erste Kaliningrader, von dem ich das höre (lese). Einige andere Kaliningraders sind sich des wahren Wertes dieses Ausdrucks bewusst, insbesondere Unternehmer...Und noch eine: "Die Mehrheit des deutschen Volkes ist nicht an einem guten Verhältnis zu Russland interessiert". Für die russische Bevölkerung ist dies ein Axiom von Geburt an. Die Medien sind genau da.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 14. September 2020 11:43

      Möglich, dass ich einer von wenigen bin, die behaupten, dass es den Menschen und der Wirtschaft besser geht. Jammern gehört auch in Russland zum normalen Leben, auch Geschäftsleben. Meine Bewertung fußt nicht nur auf Gesprächen mit Menschen und Geschäftsleuten, die mir täglich ihr Leid klagen, sondern auf Mitteilungen staatlicher Behörden, wie die Steuern wachsen, wie die Spareinlagen der Bevölkerung wachsen und wie sich der durchschnittliche Warenscheck in Einzelhandelsgeschäften entwickelt. Dann interessieren mich noch die Verkäufe von Neubauwohnungen und der Verkauf von Neuwagen. Ab und zu schaue ich auf die Statistiken des Verkaufs/Kaufs von Gebrauchtimmobilien und Gebrauchtfahrzeugen. Es gibt noch andere Zahlen die darüber informieren, ob es der Bevölkerung und dem Land gut geht ... also z.B. die Einnahmen des Staates aus der Gewinnsteuer oder der Mehrwertsteuer ... das sind für mich reale Aussagen. Alles andere sind subjektive Empfindungen.

  • W.kloetzing1.

    Veröffentlicht: 14. September 2020 13:44 pm

    Glückwunsch Herr Niemeier
    Eine gute und fundierte Analyse.

    Willi Klötzing

  • Gerald Hübner

    Veröffentlicht: 15. September 2020 09:33 pm

    Sher geehrter Herr Niemeier, ich kann mich Herrn Klötzing nur anschleßen, wenn auch zufällig - bei Lenta.ru wahrscheinlich - habe ich gestern genau den Artikel so gelesen. Heute mehr Artikel über die Umstrukturierung des weißrussischen Transits weg von Klaipeda, z.B..
    Sonnige Grüße aus Potsdam und wenn ich wieder darf auch aus Perm,
    Gerald Hübner

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