Steuerparadies Russland für Selbstbeschäftigte

Steuerparadies Russland für Selbstbeschäftigte

 

Wieder gibt es einen neuen Begriff in der russischen Steuergesetzgebung – der Selbstbeschäftigte, nicht zu verwechseln mit dem Einzelunternehmer. Beide Begriffe haben aber eins gemeinsam – sie befinden sich im russischen Steuerparadies.

 

 

Russland ist ein Steuerparadies – auch wenn die Russen selbst dies ständig bestreiten und meinen, der Staat presst das letzte Geld aus ihnen heraus. Diese Meinung können aber nur die Russen haben, die die Steuersysteme anderer Länder, insbesondere der entwickelten Länder der Europäischen Union nicht kennen.

Russland hat einen Einheitssteuersatz von 13 Prozent. Alle angestellten Mitarbeiter haben diesen zu bezahlen, egal, wie hoch das Gehalt ist. Es gibt also keine progressive Besteuerung. Dann gibt es noch die Sozialabgaben. Diese Kosten übernimmt aber der Arbeitgeber in vollem Umfang. Natürlich versuchen die weniger verantwortlichen Arbeitgeber in Russland – und davon gibt es leider noch viel zu viele – diese Kosten zu optimieren. Und häufig – leider – erklären sich die Arbeitnehmer damit auch einverstanden, denn wenn sie sich offiziell mit dem Mindestlohn von gegenwärtig rund 12.300 Rubel einverstanden erklären und den Rest im Umschlag, also als Schwarzgeld erhalten, so bezahlen sie natürlich auch nur auf die 12.300 Rubel die genannten 13 Prozent Steuern. Aber auch der Arbeitgeber bezahlt in die Sozialkassen, also die Renten- und Krankenversicherung nur den festgelegten Prozentsatz auf den offiziellen Mindestlohn. Das böse Erwachen kommt dann für den Arbeitnehmer, wenn er seine Rente beantragt und trotzdem er vierzig Jahre und mehr gearbeitet hat, nur die Mindestrente erhält – logisch, denn er hat ja auch sein ganzes Leben immer nur den Mindestlohn erhalten.

Aber es gibt auch Personen, die nicht als Angestellte arbeiten, aber auch keine große, komplizierte Firma gründen wollen. Diese nennen sich Einzelunternehmer oder auch Individuelle Unternehmer. Diese können zwischen zwei Besteuerungsmöglichkeiten wählen: Entweder 6 Prozent Steuern auf die Einnahmen oder 15 Prozent auf den Gewinn. Die anfallenden Pflichtabgaben zur Sozialversicherung, können sofort von den zu zahlenden Steuern im vollen Umfang abgezogen werden.

Und nun gibt es den neuen Begriff der Selbstbeschäftigten. Der Unterschied zum o.g. Einzel- oder Individualunternehmer besteht darin, dass der Selbstbeschäftigte eben nur selbst arbeiten kann und keinerlei Angestellte haben darf. Sein Jahreseinkommen darf 2,4 Mio. Rubel nicht überschreiten. Somit ist klar, dass es hier um einen relativ speziellen Bereich geht – Haushaltshilfe, Friseure, Nachhilfelehrer, Kinder- und Altenbetreuung.

Diese arbeiten bisher in der Mehrzahl schwarz. Das Problem ist aber auch, dass diese Personen häufig nicht an die Zukunft denken, nicht an die Zeit der Rente. Sie arbeiten und zahlen nirgendwo ein und somit erhalten sie auch keine Rente – im besten Falle erhalten sie eine Sozialrente ab dem 65 Lebensjahr.

Der russische Staat will dieser Altersarmut nun mit diesen neuen Festlegungen Einhalt gebieten und zumindest eine gewisse Grundsicherung gewährleisten.

So wurde vor rund einem Jahr das Steuerexperiment „Selbstbeschäftigte“ in vier Regionen gestartet. Ab 1. Januar 2020 sind nun weitere 19 Regionen hinzugekommen. Und den russischen Medien ist zu entnehmen, dass wohl zu Mitte des Jahres diese Rechtsform in ganz Russland eingeführt wird – schneller, wesentlich schneller, als ursprünglich geplant. Ursprünglich war das Experiment für die Dauer von zehn Jahren geplant.

Wer also zukünftig auf gesetzlicher Grundlage arbeiten will, muss sein Gewerbe anmelden und dafür Steuern bezahlen, erhält aber im Gegenzug die staatliche Absicherung. Meldet sich die Person als Privatperson bei der Steuerinspektion für ein Gewerbe an, so sind vier Prozent an Steuern auf die Einnahmen fällig. Meldet man sich als juristische Person an, sind sechs Prozent zu zahlen.

Und wenn man dieser Zahlen hört, so kann man wohl getrost vom Steuerparadies Russland sprechen.

Erstmals wurde der Begriff „Selbstbeschäftigter“ im Jahre 2017 eingeführt. 936 Personen registrierten sich im Verlaufe des Jahres bei den Steuerbehörden. Eine verschwindet geringe Zahl, wenn man weiß, dass in Russland rund 25 Millionen Menschen ohne Verträge, also Schwarz arbeiten.

 

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