SED-Nostalgie während des G7-Treffens

SED-Nostalgie während des G7-Treffens
 
Schaute man sich in den letzten zwei Tagen die Berichterstattung der zwangsfinanzierten deutschen Medien an, konnten doch schon einige nostalgische Stimmungen aufkommen. Soviel Einigkeit, soviel Liebe und gegenseitiges Verständnis für die Probleme dieser Welt kannte ich nur noch aus der Zeit der SED-Parteitage.
 
 
Krampfhaft waren die Mitarbeiter von ARD und ZDF bemüht, vor der malerischen Kulisse der Alpen, über die große Einigkeit und das gegenseitige Verstehen der G7-Staaten zu berichten. Man interviewte sich gegenseitig und ich fühlte mich fast so heimisch, wie bei der Aktuellen Kamera, die uns auch immer eine perfekte heile Welt unter den Mächtigen des Sozialismus, vereint gegen den Imperialismus, vorspielte. Einziger Unterschied zu den damaligen, sehnsüchtig vermissten Zeiten: für die Aktuelle Kamera und deren Idylle-Propaganda, musste ich keine Gebühren zahlen.
 
Praktische Ergebnisse gab es anscheinend während des G7-Gipfels nicht, außer irgendeiner Summe von 600 Mio., oder waren es Milliarden USD für irgendwas. Ich habe schon vergessen, für was das Geld ausgegeben werden soll.
 
Zu den Parteitagen der SED war das auch so. Es wurden hervorragende Perspektiven aufgezeigt – immer vorausgesetzt, dass das Volk gut arbeitet und den Sozialismus aufbaut.
 
Auf dem G7-Treffen war es ähnlich. Das Volk wird in Freiheit und Demokratie leben, wenn man widerspruchslos die kommenden schwierigen Zeiten akzeptiert, arbeitet, Steuern zahlt und ein wenig friert und hungert. Wichtig ist, in Einigkeit den militaristischen Imperialismus zu besiegen … ich bin heute ein wenig unkonzentriert … Entschuldigung, ich meine natürlich den aggressiven Putin zu besiegen
 
Auf dem 11. Parteitag der SED, die Genossen unter uns erinnern sich, dass er im April 1986 stattfand, trat der neue Held des Sozialismus, der Genosse Biden … tschuldigung, ich meine natürlich der Genosse Gorbatschow auf. Er versprach Klarheit und Umbau, Glasnost und Perestroika.
 
Vier Jahre später, nach einem Express-Parteitag der SED im Dezember 1989, hörten die G7 auf … tschuldigung, schon wieder ein Versprecher,  hörte die DDR auf zu existieren.
 
Ein weiteres Jahr später löste sich die NATO … äh, verdammt nochmal, der Warschauer Vertrag auf.
 
Alles andere ist Ihnen bekannt … Der Sozialismus brach zusammen, die Sowjetunion zerfiel in ihre Einzelheiten – ihre Ideologen wurden zu Verrätern an der eigenen Sache.
 
Ja, all das ging mir durch den Kopf – während der zweitägigen Berichterstattung der staatsgelenkten Medien in Deutschland.
 
Erstaunt war ich, als ich eine Stellungnahme von Peskow hörte. Sie kennen Peskow? Das ist der Pressesprecher des bösen Putin, also des Mannes, der jetzt, nach den Vorstellungen des italienischen Premiers Dragin, nicht am Treffen der G20 teilnehmen soll. Der Kindergarten-West unternimmt anscheinend alles, um seinen Sandkasten von ungezogenen und bösen Putins frei zu halten. Und, ändert die An- oder Abwesenheit Putins etwas am prinzipiellen Lauf der Dinge? Ich denke nicht … es ist Symbolik, so wie die hemdsärmelige G7 und der Kaffee-Kellner Johnson Symbolik ist.
 
Aber kommen wir zu Peskows Äußerungen zurück. Er kommentierte den Beschluss der G7, in Russland nur noch Gas zu kaufen, wenn Russland dafür einen Oberpreis akzeptiere. Keine Ahnung, was man unter „Oberpreis“ versteht. Vielleicht einen Rubel für tausend Kubikmeter?
 
Peskow war aber überhaupt nicht verwundert, sondern meinte, man kann über alles sprechen, so auch über eine Preisobergrenze. Die Käufer müssen nur neue Verträge mit Gasprom aushandeln und schon gehe alles seinen normalen, vertraglichen Oberpreis-Gang. Natürlich müssen bei diesen Verträgen auch Juristen mitarbeiten – logisch.
 
Journalisten wollten noch ein wenig mehr wissen und Peskow meinte, dass man immer schauen müsste, wohin das Gas fließe. Je nach Richtung und Empfänger wird es individuelle vertragliche Vereinbarungen geben können. Allerdings entscheide nicht er dies, sondern Gasprom. Und Gasprom wird wohl die Frage stellen, ob man die gegenwärtig bestehenden Verträge ändern will oder ob es neue Verträge geben soll. Sollte es neue geben, müssen natürlich die alten Verträge gekündigt werden. Eine verfickte … äh, verzwickte Angelegenheit und ziemlich gefährlich.
 
Peskow wollte keine weiteren Fragen zu diesem Thema beantworten. Noch ist doch gar nichts beschlossen von den G7. Man habe nur Gedanken geäußert. Warten wir doch einfach ab, was kommt – so der Sprecher des bösen Putin.
 
Interessant fand ich dann auch die Treffen der G7 mit den Gästen, die sich wohl im Stundentakt die Klinke … nein die Hände in die Hände gaben. Alleine der Gedanke, Länder einzuladen, die man in der Vergangenheit versklavt, ausgebeutet und ignoriert hatte, hat schon ein gewisses Geschmäckerle. Der Westen ist sich für keine Moralvergewaltigung zu schade. Schade ist, dass diese Länder überhaupt angereist sind, um mit ihren Demütigern, die ihnen niemals etwas Gutes wollten, zu sprechen. Ausnahmsweise glaube ich mal den Kommentaren der ARD/ZDF-Journalisten, die zugaben, dass die Gespräche nichts gebracht haben. Man konnte niemanden zum Seitenwechsel überreden.
 
Vermutlich haben sich die G7 an die Zeiten 1990/91 erinnert, wo der Sozialismus zusammenbrach und die Länder des Warschauer Vertrages und des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe mit wehenden weißen Fahnen zum Westen überliefen. Die Zeiten scheinen sich heute ein wenig geändert zu haben.
 
Die Spitze der Frechheit – so empfand ich es – war der Aufruf der G7 an China, Russland aufzufordern, die Militäroperation in der Ukraine zu beenden. Ich denke mal, wenn China diesem Aufruf folgen sollte, so wird man Russland höchsten auffordern, etwas schneller und etwas massiver in der Ukraine zu handeln. Denn je schneller die EntNAZIfizierung erledigt ist, um so schneller geht die Forderung der G7 in Erfüllung: die Beendigung der Militäroperation.
 
Ein Bekannter von mir, mit dem ich einen Kaffee trank, fragte mich noch, warum denn die G7 so sehr darauf drängen, dass Russland seine Militäroperation in der Ukraine beenden soll. Geht denen schon das Geld aus, fehlt es schon an Waffen und Munition? Ahnen die schon, welches Elend im Winter beginnt? Ich schaute meinen Kaffeegast an und der zeigte kein winziges Lächeln. Er meinte die Frage wohl ernst.
 
Ach, und zum Schluss noch eine Schlussbemerkung. In den heutigen ZDF-HEUTE-Nachrichten um 19 Uhr sagte Theo Kroll sinngemäß: Mir scheint, dass dieser Gipfel der wichtigste Gipfel in der Geschichte der Gipfel gewesen ist. Das hat man früher auch von jedem SED-Parteitag gesagt und 1990, im Dezember, war dann Schluss mit lustig.

 

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Kommentare ( 5 )

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 29. Juni 2022 10:46 pm

    Das ist ja wirklich der Gipfel der Gipfeln, wenn ein von sich selbst gewünschter "Kanzler in spe" bei einem Treffen zu Hause nur die Gäste, und nicht auch den Gastgeber begrüßt - halt wieder so ein lederhosener, hinterbayerischer Primitivakt, den man ja noch aus unseligen Strauß-Zeiten kennt.
    Nach meinem Empfinden, wird der durch die Vorkommnisse in der Ukraine wohl nur herbeigeredete "Schulterschluß" etwas zu häufig bemüht, wie mich auch die Art, ein bestimmtes Vokabular zu gebrauchen, stark an frühere Zeiten erinnert - unsäglich brutal - nie dagewesen
    menschenverachtend - i tak dalsche!
    Was Öl- und Gaspreise betrifft, würde ich gegenüber allen Sanktionsgebern einen strikten Lieferstop aussprechen !!!
    Sollen die sehen, wie sie sich - just in time - mit der selbst gewählten Situation arrangieren!
    Der in der DDR definierte VEP- oder EVP - Verbraucherendpreis - setzte sich aus den gemittelten Kosten aller Produzenten, plus einem
    vertretbaren Gewinn zusammen.
    Wo ist da das Problem ?

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 30. Juni 2022 00:49 pm

    Habt Ihr es mit bekommen, der Generalsekretär Genosse Biden zog die Jacke aus, alle anderen folgten artig und zeigten ihre weißen Hemden.
    Ja, der blonde Wuschelkopf betätigte sich sogar als Kellner. Offensichtlich seine wahre Berufung.
    Am meisten hat mich aber die sogenannte Opposition amüsiert. Da durfte eine begrenzten Anzahl von angeblichen Opponenten, vermutlich vom BVS handverlesen, und mit Polizeieskorte mit Bussen zum Protestplatz unweit des Hotels eskortiert, ihre mit kleineren Transparenten und wohl nicht zu laut ihre Ablehnung gegen den Gipfel G7 zum Ausdruck bringen. Die Herren Staatsoberhäupter werden von diesen Störenfrieden wohl nichts mitbekommen haben. Deren Versammlungsräume lagen zu dieser Zeit gerade auf der anderen Seite des Gebäudes.
    Diese sogenannten Protest-Aktivisten waren doch gekauft. Die machten genau das, was ihnen von der Behörde aufgetragen wurde.
    Niemand kam offensichtlich auf die Idee, vor das US-Generalkonsulat in München, Königstr. 5 zu ziehen.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 30. Juni 2022 01:32 pm

    "Anton Amler
    Veröffentlicht: 29. Juni 2022 10:46 pm

    Das ist ja wirklich der Gipfel der Gipfeln, wenn ein von sich selbst gewünschter "Kanzler in spe" bei einem Treffen zu Hause nur die Gäste, und nicht auch den Gastgeber begrüßt - halt wieder so ein lederhosener, hinterbayerischer Primitivakt, den man ja noch aus unseligen Strauß-Zeiten kennt."
    Ich mußte es zweimal lesen. Hab´s verstanden.
    Hast Recht!
    Eine als groß verkaufte Show, nach Ami-Vorbild - und dann ? Was kam raus an echten Ergebnissen? Heiße Luft oder Sauerkraut-Edelgas.
    Die bundesdeutschen Medien haben sich wirklich bemüht, diese Blamage zu kaschieren a´la Hollywood. Offensichtlich glaubt keiner so richtig an den Elmauer Rütli-Schwur.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 30. Juni 2022 07:43 pm

    Vor zwei Tagen sah ich einen Bericht, wo ein schneidiger Hauptmann einem eben so schneidigen Oberst Antworten durch Fragen in den Mund schob, die die schändlichen Vorgänge in der Ukraine betrafen .
    Besondere Betrachtung erfuhr dabei die Weizenproduktion, wo ein möglicher Totalausfall in der Ukraine gleich wieder als Zugewinn für Rußland hochgerechnet wurde.
    Ganz abgesehen davon, daß ein Oberst des Heeres ein Weizenfeld als mögliches Aufmarschgebiet einschätzen sollte, kommt der Ukraine auf Platz 7 im Ranking nicht wirklich eine bedeutende Einflußnahme auf die Welternährung, und durch seine bisherigen Exporte schon gar nicht auf den Hunger in Afrika, zu!
    Gerade lese ich, daß die künstlich erzeugte Weizenpreisblase zerplatzt.
    Europa und Rußland werden eine Überproduktion auf den Markt werfen, und problemfrei verteilen!
    Wenn Afrika hungert, dann nicht wegen eines Produktionsausfalls in der Ukraine!

  • Vogonendichter

    Veröffentlicht: 30. Juni 2022 13:42 pm

    Habt ihr mal nachgezählt beim Gipfel der Gipfel?
    Also ich hab 9! gezählt.
    Aber soweit wie ich weiss, hat die EU weder ein eigenens Gebiet oder BIP oder Wirtschaft oder Militär.
    Es ist gehört alles nur den Mitgliedern.
    Oder ist das nur ein Hinweis auf die Stellung der EU -> Befehlsempfänger der USA, ob man nun zur Nato gehört oder nicht.

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