Ungeduldige Russen – immer weniger beachten die Regeln der Selbstisolierung

Ungeduldige Russen – immer weniger beachten die Regeln der Selbstisolierung

 

Wenn es keine sichtbaren, negativen Resultate gäbe, so könnte man verstehen, dass die Bevölkerung in einschränkenden Maßnahmen keinen Sinn sieht und somit ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Aber es gibt sichtbare negative Resultate. Aber diese hinterlassen keinen Eindruck.

 

 

Eigentlich hat Russland alles unternommen, was man unternehmen kann, um erfolgreich gegen die Verbreitung des Corona-Virus anzugehen. Einerseits bestätigt dies die Weltgesundheitsorganisation mit ihrem Vertreter vor Ort in Russland und andererseits wird dies einfach durch den gesunden Menschenverstand bestätigt, der sieht und liest, welche Maßnahmen angeordnet werden.

Aber das Anordnen von Maßnahmen ist eine Seite. Diese müssen auch durchgesetzt werden – wenn nötig, mit staatlicher Gewalt. Davor scheut man sich aber wohl in Russland. Vermutlich hat man unnötigen Respekt vor einer zügellosen Volksmeinung. Aber wenn die Entwicklung in Russland so weitergeht, wie in den letzten Tagen – und leider gibt es nichts, was dem widerspricht – so wird es dazu kommen, dass das Volk, welches jetzt die Unentschlossenheit des Staates gnadenlos ausnutzt und die Disziplin der Selbstisolierung verletzt, zügellos die Unfähigkeit des Staates kritisieren wird – denn Schuld am Elend Russlands ist natürlich der Staat und nicht das undisziplinierte Volk.

Erhebungen, vom Informationsportal RBK veröffentlicht, zeigen, dass weniger als die Hälfte des Volkes die einschränkenden Maßnahmen unterstützt. Mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte ist bereit zu erkranken und zu sterben. Fast möchte man sagen: Russland, ein Land potenzieller Selbstmörder.

Am 24. April wurde online eine Umfrage unter 1.000 BürgerInnen durchgeführt. Während noch im März 62 Prozent die einschränkenden Maßnahmen unterstützten, waren es jetzt nur noch 47 Prozent – eine Entwicklung, die für einen normal denkenden Menschen überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Russland veröffentlicht alle Zahlen zu Erkrankungen und zu Sterbefällen. Dass müsste doch eigentlich die Anzahl der Befürworter einer strengen Selbstisolierung nach oben treiben, verständnisvoll nach oben treiben.

Aber dabei bleibt es nicht. Auch die Kontrollen, die der Staat zur Einhaltung der erlassenen einschränkenden Maßnahmen durchführt, finden immer weniger Unterstützung. Waren mit diesen Kontrollen im März noch 39 Prozent einverstanden, so sind es jetzt nur noch 28 Prozent. Und natürlich hat sich die Anzahl derer verringert, die mit den verhängten Verwaltungsstrafen einverstanden sind: von 38 auf 27 Prozent.

 

 

Trotzdem täglich über alle Informationskanäle die aktuelle Entwicklung und die traurigen Zahlen verbreitet werden, glauben 10 Prozent aller Befragten, dass die einschränkenden Maßnahmen im Mai aufgehoben werden. 29 Prozent aller Befragten glauben, dass der Spuk im Juni vorbei ist. Weitere 16 Prozent sind der Meinung, dass alles wieder seinen normalen Gang im Juli gehen wird. Immerhin 11 Prozent realisieren, dass man sich mit der Normalisierung der Lage mindestens ein halbes Jahr beschäftigen werde.

 

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Kommentare ( 3 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 6. Mai 2020 16:57 pm

    Ist aber m.E. nachvollziehbar. In Deutschland sind auch insbesondere diejenigen gegen die Maßnahmen, welche direkt darunter leiden (bedeutende Einkommensverluste, Arbeitslosigkeit, Existenzängste). Da hier aber das Sicherungsnetz nun wirklich sehr breit gespannt ist und auf hohem Niveau, hält sich die Anzahl dieser Menschen im Rahmen. In Russland ist das nun aber nicht der Fall (Entlassungen, Einkommensverluste im großen Maßstab etc.). Ähnlich ist es ja in den USA.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 6. Mai 2020 17:01

      ... konnte ich Sie mit meinen vorherigen Beiträgen nicht davon überzeugen, dass der Staat sehr viel tut, um gerade die einfachen Bürger (Arbeitnehmer) sozial zu versorgen? So groß sind die Verluste gegenwärtig nicht ... glauben Sie nicht alles, was Ihnen deutsche Medien vermitteln, die gerne mit sehr gründlich gesuchten Personen in Russland Negativgespräche führen. Als in Russland die Situation noch besser war, wurde so gut wie nichts berichtet. Jetzt sonnen sich die deutschen Journalisten bei ihren Mitteilungen über "Opferzahlen" und das große Elend ...

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 6. Mai 2020 17:19 pm

    @UEN
    Da denke ich eher haben sie die rosarote Brille auf. Der Zar verteilt Urlaubstage, die Unternehmen sollen zahlen, sehr viel können aber nicht (was logisch ist). Das was verteilt wird ist in Relation minimal, beim Mittelstand wird kaum viel ankommen. Dazu kommt der enorme Anteil an Schwarzarbeit (da mag man jetzt sagen selbst Schuld - aber die Größenordnungen haben auch ihre Gründe). Das Geld fehlt aber. Dann gibt es einmal Moskau, St. Petersburg, meinetwegen auch Kaliningrad ... in der Fläche mag ich aber nicht wissen wollen, was dort abläuft (Moskau ist weit). Und ich denke nicht, dass sich die Journalisten in Opferzahlen sonnen. Sie kommen nur ihrem Informationsauftrag nach. Und die Situation ist schon sehr dramatisch und das Ende ist noch lange nicht in Sicht (über USA und z.B. GB wird ebenso kritisch berichtet) . Alleine wieviel Infektionen China nachträglich bei Rückkehrern feststellt werden (die in Russland nicht festgestellt wurden), ist erheblich.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 6. Mai 2020 17:25

      ... ich habe zwar eine Brille, aber die ist weder rosa noch rot. Ich sehe und höre und lese all das, was hier vor Ort passiert. Und das vermittle ich. Ich sehe und höre auch das, was die deutschen Medien verbreiten und sehe, wie bewusst subjektiv und tendenziös berichtet wird. Aber letztendlich bemerke ich auch eine andere Tendenz in meinem Bekanntenkreis, wenn ich mich über dieses Thema unterhalte: Es ist den Russen schon längst egal, was die Deutschen unter sich über Russland verbreiten. "Davon wird uns nicht heiß und nicht kalt", - lautet ein russisches Sprichwort. Und ich bin übrigens auch schon langsam müde, diese ewige deutsche Besserwisserei und Mießmacherei zu kommentieren ... Ich weiß wie ich und mein Umfeld lebt und das reicht mir ... was Ihr in Deutschland denkt und sagt ... Wie hat mein verstorbener Vater immer gesagt: "Es gibt einen guten Spruch auf Erden, du musst bedeutend ruhiger werden."

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 9. Mai 2020 19:54 pm

    Ehrlich gesagt, ich kann wirklich eines nicht verstehen, wie man ernsthafterweise (?) noch an die Seriosität deutschsprachiger Medienkorrespondenten glauben kann, die aus oder über Rußland und auch andere angeblich mißliebige Länder berichten. Als Journalisten möchte ich diese Personen keineswegs bezeichnen. Dazu berichten sie viel zu unseriös mit Mitteln der Lüge, der Weglassung, der Hinzufügungen .... Es sind nicht nur diese Leute von den Ö/R aus der BRD, auch aus Österreich und der Schweiz kommt dieses falsche Gelaber.
    Für "Journalisten" gibt es so etwas Grundsätzliches wie eine Wahrheitspflicht. Wohl aus Gründen der persönlichen Arterhaltung müssen sie aber das "berichten", was von ihnen verlangt wird.
    Das scheint aber auch bei anderen ähnlichen Branchen so zu sein. Ich habe mich jahrelang über den Quatsch aufgeregt, den ein Prof. (Un)- Sinn vom Ifo-Institut öffentlich verkündete. Nachdem er dann pensioniert war aus Altergründen, könne er nun auch die Wahrheiten aussprechen.

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