Von den Schwierigkeiten, sich erinnern zu können

Von den Schwierigkeiten, sich erinnern zu können
 
Es gibt Menschen, die sich an bestimmte Ereignisse in ihrem Leben nicht mehr erinnern können. Und es gibt Menschen, die sich an bestimmte Ereignisse in ihrem Leben erinnern, die es gar nicht gab. Beweise hierfür liefern der exPräsident der USA Clinton und der Pressesprecher des ehemaligen russischen Präsidenten Jelzin.
 
 
Der ehemalige Präsident der USA Bill Clinton gab CNN ein Interview. Im Verlaufe des Interviews erwähnte er, dass es ein Gespräch mit Boris Jelzin gegeben habe, wo Clinton Jelzin mitgeteilt hat, dass die NATO Richtung Osten erweitert werden soll.
 
Clinton fragte Jelzin, ob dieser glaube, dass die USA einen Angriff auf Russland durchführen werden, wenn die NATO nach Osten erweitert würde. Angeblich, so erinnert sich Clinton, hätte Jelzin dies verneint.
 
„Ich schaute ihn an und fragte: „Glaubst Du wirklich, dass ich eine Flugbasis in Polen nutzen werde, um Russland zu bombardieren?“ Woraufhin er (Jelzin) antwortete: „Nein, aber viele alte gebrechliche Mütterchen im europäischen Teil Russlands glauben das, weil ihr historisches Gedächtnis Erinnerungen an Hitler und das ihrer Großeltern an Napoleon gespeichert hat.“ Und ich sagte, dass ich das verstehe.“
 
Clinton vertrat in dem Interview die Meinung, dass die Osterweiterung der NATO den gegenwärtigen Konflikt hinausgezögert hat. Hätte es diese Erweiterung nicht gegeben, wäre der Konflikt viel eher eingetreten. Die USA haben zur rechten Zeit das Richtige getan – meinte Clinton.
 
Und Clinton ergänzte, dass er Russland nicht nur den Status eines besonderen Partners der NATO angeboten, sondern auch eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt habe. Er erinnerte sich, dass er diesen Vorschlag sowohl Jelzin, als auch Putin gemacht habe. Wir haben die Tür der NATO für einen Beitritt Russlands immer offengehalten und das habe ich Jelzin auch klipp und klar gesagt. Und dann habe ich dies auch seinem Nachfolger Putin vorgeschlagen – so erinnert sich Clinton im Interview.
 
 
Putin hat andere Erinnerungen an Gespräche mit Clinton zum Thema NATO-Beitritt in Moskau. So kam die Initiative hierzu nicht von den USA, sondern Putin habe Clinton gefragt, was dieser davon halte, wenn Russland der NATO beitrete. Und Putin bemerkte eine gewisse Zurückhaltung Clintons bei der Antwort auf seine Frage: „Nun ja, ich bin nicht dagegen“, - hatte Clinton geantwortet und rief damit, bei den ihn begleitenden Personen, sichtbar beunruhigte Emotionen hervor. Und all das, was sich danach in der Praxis abgespielt hat zeigt, was die Amerikaner von einer russischen Mitgliedschaft in der NATO wirklich gehalten haben – kommentiert Putin.
 
Nun meldete sich auch der ehemalige Pressesprecher von Boris Jelzin zu Wort und erinnerte sich … nein, er erinnerte sich eben nicht an das, was Clinton gesagt hat. Er kann sich an kein Gespräch zwischen beiden Politikern erinnern, an dem er teilgenommen habe und in dem Clinton Jelzin informiert hatte, dass sich die NATO nach Osten ausweiten wolle.
 
Es gab drei Treffen in der Zeit 1997-1998 der beiden Präsidenten. „Ich erinnere mich nicht, dass während irgendeines dieser drei Treffen ein Gespräch zur Ausweitung der NATO nach Osten eine Rolle gespielt habe. Es gab keine derartigen Gespräche – so der ehemalige Pressesprecher Jelzins.
 
Allerdings gab es auch Treffen, an denen er nicht teilgenommen habe. Vielleicht wurde dort darüber gesprochen. Mit Sicherheit kann er dies aber nicht sagen.
 
Man sieht also, wie unterschiedlich die Erinnerungsmöglichkeiten der Politiker in Ost und West sind. Erinnern sollten wir uns aber an die von Putin im Dezember 2021 vorgeschlagenen Maßnahmen zur Schaffung einer neuen Sicherheitsordnung in Europa. Bis heute haben die westeuropäischen Staaten darauf nicht reagiert und Putin hat ebenfalls nicht erklärt, dass diese Punkte für die europäische Sicherheit nicht mehr aktuell sind.
 
Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Tschüss und Poka aus Kaliningrad
 
 
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