Wann tritt Putin zurück und wer wird neuer Präsident Russlands?

Wann tritt Putin zurück und wer wird neuer Präsident Russlands?
 
Zwei Fragen die die Welt bewegen: Wann tritt Putin zurück und wer wird neuer Präsident. Vielleicht sind diese beiden Fragen für Deutsche wichtiger, als die Antwort auf die Frage, wer denn neuer Bundeskanzler oder -kanzlerin im Herbst dieses Jahres wird. Und für den Rest der Welt ist die Lösung des Geheimnisses vielleicht sogar wichtiger als die Thematik der Stuhlübergabe im Weißen Haus, in Washington, in wenigen Tagen.
 
 
In den letzten Wochen sind die westlichen Medien gefüllt mit Informationen über die Krankheit des russischen Präsidenten. Es scheint, dass es keine Krankheit gibt, die der Präsident nicht hat. Es wird schon nicht mehr diskutiert, ob Putin krank ist … das scheint festzustehen. Es wird darüber gerätselt, welche Krankheit es sein könnte, die den Präsidenten Russlands hinraffen wird. Es könnte Schnupfen sein, aber auch Alzheimer oder aber auch … naja, es gibt viele Krankheiten auf dieser Welt.
 
Seit einigen Tagen sind wir der Lösung dieses Rätsels schon etwas nähergekommen. Einer der erfahrensten Politiker Russlands hat sich hierzu geäußert und wurde in seinen Äußerungen sogar von Dmitri Peskow, dem Pressesprecher des russischen Präsidenten Putin unterstützt.
 
Es handelt sich im Wolfowitsch, meinem Lieblings-Oppositionspolitiker in Russland – also Wladimir Schirinowski. Gäbe es diesen Mann nicht, wäre die Politikszene in Russland genauso langweilig, wie in Deutschland.
 
 
Und Wolfowitsch sagte zwar nichts zu den vielen Krankheiten, die Putin haben soll, sondern nannte Nachfolger.
 
Videoeinspielung: Auftritt Schirinowski in Talk-Show
 
 
Als erstes fiel der Name Michael Mischustin – der gegenwärtige russische Premierminister. Ein interessanter Name, ein interessanter Mann, aber, das meine ICH, er wird nie russischer Präsident werden. Er ist kein Politiker, er ist sogenannter Technokrat. Er war ein hervorragender Leiter der Steuerbehörde und hat diese auf modernste Füße gestellt. Und Putin hat ihn zum Premier berufen, damit er die ganze Regierung technokratisiert. Er ist das Arbeitspferd der ganz bestimmt seine Aufgabe erfüllen wird, aber ganz bestimmt kein Politiker mit strategisch-politischen Weitblick.
 
 
Der zweite Name, den Schirinowski nannte, war Sergej Schoigu, der russische Verteidigungsminister. Eine außerordentlich bemerkenswerte und erfolgreiche Persönlichkeit. Er hat in den letzten Wochen ein wenig Pech gehabt, denn er darf nun nicht mehr nach Deutschland oder Paris reisen. Er ist mit Sanktionen belegt. In einem früheren Interview hatte er gesagt, dass er am liebsten seinen Urlaub in seinem Heimatdorf verbringt. Somit wird sich sein Gram, über das Einreiseverbot in die Europäische Union, in Grenzen halten. Böse Zungen in Russland meinen aber, dass, wenn Schoigu nach Deutschland fahren will, dann wird er dies tun … wenn nötig mit einem Panzer.
 
Aber auch Sergej Schoigu wird ganz bestimmt nicht der Nachfolger von Putin, denn er ist in einer Altersgruppe, die Putin nicht bevorzugt. Putin hatte vor zwei, drei Jahren mal geäußert, dass er sich einen jungen Nachfolger wünscht, also irgendwie so um die 45-50 Jahre. Interessant dabei ist, dass erst vor wenigen Tagen in Russland ein Gesetz leicht korrigiert wurde, welches den Begriff „Jugendlicher“ auf die Altersgrenze bis 35 Jahre ausdehnt.
 
Außer diesen beiden, nannte Schirinowski noch weitere interessante Namen:
 
 
Sergej Naryschkin, der Chef der russischen Auslandsaufklärung. Ein sehr interessanter Mann, der aber auch nicht Präsident werden wird. Grund hierfür ist, dass auch dieser Mann durch die Europäische Union mit Reisesanktionen belegt wurde. Und was hat Russland von einem Präsidenten, der nicht reisen darf?
 
 
Dmitri Medwedjew befand sich auch unter den Kandidaten, die Schirinowski in die engere Wahl zog. Na, da dürften aber die Wodkakorken im Bundeskanzleramt und im Weißen Haus knallen, wenn das wirklich so kommen sollte. Und, es gibt einige Anzeichen, dass die Wahrscheinlichkeit real besteht. Immerhin besetzt Medwedjew gegenwärtig den sehr hohen Posten eines Stellvertreters des Vorsitzenden des Sicherheitsrates … wenn man so will, ist er Stellvertreter von Putin. Dort kann er sich in aller Ruhe auf das Amt vorbereiten, welches so neu ja für ihn nicht ist. Das Problem allerdings ist, dass das russische Volk, welches ja den Präsidenten direkt und namentlich wählt – also nicht so wie in Deutschland – sich wohl kaum für ihn entscheiden wird. Es gab da so einige Momente in der Vergangenheit, wo er sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat.
 
Videoeinspielung: Medwedjew zum Thema Rentenanpassung – klassischer Ausspruch
 
Und, was das Wichtigste ist: Das russische Volk liebt einen starken, energischen, strengen Präsidenten, der nebenbei auch noch ein wenig Herz als Landesvater zeigt. Da muss Medwedjew, als eher liberal eingestellter Mann, noch ein wenig trainieren.
 
 
In der Liste von Schirinowski steht auch der Gouverneur des Gebietes Tulsk Alexej Djumin. Wenn ich Zeit habe, muss ich mal bei Wikipedia nachlesen, wer das ist.
 
Und Schirinowski nannte noch den Vorsitzenden der Staatsduma Wjatscheslaw Wolodin sowie die Vorsitzende des Föderationsrates, also der Oberkammer der Staatsduma, Walentina Matwijenko.
 
 
Also Wolodin … hm, der Gedanke ist nicht schlecht und als neurussischer Staatsbürger, der jetzt auch wählen darf – im Unterschied zu Deutschland, wo mir das Wahlrecht, trotz meiner deutschen Staatsbürgerschaft und Volljährigkeit seit 2013 per Gesetz entzogen wurde, würde ich meinen Haken wohl hinter seinen Namen setzen. Er hat Format, er beeindruckt in den Interviews und Auftritten, die ich kenne und er ist schlagfertig – eine Eigenschaft die ich bei anderen wertschätze, weil ich sie selber nicht habe.
 
Videoeinspielung: Wolodin Äußerungen zur Nachfolge von Putin im Interview
 
 
Frau Matwijenko ist eine sehr attraktive Frau, aber ich glaube, in der gegenwärtigen Zeit ist Russland einfach noch nicht bereit, das Schicksal des noch nicht richtig gefestigten Landes, nach den katastrophalen 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts, wieder in die Hand einer Frau zu legen. Walentina die Große wird es wohl nicht geben.
 
 
Und er nannte als möglichen Präsidentenkandidaten noch Alexej Kudrin, den jetzigen Leiter des Rechnungshofes, den Medwedjew-Kritiker, den ewigen Schwarzmaler. Naja, da lohnt sich nicht weiter drüber nachzudenken. In meinem Bekanntenkreis gibt es Leute, die geben Kudrin noch ganz andere Attribute vor seinem Namen.
 
So, meine lieben Zuschauer, nun sind Sie sicher genauso schlau wie vorher. Tja, und genau das ist der Sinn der russischen Politik. Es gibt Unmengen von Informationen und jeder kann daraus machen was er will. Und es ist noch niemals das eingetreten, was der Westen versucht hat zu erahnen, egal wie gut die CIA oder der BND arbeiten. Niemals in der Geschichte der Sowjetunion oder des modernen Russlands hat jemals irgendjemand ein wirklich wichtiges Ereignis, wie z.B. den Präsidentenwechsel oder den Rücktritt der Regierung richtig vorausgesagt – oder?
 
Videoeinspielung: Auftritt Schirinowski in Talk-Show
 
Schirinowski meinte dann auch ein paar Tage später, dass er nicht behauptet, dass einer dieser Personen neuer russischer Präsident wird. Die Liste möglicher Anwärter ist viel länger. Alle, die heute in Russland an zentraler Stelle Verantwortung tragen, kommen als Kandidat in Frage. Sie werden beobachtet und es wird ein Filter angewandt. Letztendlich bleiben vielleicht zwei, drei, vier Kandidaten übrig, die alle „Erste Wahl“ sind und deren Schicksal sich nur durch winzige Kleinigkeiten unterscheiden.
 
Interessant ist, dass Schirinowski mit seinen Formulierungen durchblicken ließ, dass auch er nicht davon überzeugt ist, dass Putin wirklich wieder antreten wird.
 
Videoeinspielung: Auftritt Schirinowski in Talk-Show
 
Die neue Verfassung gibt ihm zwar die Möglichkeit, aber überzeugt war Schirinowski nicht. Er glaubt, dass die Öffentlichkeit über mögliche Pläne Putins frühestens Ende 2023 erfahren wird. Und er ergänzte, dass, wenn Putin nicht kandidieren wird, der Kreml einen völlig neuen Hausherrn bekommt – also jemanden, den niemand bisher in die wirklich engere Auswahl genommen hat.
 
Videoeinspielung: Auftritt Schirinowski in Talk-Show
 
Ach, ehe ich es vergesse. Ich erwähnte ja, dass Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten Putin, sich auch geäußert hat. Eigentlich hat er sich nicht geäußert und gemeint, dass er nicht kommentieren will. Aber ergänzte dann:
 
„Das Thema eines Nachfolgers ruft traditionell immer Interesse in Russland hervor. Das war so, ist so und wird immer so sein. Häufig sind das sinnlose Überlegungen und es gibt nichts zu kommentieren.“
 
Was aber die konkreten Äußerungen Schirinowskis anbelangt, so meinte er:
 
„Der Leiter der Liberaldemokraten verfügt über einen reichen politischen Erfahrungsschatz. Deshalb wird wohl sein aufgestelltes Rating durch irgendetwas begründet sein.“
 
Nun aber zum Schluss das Wichtigste … in Russland, mal so nebenbei bemerkt, kommt das Wichtigste in einem Gespräch immer ganz zum Schluss, häufig sogar sind die Gäste dabei, die Wohnung oder das Office zu verlassen, um sich dann nochmal umzudrehen und zu sagen: „… ach, ehe ich es vergesse …“
 
Videoeinspielung: Putin verkündet Freilassung von Chodorkowski
 
Somit, zum Schluss die Nachricht, dass Wladimir Wolfowitsch, Gott gebe ihm eine lange Gesundheit, auch im Jahre 2024 kandidieren wird. Und, dass er die Wahlen gewinnt … tja, wer hätte daran Zweifel?
 
Videoeinspielung: Wahlwerbung von Wladimir Schirinowski 2018
 
Tschüss und Poka aus Kaliningrad
 

 

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 3. Januar 2021 19:09 pm

    Uwe Erichowitsch, erst einmal meine guten Wünsche zum Neuen Jahr - С Новым Годом !! Möge es Ihnen bei bester Gesundheit auch sonst gut gehen!
    Und nun zur Glaskugel. Ich bin der Ansicht, daß Sie, wir von außen können das schlecht, ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Herren so in etwa zwischen den Jahrgängen 1970 und 1980 legen, die nicht so groß angekündigt, aber wohl gezielt auf bestimmte Posten geschoben werden, wo sie sich bewähren müssen. Und das wird wohl nicht nur ein Kandidat sein, denn ich vermute mal, daß dann so Stück für Stück eine neue Führungsriege das Sagen haben wird.
    Ich habe keine direkte Begründung, aber ich denke, daß Wladimir Wladimirowitsch noch einmal antreten wird. Zur Zeit wird der Frieden brüchiger und da braucht es an der Spitze erfahrene Leute, die diese ganzen Provokationen richtig parieren können, ohne daß es den von anderer Seite gewünschten Knall gibt.
    Da wird sich aber der Werte-Westen wieder "freuen", wenn sie wieder mal nichts gewußt haben werden.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. Januar 2021 19:11

      ... bitte denken Sie an die Korrektur Ihrer email-Adresse. Ich erhalte jeden Morgen eine email, dass Ihre Adresse nicht zustellfähig ist.

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