Sicherheitsdienst FSB macht sich Gedanken um Militärgeheimnisse

Sicherheitsdienst FSB macht sich Gedanken um Militärgeheimnisse
 
Der russische Sicherheitsdienst FSB hat eine Liste von 60 Themenbereichen veröffentlicht, zu denen Ausländern keine Informationen übergeben werden dürfen.  Diese Liste betrifft sicherheitsrelevante Informationen aus dem militärischen Bereich.
 
 
Russland hat es in den letzten Jahrzehnten den Diensten der westlichen Staaten sehr leicht gemacht, Informationen aus dem militärischen Bereich zu sammeln. Liest man die angeblich zensierte russische Presse, so staunt man, was alles nicht zensiert, was alles veröffentlicht wird und wie schwatzhaft russische Beamte, Entscheidungsträger, Journalisten, Blogger und Politiker sind.
 
Ich selber bemühe mich seit langer Zeit darum, eine mobile Feldbäckereikompanie im Kaliningrader Gebiet besuchen zu dürfen. Keine Chance – sagte man mir – alles geheim. Und kaum das ich mich damit abgefunden habe, nicht filmen zu dürfen, wie die russische Armee in Kaliningrad Brot und Brötchen bäckt, lese ich im Internet interessante Details über die Struktur des gesamten Kaliningrader Militärkreises.
 
Prigoschin, Gründungsvater der privaten Wachgesellschaft „Wagner“, hat sich zum angeblichen Auftauchen der amerikanischen privaten Wachgesellschaft „Mozart“ in der Ukraine geäußert. „Wagner“ ist die größte und kampffähigste private Armee der Welt.  Egal, wie sich andere Organisationen nennen, sie werden nicht die Kraft und Möglichkeiten haben. Allerdings wird es immer Gegner in der Welt geben – das sei normal, meinte Prigoschin. Möglich, dass die Amerikaner den Ukrainern beibringen, moderne Technik zu bedienen. Aber ansonsten ist die ukrainische Armee besser, als irgendeine andere Armee in Westeuropa.
 
Auch wenn es den Interessen der Blogger widerspricht, die ja ständig auf der Jagd nach interessanten und sensationellen Informationen sind, wäre ich persönlich für ein totales Informationsverbot aus dem militärischen Bereich. Selbst die Information, dass es heute in der Kaserne 0815 Schnitzel mit Pilzen und Kartoffelbrei gegeben hat, würde ich als „Nur für den Dienstgebrauch“ einstufen und nicht zur Veröffentlichung freigeben. Zum Glück ist es den Armeeangehörigen nun schon verboten, sich in sozialen Netzwerken zu tummeln und allerhand Unfug dort zu veröffentlichen – so auch, was es heute zum Mittag in der Kaserne 0815 gab. Wenn der Westen seinen Krieg gegen Russland beendet, könnte man in ein paar Jahren darüber nachdenken, die Armee wieder ein wenig öffentlicher zu machen.
 
Es mag sein, dass man z.B. in Deutschland bestimmte Dinge ungestraft tun darf. In Russland ist dies anders und man reagiert jetzt empfindlicher. Hört oder liest man Gespräche von Deutschen, wie sie sich klug und pfiffig verhalten und die Russen ausgetrickst haben, ist es schon verwunderlich, wie lange Russland sich alles das hat gefallen lassen.
 
Polen hat dem russischen Außenminister Lawrow die Teilnahme an einem Außenministertreffen der OSZE-Staaten verwehrt. Dies wird Lawrow keine Kopfschmerzen verursachen, aber der Organisation zum Schaden gereichen – so Dmitri Peskow, der Pressesprecher des Kremls. In ihrer 28jährigen Geschichte hat es so einen Vorfall bisher niemals gegeben. Polen erklärte das Teilnahmeverbot mit der Sanktionsliste der Europäischen Union.
 
Es ist schon viele Jahre her, wo mir ein Deutscher stolz die Fotos zeigte, die er aus dem Fenster eines Privatflugzeuges gemacht hatte. Es zeigte militärische Einrichtungen und Militärtechnik. Unklar, dass es Flugzeugen überhaupt gestattet wurde, über solchen Objekten in niedriger Höhe zu fliegen. Der stolze Deutsche hatte keinerlei Unrechtsbewusstsein. Ist ja nur Russentechnik – mag er gedacht haben. Wenn aber solche tollen ausländischen Touristen von den „zuständigen Genossen“ zu einem Gespräch gebeten werden, dann sind sie in Deutschland die wahren Helden … da gibt es was zu erzählen … wie man diesen Russen, diesem KGB beigebracht hat, was Informationsfreiheit ist … Ich hatte mehrmals die Möglichkeit Erzählungen solcher Helden zu lauschen.
 
Die jetzt veröffentlichte Liste mit verbotenen Themen betrifft allerdings in erster Linie die russischen Bürger selber, die ihr Mitteilungsbedürfnis gegenüber Ausländern nun zügeln müssen, wenn sie sich nicht strafbar machen wollen. Aber auch Schwatzhaftigkeit unter russischen Bürgern selber, dürfte in der heutigen Zeit die Aufmerksamkeit der „zuständigen Genossen“ erregen. Somit gilt der alte Spruch: „Reden ist Blech, Schweigen ist Platin.“
 
Russland wird die Ermordung von 11 russischen Gefangenen in der Ukraine mit eigenen Möglichkeiten untersuchen – erklärte Dmitri Peskow, der Pressesprecher des Kremls. Das Video, welches im Internet verfügbar ist, wurde der UNO übergeben. Man werde sich nur um internationale Untersuchung bemühen, wenn es ernsthafte Anzeichen für eine ehrliche Ermittlung gäbe. Das Video zeigt russische Soldaten, die sich vor einem Gebäude auf den Boden legen mussten und dann mit einem Maschinengewehr erschossen worden. Der Mord wurde von einer Drohne der Mörder gefilmt.
 
Die vom FSB erarbeitete Liste mit 60 Punkten ist in russischer Sprache. Ein Ausländer, der diese Sprache nicht beherrscht, wird also diese Liste nicht beachten können.
 
Genau so, wie z.B. ein Ausländer auch das Fotoverbot an der Kaliningrader Adresse Sowjetski-Prospekt Haus 3 nicht einhalten wird, denn das Gebäude ist schön und das Fotoverbot nur in russischer Sprache. Ein Ausländer kann es nicht lesen und somit nicht beachten. Bushaltestellen werden in Kaliningrad zweisprachig ausgeschildert. Hinweisschilder zur Einhaltung russischer Gesetze nur in der Landessprache – so, als ob Ausländer unsere Gesetze nicht einhalten brauchen.
 
Dem Ausländer, der nur eine angenehme Zeit in Russland erleben will, empfehle ich im Zweifelsfall, ob er darf oder nicht darf, einfach nur seinem Bauchgefühl zu folgen und notfalls zu entscheiden, dass er nicht darf.
 
 
 
 
 
 
Russland hat nicht die Absicht, die Machthaber in der Ukraine zu stürzen, erklärte Dmitri Peskow, Pressesprecher des Kremls. Er reagierte damit auf Äußerungen eines russischen Duma-Abgeordneten der erklärt hatte, dass sich das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine, nach einem Wechsel der Machthaber, verbessern wird.
 
Derjenige, der sich mit der Liste vertraut machen möchte, kann die Internetseite des russischen Sicherheitsdienstes aufrufen und unter folgendem Link nachlesen, was ab 1. Dezember 2022 in ganz Russland verboten ist:
 
 
Läuft man heute durch die Stadt Kaliningrad oder macht einen Spaziergang irgendwo im Gebiet, so stellt man fest, dass Geheimnisschutz klein geschrieben wird. Natürlich fallen bestimmte Dinge einem Touristen nicht auf, der echte Tourist interessiert sich auch gar nicht dafür. Aber es geht ja um Leute, die mit einem gewissen Sachverstand und einem Informationsbedürfnis die Stadt und das Gebiet bereisen. Und hier ist es verdammt einfach, Informationen zu sammeln.
 
Natürlich kann man eine Kaserne nicht so tarnen, dass sie wie ein Kindergarten aussieht – obwohl, in der Ukraine klappt das sehr gut. Allerdings funktioniert es dort umgekehrt: Aus Kindergärten werden Kasernen.
 
Es wird keine zweite Mobilmachungskampagne geben – erklärte der Kremlsprecher Peskow. Er ergänzte, dass er natürlich nicht im Namen des Verteidigungsministeriums sprechen kann. Am 31. Oktober wurde die Teilmobilmachung beendet. 318.000 Reservisten wurden eingezogen. Die Übererfüllung resultiert aus der hohen Freiwilligenquote.
 
Aber ich stelle mir die Frage, warum am Tor einer Kaserne auf einer großen roten Informationstafel die verschlüsselte Nummer des Truppenteils steht, welchem Ministerium dieses Objekt gehört und warum am Tor häufig die Symbolik der Waffengattung der Truppen hängt, die dort untergebracht sind. Waffenstolz hin, Waffenstolz her – aber Sicherheit sollte an erster Stelle stehen.
 
Derjenige, der gezielt Informationen sammelt, erfährt problemlos, dass in der Kaserne eine Panzer-, Artillerie- oder Pioniereinheit untergebracht ist. Die Nummer des Truppenteils sagt eigentlich direkt nichts aus. Sie ist schon die Verschlüsselung der eigentlichen Struktur-Einheitsbezeichnung. Aber an anderer Stelle erhalten ausländische Dienste vielleicht diese Liste mit Nummern und deren dechiffrierter Bezeichnung und wissen genau, wer und was sich nun in Kaliningrad befindet. Diese Tafeln befinden sich sogar an schmucken Häusern, kleinen und weniger kleineren, wo man eigentlich denkt, dass es Wohnhäuser sind. Der „interessierte Reisende“ erfährt aber, dass das Gebäude dem Verteidigungsministerium gehört und kann sich weitere Gedanken machen, wer da drin wohl arbeitet.
 
Eine Tafel „Sicherheitsobjekt. Fotografieren verboten“, würde eigentlich an Kasernen ausreichen. An anderen Gebäuden sollte gar keine Tafel hängen. Selbst die Information, dass es sich um eine Kaserne der Armee handelt und nicht der RosGarde oder des Innenministeriums, ist überflüssig. Für wen sind diese Informationstafeln am Kaserneneingang bestimmt? Für den Fahrer des Kommandeurs, damit er die Dienststelle nicht verwechselt?
 
Die Organisation „Wagner“ hat im Krai Perm eine Ausschreibung gestartet. Gesucht werden qualifizierte Ärzte für einen Einsatz in medizinischen Einrichtungen in der sogenannten „Roten Zone“. Interessierte müssen sich innerhalb von zehn bewerben. Benötigt werden die Ärzte für einen Monat. Gezahlt werden Gehälter zwischen 250.000-500.000 Rubel. Die Altersbegrenzung wird mit 30-50 Jahre angegeben. Beste körperliche Konfiguration ist Grundvoraussetzung. Gesucht werden Narkoseärzte, Chirurgen, Feldscher, Krankenschwestern, Technikspezialisten für medizinische Ausrüstung und Fahrer von Krankenwagen sowie Sanitäter.
 
Dann gibt es in Kaliningrad Gebiete, deren Betreten für Ausländer verboten ist. Man braucht hierfür eine Genehmigung des FSB. Aber wer kontrolliert die Personen, die sich in diesen Gebieten aufhalten? Seit ich russischer Staatsbürger bin, spazierte ich mehrmals in einem dieser Gebiete. Es gibt dort große Grundstücke mit alten Apfel- und anderen Obstbäumen. Niemand kümmert sich darum. Und so sammle ich dort ab und zu meinen persönlichen Obstbedarf. Und ich sammle optische Eindrücke und sehe, wie einfach es ist, Informationen über gewisse Strukturen und Einrichtungen zu erhalten. Überall gibt es ein Adressenschild und der Interessierte erfährt, dass es sich um eine militärische Einrichtung handelt, auch wenn diese nur einen Quadratmeter groß ist. Ordnung muss sein – auch und gerade in der russischen Armee. Zwischen diesen einzelnen Quadratmetern eine Linie gezogen, ergibt sicherlich eine aussagekräftige Zeichnung.
 
Der russische Präsident Putin hat ein Gesetz unterzeichnet, welches die Teilnehmer an der Militäroperation in der Ukraine von der Einkommenssteuer und den Sozialabgaben befreit. Nutznießer sind nicht nur die Vertragssoldaten, sondern auch die Mobilisierten, sowie Freiwillige. Befreit von den Steuerzahlungen werden weiterhin die Familienangehörigen der in der Ukraine Eingesetzten. Die Steuerbefreiung gilt rückwirkend ab 1. Januar.
 
Es gibt auch andere Bestimmungen in Kaliningrad, die die Sicherheit betreffen. Persönlich habe ich den Eindruck, als ob diese eine reine Formalität sind. Sie existieren, aber keiner kontrolliert deren Einhaltung. Als Beispiel sei einfach nur die Stadt Baltisk erwähnt, für deren Besuch man eine Genehmigung braucht. Aber am Stadtrand kontrolliert niemand.
 
Wir befinden uns im Krieg mit der NATO. Da sollte man sich schon Gedanken um die Sicherheitsstruktur in der empfindlichsten Region Russlands machen.
 
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Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihr Interesse. Tschüss und Poka aus Kaliningrad.
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