Vsjo. Das war`s. Der Bruch scheint unmittelbar bevorzustehen

Vsjo. Das war`s. Der Bruch scheint unmittelbar bevorzustehen
 
Zwei Meldungen in den russischen Medien, weckten meine Aufmerksamkeit am Anfang der Woche. Eine Meldung kam vom russischen Außenminister Lawrow, der sich in China befindet und eine zweite kam aus dem Kreml, wenige Momente nach den Äußerungen Lawrows. Beide Meldungen betreffen das Verhältnis Russlands zur Europäischen Union.
 
 
Beendet man in Russland etwas, hat man alles gesagt, was man sagen wollte, so wird häufig das Wort „vsjo“/всё verwendet – also der Schlusspunkt gesetzt. Ich hatte den Eindruck, als ob dem russischen Außenministerium und dem Kreml, diese drei Buchstaben schon auf der Zunge liegen.
 
Russland und China weisen die geopolitischen Spiele und die einseitigen Sanktionen des Westens zurück – so der russische Außenminister auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem chinesischen Kollegen. Russland habe kein Verhältnis mehr mit der Europäischen Union in ihrer Eigenschaft als Organisation. Die gesamte Infrastruktur der bisherigen Beziehungen sei vernichtet – so Lawrow.
 
„Wir weisen die geopolitischen Spiele mit Nullsummen und die einseitigen Sanktionen zurück, zu denen unsere westlichen Kollegen immer häufiger greifen. Russland und China werden alles unternehmen, um ihre finanziellen und Handelsbeziehungen vor den Sanktionsgefahren anderer Länder zu schützen. Mit der Europäischen Union als Organisation gibt es keine Beziehungen mehr. Die gesamte Infrastruktur dieses Verhältnisses wurde einseitig durch Brüssel vernichtet. Die USA und Europa tauschen die Diplomatie durch Schritte aus, die allen anderen die Regeln zur Gestaltung der Weltordnung aufzwingen, die diese Länder für richtig halten – es geht ihnen nicht um internationales Recht, sondern um ihre Regeln. Eine dieser Regeln sind die Sanktionen.“  
 
An sich sind dies ziemlich klare Worte, denen bisher aber noch nicht der Abbruch der diplomatischen Beziehungen gefolgt ist. Wir erinnern uns, dass Sergej Lawrow darüber bereits einmal vor wenigen Wochen öffentlich nachgedacht hatte. Wenn es keine Infrastruktur zwischen Russland und der EU mehr gibt, wozu braucht man dann noch diplomatische Vertreter?
 
Videoeinspielung: Auszug aus Interview mit Sergej Lawrow
 
Wenige Momente nach den Äußerungen des russischen Außenministers in China, wurde auch Dmitri Peskow während seines obligatorischen Pressebriefings zu den Äußerungen befragt.
 
Seine Äußerungen hörten sich ähnlich wie die von Lawrow an, aber ich habe doch einige Nuancen herausgehört – vielleicht aber auch nur deshalb herausgehört, weil ich sie heraushören wollte und die Hoffnung auf eine Vernunfts-Koexistenz zwischen Ost und West noch nicht aufgegeben habe.
 
Dmitri Peskow formulierte:
 
„Die Europäische Union ist jetzt, leider, keiner unserer nahen Partner, aus dem einfachen Grund, weil sie die Beziehungen auf der Linie Brüssel-Moskau eingefroren hat.“
 
Mir fiel das Wort „jetzt“ auf … welches die Möglichkeit offenlässt, dass sich das doch noch wieder ändern könnte. Und mir fiel das Wort „naher“ auf. Also Peskow meint, die EU ist noch Partner, wenn auch kein naher.
 
Dann setzte Peskow fort, dass der Abbruch der Beziehungen zur EU nicht bedeute, dass man mit den Ländern, die Mitglied in der Gemeinschaft sind, nicht mehr sprechen werde. Es werde Gespräche geben, aber eben bilaterale – also wird die Politik, wie sie sich in den letzten Wochen schon andeutete, wohl intensiver fortgesetzt.
 
Die Praxis der letzten Wochen machte deutlich, dass die Europäische Union wohl selber ein Bau ist, der starke Risse zeigt, denn in der gegenwärtigen Corona-Krise macht jeder was er will. Großbritannien ist bereits ausgetreten und lieferte mit dem Austritt genügend Erfahrungswerte für weitere Austrittskandidaten. Interessant wäre als nächstes der Austritt eines Landes, welches als Währung den Euro eingeführt hat, denn für die Rückabwicklung dieser Finanzunion fehlen gegenwärtig praktische Erfahrungen.
 
 
Es bleibt abzuwarten, ob denn die Europäische Union einen Verhaltenskodex entwickelt, wo man alle Mitgliedsländer verpflichtet, keine bilateralen Beziehungen mit Russland zu pflegen. Und wenn es so einen Kodex gibt und einzelne Länder, wie z.B. Ungarn, Italien oder Deutschland trotzdem mit Russland reden … was dann? Werden dann innerhalb der EU auch diese Länder mit Sanktionen oder Strafzahlungen belegt oder vielleicht aus der EU-Familie ausgeschlossen?
 
Es stehen uns äußerst interessante Zeiten bevor.
 
Wie sagte der russische Präsident Putin neulich mit Blick auf den US-Präsidenten Biden: „Ich wünsche ihm Gesundheit.“
 
Videoeinspielung: Zitat russischer Präsident Putin
 
Wenige Stunden später strauchelte der amerikanische Präsident.
 
Die Worte, die Wahl der Worte von Lawrow und Peskow in Richtung Europäische Union, die bewusste Vermeidung von starken Worten oder Ausdrücken, erinnern mich irgendwie an Putins Worte: „Wünsche Wohlergehen.“
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Priwalowskije Millionen“
 

 

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Kommentare ( 2 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 24. März 2021 16:36 pm

    Die EU war offensichtlich von ihren Vordenkern ganz gut gedacht. Aber von den Machern der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart eben nur sehr schlecht gemacht. Die Vordenker hatten doch keineswegs die Türkei, Montenegro, Albanien oder gar die Ukraine im Sinn. Nicht einmal diese Hungerleider aus dem Baltikum. Aber es geht um Macht und Einfluß und Absatzmärkte und geostrategische Plätze an der russischen Grenze.
    Da wurde zusammen gewürfelt, was nicht zusammen paßt. Und nun? Nun hat diese EU, die sich arroganter weise auch als "Europa" bezeichnet, selbst "EU" ist schon eine Anmaßung, ihren Zenit überschritten.

  • Gego Tschetoch

    Veröffentlicht: 24. März 2021 19:42 pm

    Es ist ein Graus mit der EU! Keine Eigenständigkeit und keine Einheit, aber mit ständigen Sanktionen ein internationales Chaos stiften, und auf der eurasischen Platte Unheil erzeugen wie es nur der leibhaftige Antichrist vermag. Natürlich unter der Führung der USA, und mit der Nato auf Unheil und Verderben verbandelt. Ich schäme mich für Deutschland und für diese westeuropäische Polit-Kultur voller Lug und Trug - mit ihren Manövern voll scheinheiliger Friedensabsichten.
    Aber gleichzeitig freue ich mich, dass der Kreml ein ungewohntes Aufwachen zeigt und mit klaren Aussagen eigenständige Positionen bezieht. Und immer wieder kann man feststellen, dass Moskau mittlerweile für die Menschen in der EU bzw. für die Menschen in der gesamten westlichen Welt mehr Verständnis und Bürgernahe aufbringt, als es die hiesigen West-Politiker vorgeben zu tun.
    Gott segne Russland... und seine Staatslenker!

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