USA erklären, was Propaganda ist, insbesondere Russland-Propaganda

USA erklären, was Propaganda ist, insbesondere Russland-Propaganda
 
Weltweit werden Begriffe unterschiedlich definiert und deren Inhalte auch unterschiedlich verstanden. So verhält es sich auch mit dem Begriff Propaganda. Der Vorteil des Westens besteht darin, dass man wohlklingendere eigene Begriffe für die Dinge hat, die man bei den östlichen „Partnern“ gerne kritisiert. Und somit ist dem westlichen Bequem-Bürger klar, dass Propaganda Diktatur und Publicity Demokratie ist.
 
 
Bei der Erarbeitung des Beitrages fiel mir sofort ein sowjetischer Klassiker ein, über den man geteilter Meinung sein kann, aber bestimmte Aussagen von ihm treffen den Nagel auf den Kopf:
 
 
Stalin meinte damit, dass die USA nur die Demokratie akzeptieren, die ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Alles andere ist somit undemokratisch.
 
Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Propaganda“. Im Westen gibt es keine Propaganda, außer der, die die Russen dort organisieren. Das, was der Westen macht ist Publicity, Public Relations … wie melodisch doch diese Worte klingen, gar nicht aggressiv oder negativ – stimmts?
 
Alexej Saizew, ein hochgestellter Beamter im russischen Außenministerium, kommentierte am Donnerstag, nachdem die USA ihre Definition zur russischen Propaganda in den USA veröffentlicht hatten, sinngemäß:
 
„Washington kritisiert sämtliche Informationsquellen, die alternative Meinungen verbreiten und die nicht mit der Meinung der USA übereinstimmen …“
 
Ziel ist die weitere Verleumdung Russlands – so der russische Beamte.
 
Wobei mir nicht ganz klar ist, warum sich Russland darüber aufregt und sogar noch Zeit findet, derartige Publicity zu kommentieren.
 
Russland vermutet, dass die US-Veröffentlichung dazu dienen soll, russische Medien, die in den USA arbeiten, in ihren Freiheiten weiter einzuschränken und Berichterstattungen zu erschweren.
 
Na und? Leben ist doch Geben und Nehmen und die Vergangenheit zeigt doch, dass Russland den Amerikanern nichts schuldig bleibt. Und wenn die USA die Arbeit russischer Medien in den USA einschränken, dann tut Russland dies auch mit den US-Medien die in Russland tätig sind. Worin besteht da das Problem?
 
Videoeinspielung: Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten, im Interview
 
Aber schauen wir mal kurz auf die Punkte, die die USA als Russenpropaganda definieren und für schädlich befinden.
 
Das US-Dokument trägt die Bezeichnung:
 
Eckpfeiler des russischen Desinformations- und Propagandasystem“.
 
Eine geschickte Überschrift, die dem Leser sofort suggeriert, dass es sich bei der russischen Propaganda um Desinformation handelt. Doppelt genäht hält eben besser.
 
Die USA haben fünf Säulen der russischen Propaganda erkannt:
 
  1. Offizielle Regierungskommunikation, verbreitet durch den Kreml, das Außenministerium und offizielle Regierungsvertreter die sich in den Sozialnetzwerken zeigen,
  2. Internationale Sendungen, die durch die russische Regierung finanziert werden,
  3. Proxy-Ressourcen (Sprachzentren und Verbreitung von narrativen Informationen),
  4. Nutzung von Sozialnetzwerken als Waffe,
  5. Desinformation in der Cyberwelt.
 
Liest man diese fünf Punkte, so liest man eigentlich nichts Neues und nichts Außergewöhnliches. Persönlich glaube ich, dass diese Punkte wohl auch durchaus richtig sind – Russland nutzt all diese Möglichkeiten, um seine Ansichten der internationalen Öffentlichkeit anzubieten.
 
Und was machen die USA und die anderen Länder dieser Welt, um ihre Ansichten den anderen in der Welt näherzubringen. Trommeln die USA oder senden Rauchzeichen?
 
Videoeinspielung: Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten, im Interview
 
Das Dokument kritisiert, dass alle fünf Säulen der russischen desinformierenden Propaganda auch noch untereinander kooperieren, um den Effekt zu verstärken. Und? Organisieren die USA keine Kooperation innerhalb ihrer nationalen Publicity? Liest man aufmerksam die Medien hat man den Eindruck, dass die USA sogar die internationale Publicity koordinieren, wenn es um Russland oder andere Länder geht, die nicht die Meinung der USA teilen.
 
Videoeinspielung: Sergej Lawrow, Außenminister Russlands, im Interview
 
Und das US-Dokument formuliert weiter, dass die Desinformationen Russlands eine Gefahr darstellen und man nicht untätig sitzen werde.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Der Revisor“
 
Man werde Gegenmaßnahmen ergreifen. Und so sind wir wieder bei der Redewendung angelangt: Leben ist Geben und Nehmen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Jemeljan Pugatschow“
 
Natürlich darf auch, im Rahmen der Veröffentlichung dieses US-Dokumentes, nicht die Anschuldigung fehlen, dass sich Russland in die US-Präsidentenwahlen einmische. Zehn Millionen Dollar hat das US-Außenministerium denjenigen versprochen, die Leute anzeigen, die sich im Interesse anderer Länder in die US-Wahlen einmischen.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Beweise, dass sich Russland in die US-Wahlen einmische, haben die USA niemals vorgelegt …,
 
Videoeinspielung: Sergej Lawrow, Außenminister Russlands, im Interview
 
… aber die US-Publicity hat so gut informiert, dass alle Welt dies glaubt … warum auch nicht, wenn sogar Putin zugibt: …
 
Videoeinspielung: Wladimir Putin, russischer Präsident, im Interview
 
Und es steht die Frage: War zuerst das Ei oder das Huhn da? Wer hat angefangen mit der Propaganda, mit der Diskreditierung anderer Länder? Und was war effektiver: Propaganda oder Publicity? Durch Propaganda ist bisher noch kein einziger Staat zusammengebrochen. Mit Hilfe von Publicity ist aber ein ganzes Gesellschaftssystem abgeschafft worden – wobei … traurig sein muss man darüber nicht, denn der Sozialismus war einfach nur eine gute Theorie, die den Praxistest nicht bestanden hat. Aber die Publicity hat sich in der Praxis erfolgreich bewährt.
 
Videoeinspielung: Sergej Lawrow, Außenminister Russlands, im Interview
 
Und ich sitze nun in meinem Office und überlege mir, zu welcher der fünf Säulen meine Informationsagentur gehört, die ständig russische Propaganda unter Nutzung vieler Medienkanäle verbreitet.
 
Videoeinspielung: Russische Propaganda

 

Reklame

Kommentare ( 3 )

  • Jan Heller

    Veröffentlicht: 8. August 2020 14:40 pm

    Die neueste neoimperialistische Sanktionsdrohung als getarntes Besatzerdekret von unseren angeblich besten Freunden ist keine zwei Tage alt.
    Das angeblich unfehlbare und alterwürdige große Militärbündnis hat empfindliche Altersschwäche, leidet an maßloser Selbstüberschätzung und ist de facto nicht mehr zu reformieren. Doch langsam dämmert es inzwischen auch hochrangigen Politikern, dass hier etwas mächtig schief läuft. Die Freund-Feind-Erkennung ist zwingend neu zu kalibrieren.
    Auch wird es jetzt Zeit Hände zu schütteln solange sie uns noch entgegen gestreckt werden.
    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wie war, gerade heute.

  • Jan Heller

    Veröffentlicht: 8. August 2020 14:51 pm

    Kleiner Nachtrag zur rhetorischen Frage im Portal, aber bitte die Antwort gewohnt gelassen und diplomatisch hinnehmen.
    Punkt 4 und 5 erfüllen in Bezug zu diesen Seiten den Tatbestand antiimperialistischer Propaganda.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 8. August 2020 16:55

      ... die Kommentarfunktion dieses Portals hat den Nachteil, dass man keinen "Gefällt mir"-Knopf drücken kann.

  • Jan Heller

    Veröffentlicht: 8. August 2020 20:39 pm

    Aus gegebenem aktuellen politischen Anlass, zum Thema noch zwei Zitate über die man durchaus diskutieren kann und sollte.
    "Der Freund kann dich verraten, aber der Feind läßt dich nicht im Stich."
    Karl Eduard von Schnitzler (1918-2001)
    "Es ist besser, sich mit zuverlässigen Feinden zu umgeben, als mit unzuverlässigen Freunden."
    John Steinbeck (1901-1968)

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 8. August 2020 20:42

      "Gefällt mir."

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung