Sonderzone „Baltiskaja Kosa“ im Kaliningrader Gebiet

Sonderzone „Baltiskaja Kosa“ im Kaliningrader Gebiet

 

Die Sonderzone „Baltiskaja Kosa“ stand in den letzten Tagen im Zentrum der Berichterstattung Kaliningrader Medien.  Der Besitzer der Immobilie „Neutief“, einer altdeutschen Militäranlage im baufälligen Zustand, hatte sich entschlossen, diese abzureißen. Welche weiteren Pläne der Besitzer hat, wurde bisher nicht bekannt.

 

 

Die Anlage „Neutief“ wurde auf Weisung des deutschen Kriegsverbrechers Göring im Jahre 1938 auf der „Frischen Nehrung“, dem heutigen „Baltiskaja Kosa“ errichtet. Hier wurden Militärflugzeuge stationiert, die während des Zweiten Weltkrieges an den Angriffshandlungen gegen die Sowjetunion, vorrangig auf Wasserziele, teilnahmen.

Nach dem Ende des Krieges wurde die Basis durch die Rote Armee genutzt, um hier Flugzeuge instand zu setzen. Seit rund 20 Jahren wird die Immobilie nicht mehr genutzt. Der jetzige Besitzer ist eine Privatperson.

Bereits vor einigen Monaten hatte der Besitzer der Immobilie mit Demontagearbeiten begonnen, um einerseits mögliche Einstürze und Unfälle zu verhindern und andererseits wohl Baufreiheit für seine neuen Pläne zu schaffen. Diese Aktivitäten wurden vorläufig durch die Gebietsregierung gestoppt, da es öffentliche Proteste gab und diese Protestierer meinten, dass der Abriss ungesetzlich erfolgte.

Eine Prüfung ergab, dass der Abriss eine Angelegenheit des Besitzers ist und keinerlei staatlicher Genehmigungen bedarf. Der gesamte Komplex steht nicht unter Denkmalschutz.

Nun begannen Aktivisten gegen die schnell angelaufenen Abrissarbeiten zu protestieren. Sie organisierten eine Internet-Petition zum Erhalt der Ruinen der Militäranlage und am vergangenen Wochenende führten sie auf dem Privatgelände eine ungenehmigte Demonstration durch. Auf einem Plakat forderten sie den Kaliningrader Gouverneur auf, die Ruinen vor einem weiteren Abriss zu schützen

 

Foto: Nicht genehmigtes Meeting vor der einsturzgefährdeten Flugzeughalle auf Privatgelände
 
Auch vor dem Gebäude der Kaliningrader Gebietsregierung in der Donskowo 1 kam es zu einem Ein-Mann-Protest.
 
Foto: Protest gegen den Abriss der Ruinen einer Wehrmachtskaserne
 
Organisator der Protestaktionen zum Erhalt einer exWehrmachtsimmobilie ist ein Kaliningrader Bürger, der vor einigen Jahren dadurch bekannt wurde, dass er am 9. Mai, dem Tag des Sieges, nicht Blumen an einem Memorial für gefallene Sowjetsoldaten niederlegte, sondern an einem Denkmal für Wehrmachtssoldaten. Dies führte zu einem großen Skandal innerhalb der Partei „Jabloko“, dessen Mitglied er ist.
 
Die Aktivisten fürchten um ein Ausbleiben der Touristen, bei denen der Anblick von Wehrmachtsimmobilien und Immobilien des Dritten Reiches, ein Ameisenkribbeln entlang der Wirbelsäule auslöst.
 
Von deutschen Touristen kann allerdings keine Rede sein, denn denen, sowie allen anderen ausländischen Touristen, ja sogar Bürgern der GUS-Staatengemeinschaft, sogar Kasachen und Weißrussen, ist es verboten, das Gebiet „Baltiskaja Kosa“ zu betreten, denn es ist Sonderzone. Wer diese ohne Genehmigung betritt, macht sich strafbar.
 

Will ein Ausländer diesen Bereich, der zukünftig wieder durch die russische Armee genutzt wird, betreten, so bedarf er einer Genehmigung durch den russischen Sicherheitsdienst FSB. Hierzu muss ein, im Kaliningrader Gebiet lebender und registrierter russischer Bürger eine Einladung aussprechen und das Gesuch schreiben. Im Gesuch müssen nachvollziehbare Gründe für den Besuch der Zone genannt werden. Erfolgt eine Genehmigung, so kann der Ausländer das Gebiet, in ständiger Begleitung des einladenden russischen Bürgers, der für ihn und seine Handlungen Verantwortung trägt, besuchen.

Somit sind die Befürchtungen über einen Schwund des Tourismus durch ausländische Touristen unbegründet, denn diese gibt es nicht. Für russische Touristen gibt es genügend andere Möglichkeiten, sich mit der Historie des Gebietes vertraut zu machen. Einsturzgefährdete Hanger, die an sich keinerlei Sehenswürdigkeiten darstellen, sind kein Besuchsziel.

Der schon genannte russische Aktivist kommentierte, dass das Ausbleiben von Touristen die örtlichen Bewohner in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen wird, denn diese haben den Touristen Stullen verkauft und Fahrräder ausgeliehen.

Da in Kürze die russische Armee dieses Gebiet wieder aktiv nutzen wird, werden dann diese örtlichen Bewohner sicherlich die Möglichkeit haben über den Bedarf der Armee ihren Lebensunterhalt zu verdienen – vermutlich wohl nicht mit Stullen und Fahrrädern.

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