Vier Prozent Zinsen sind den Russen zu wenig

Vier Prozent Zinsen sind den Russen zu wenig
 
Wer heute Geld in Russland bei Banken anlegt, kann mit Zinsen um die fünf Prozent rechnen. Vor einem Jahr gab es noch über sieben Prozent. Die Investoren in die russische Wirtschaft freut´s. Die Privatanleger sind unzufrieden.
 
 
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Der Idiot“
 
Die Höhe der Zinsen richtet sich auch in Russland nach dem Leitzins der Zentralbank – so, wie in allen Ländern dieser Welt auch. Die Zentralbank drückt auf den Leitzins und hat diesen auf ein historisches Minimum von 4,5 Prozent gesenkt und kündigt weitere Schritte an.
 
Grafik: Entwicklung Leitzins in Russland
 
Somit ist es logisch, dass auch die Zinsen für diejenigen fallen, die einfach nur mit ihrem Ersparten ein wenig Geld verdienen wollen. Und logisch, dass auch die weniger Zinsen zahlen müssen, die Kredite aufnehmen, um in ein eigenes Unternehmen zu investieren oder einfach nur Anschaffungen tätigen wollen und damit die Wirtschaft unterstützen.
 
Grafik: Zinsbeispiele ausgewählter russischer Banken
 
Somit ist klar: Man kann es nicht allen recht machen.
 
Nun gab es eine Umfrage der RosGosStrachBank, gemeinsam mit einem russischen Finanzinstitut. Man wollte wissen, was die Bankkunden mit ihrem Geld machen werden, wenn die Zinsen weiter fallen.
30 Prozent erklärten, dass sie ihr Geld abheben werden, wenn die Zentralbank weiterhin den Leitzins senkt. Steht die Frage, was man dann mit dem Bargeld macht? Zu Hause unter dem Kopfkissen bringt es ganz bestimmt keine Zinsen und liegt dort sogar noch unsicher. Man könnte es einfach ausgeben … und dann?
 
Grafik: Durchschnittliche Geldanlagen Privatpersonen nach Regionen
 
Die Umfrage hat ergeben, dass von denen, die ihr Geld abheben wollen, sieben Prozent Gold kaufen würden, sechs Prozent Obligationen und vier Prozent Immobilien. 12 Prozent meinten, dass sie suchen würden, wie man mit diesem Geld mehr Geld verdienen könnte, als die Banken vorschlagen. Alle anderen zeigten sich ratlos.
 
36 Prozent derjenigen, die Depositverträge mit Banken haben, wollen das Geld auf der Bank belassen und lieber weniger Zinsen bekommen, aber doch immerhin mehr, als gegenwärtig in der westlichen Finanzwelt gezahlt wird.
 
2 Prozent meinten, dass sie einen Teil des Geldes abheben und einen Teil auf der Bank belassen würden.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Tote Seelen“
 
Gegenwärtig gibt es für diejenigen, die ausreichend „Spielgeld“ haben, die Möglichkeit, die relativ starken Kursschwankungen auszunutzen, um durch Kauf und Verkauf von Valuta und Rubel über die Kursunterschiede in kurzer Zeit sehr viel Geld zu verdienen. Einzige Voraussetzung hierfür ist, dass man doch über eine Summe von einigen Zehntausend Euro/Dollar verfügen sollte, damit die Valutaspekulationen auch Spaß machen. Und man braucht natürlich Nerven und den Mut, an einer Stelle Schluss zu machen. Wer keine analytischen Fähigkeiten hat, die Entwicklung der Kurse vorauszuahnen, kann schnell alles verlieren, was er vorher erarbeitet hat.
 
Russland verfolgt gegenwärtig eine Finanzpolitik der Herausdrängung ausländischer Valuta aus dem Finanzsystem.
 
Videoeinspielung: Zinsbeispiele für Euro-Anlagen in Kaliningrad
 
Wer heute Euro- oder US-Dollar-Konten anlegen will, wird dies tun können, bekommt aber hierfür keine Zinsen mehr. Somit ist Russland für Ausländer kein Finanzmarkt mehr, um hier Geld auf konventionelle Weise anzulegen. Wer seine Euro in Rubel umtauscht, um über den Rubel Zinsen zu verdienen, sollte beachten, dass es das Kursrisiko gibt und es passieren kann, dass man am Ende der Laufzeit des Festgeldvertrages, zwar viele Rubel ausbezahlt bekommt, aber nach dem Verkauf dieser Rubel weniger Euro in der Hand hält, als noch vor einem Jahr.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker „Tote Seelen“
Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung