Sozialbetrüger haben es immer schwerer in Kaliningrad

Sozialbetrüger haben es immer schwerer in Kaliningrad

 

Wie soll man die Arbeitgeber bezeichnen, die Mitarbeiter einstellen, diese überreden, für „Arbeitslohn im Umschlag“ zu arbeiten, damit der Arbeitgeber die Sozialkosten spart. Diese Arbeitgeber sind für mich Sozialbetrüger – und zwar in doppelter Hinsicht.

In Russland regelt die Gesetzgebung, dass der Arbeitgeber vollständig die Beiträge zur Sozialversicherung, also Renten- und Krankenversicherung zu bezahlen hat. Der Arbeitnehmer zahlt von seinem Gehalt nur den Einheitssteuersatz von 13 Prozent, egal wie hoch oder niedrig sein Gehalt ist.

 

 

Um diese „Nebenkosten“ zu optimieren und somit den persönlichen Gewinn zu steigern, ist es gängige Praxis, die Arbeitnehmer zu überreden, einen offiziellen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, in dem vereinbart wird, dass sie nur den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Von diesem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt dann der Arbeitgeber die Sozialabgaben – letztendlich Kopeken und der Arbeitnehmer seine 13 Prozent Lohnsteuer. Der „Rest“, in der Regel 70 Prozent des Gesamtlohnes, erhält der Arbeitnehmer im Umschlag – befreit von Lohnsteuer und Sozialabgaben.

Neueste Umfragen haben ergeben, dass kaum ein russischer Arbeitnehmer Rücklagen für die Rente bildet – wozu auch? Die Rente ist noch weit und wenn es denn soweit ist, dann zahlt ja der Staat die Rente. Aber der Staat zahlt nur das aus, was der Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer einbezahlt hat und so ist das Jammern, häufig effektvoll vor westlichen Kameras, groß, über die kleine Rente die der Staat zahlt, obwohl man doch sein ganzes Leben lang geschuftet hat.

Dies ist der erste Teil des Sozialbetruges durch die Arbeitgeber. Er betrifft den konkreten Arbeitnehmer, der häufig in Ermangelung notwendiger Kenntnisse nicht merkt, wie er von seinem Arbeitgeber um eine angemessene Altersversorgung betrogen wird.

Der zweite Teil des Sozialbetruges dieser Arbeitgeber besteht darin, dass er die gesamte Gesellschaft betrügt, denn die einbezahlten Gelder werden genutzt, um das Sozial- und Gesundheitssystem in Russland zu entwickeln. Und entwickelt werden kann nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Finanzmittel. Da der Arbeitgeber die Sozialabgaben durch Zahlung von Schwarzgeld optimiert, wachsen die Gewinne für ihn persönlich, aber der Staat verfügt nicht über ausreichende Mittel für die Lösung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben im Sozialbereich.

Und so erhalten westliche Kamerateams sehr leicht Filmobjekte von heruntergekommenen Krankenhäusern, schlechter Ausstattung medizinischer Einrichtungen, fehlender Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten. Und vielleicht bekommen diese westlichen Journalisten sogar einen der Sozialbetrugs-Unternehmer vor die Kamera, der sich effektvoll über die schlechte Arbeit des russischen Staates im Sozialbereich beschwert.

Kaliningrad macht in diesem gesamtrussischen Übel, welches durch die russische Gesetzgebung eher als Kavaliersdelikt bestraft wird, keine Ausnahme. Aber der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow hat diesen Sozialbetrügern den Kampf angesagt.

Es gibt eine Hotline, wo Bürger, oder aber auch unzufriedene Arbeitnehmer, entlassene Arbeitnehmer, bestrafte Arbeitnehmer die Möglichkeit haben über Schwarzgeldzahlungen in Firmen zu informieren. Eine spezielle Arbeitsgruppe beginnt dann Fakten und Beweise zusammenzutragen. Und irgendwann steht die Steuerinspektion vor der Tür.

Von Zeit zu Zeit meldet das liberale Informationsportal „rugrad.eu“ über den aktuellen Stand der Dinge und da ist man schon erstaunt, welche Firmen an ihren Mitarbeitern und der Gesellschaft Sozialbetrug begehen.

Bisher liegen 300 Meldungen vor – so meldet es das Portal der Kaliningrader Gebietsregierung.

Zu denen, die Schwarzgeld zahlen, gehört die Aktiengesellschaft „Moloko“, eine sehr große, sehr bekannte Firma zur Herstellung von Milcherzeugnissen. Deren Direktor will in Kaliningrad im zweiten Bauabschnitt des Fischdorfes ein großes Russisches Museum bauen – also sich ein Denkmal setzen, vermutlich mit den eingesparten Beiträgen zur Sozialversicherung.

Zu den Schwarzgeldzahlern gehören auch die Wursthersteller „Kaliningrader Delikatessen“ – dessen Inhaber Mitglied des Vorstandes der Assoziation ausländischer Investoren in Kaliningrad ist.

Und eine GmbH „Baltika-Sowjetsk“ steht am Pranger. Mitinhaber dieser Firma ist ein Abgeordneter der Kaliningrader Gebietsduma – also des Organs der Volksvertretung, welches darauf zu achten hat, dass es dem Volk gut geht.

Und so kann man die Liste noch fortsetzen. Schade, des es in Russland keine Steuerpolizei gibt und Steuer- und Sozialbetrug in Russland nicht in einem Maße bestraft werden, wie es gegenwärtig notwendig wäre.

Veteranen würden wohl sagen: „Unter Stalin wäre dies nicht passiert.“ Ja, dem ist wohl so, nur mit dem Unterschied, dass es zu Stalins Zeiten keine Privatunternehmer gab.

Für die Firmen, die der Schwarzgeldzahlung überführt sind, sieht die gegenwärtige Kaliningrader Praxis vor, dass diese keinerlei Staatsaufträge mehr erhalten, also auf einer schwarzen Liste landen. Das beeindruckt vermutlich die Firmen, die Straßen bauen und Dienstgebäude instand setzen. Aber die Hersteller von Milch und Wurst? Die schaffen dann wohl schnell eine neue Firma als Zwischenhändler mit einem Mitarbeiter, der natürlich ein ehrliches Gehalt erhält und diese Firma beliefert dann die staatlichen Strukturen

Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung