Was erwartet Litauen am kommenden Montag?

Was erwartet Litauen am kommenden Montag?
 
Noch deckt Russland seine Karten nicht auf, die am kommenden Montag vielleicht auf den Tisch zu packen sind. Man lässt sich gegenwärtig nur ein wenig in die Karten gucken, um im Vorfeld Schlimmes zu verhüten.
 
 
So erklärte der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes Anton Alichanow, dass eine der möglichen Antworten Russlands ein Transitverbot für Transporte sämtlicher Art aus Russland in die baltischen Staaten und aus den baltischen Staaten nach Russland sein könnte.
 
Baltische Welle hatte darüber bereits informiert und bei einer Reihe von Zuschauern und Lesern tauchte Unverständnis auf, ob dies denn wirklich irgendeinen Effekt hätte. Immerhin sprach der Kaliningrader Gouverneur von einer Neutronenbombe in der litauischen Wirtschaft und den Zusammenbruch des gesamten litauischen Transportsektors.
 
Erinnern wir uns kurz, dass Litauen sein Gebiet für Transittransporte zwischen Russland und Russland gesperrt hat. Man bezieht sich auf Sanktionsfestlegungen aus dem sechsten Sanktionspaket gegen Russland. Maßnahmen aus diesem Sanktionspaket werden in drei Schritten umgesetzt: Im Juni, so wie bereits geschehen, im Juli, wie am 10. Juli erwartet wird und Anfang August.
 
Litauen behauptet, nur die Weisungen der EU umzusetzen. Die EU behauptet, Litauen habe übertrieben mit der Umsetzung der Sanktionen und irgendetwas nicht richtig verstanden. Litauen zeigt gegenwärtig, dass man auch weiterhin nicht verstehen will, trotzdem wohl die EU sich alle Mühe gibt, Litauen die Situation zu erklären.
 
Wenn Russland somit reagiert und keine Transporte mehr aus dem russischen Territorium nach Litauen lässt und umgekehrt, so hätte dies gravierende, katastrophale Folgen.
 
Litauen würde mit dieser Entscheidung seine Funktion als Transitland für Waren von Ost nach West und von West nach Ost verlieren. Über Litauen laufen die Waren aller GUS-Länder Richtung Westen und umgekehrt. Berechnungen haben ergeben, dass Litauen damit 35 Prozent der Einnahmen seines Staatshaushaltes einbüßen würde.
 
 
Wird jetzt die Logistik geändert und die Waren müssen umgeleitet werden, so ist dies im Eisenbahnverkehr einfach nicht mehr möglich. Für den Landverkehr steht nur der Suwalski-Korridor zur Verfügung, der aber verkehrstechnisch dafür überhaupt nicht geeignet ist. Alle Warenströme müssten völlig andere Wege nehmen und dies ist für die Absender und Empfänger nicht von Vorteil. Eine Ausweichmöglichkeit wären nur die russischen Häfen.
 
Mit dem Verlust der Transitfunktion, versanden natürlich auch die Häfen in Litauen, die niemand mehr braucht. Für Analytiker unter meinen Zuschauern und Lesern wird es interessant sein zu berechnen, wie viele Menschen ihre Arbeit in den Häfen und bei der Eisenbahn, aber auch beim Zoll und bei den Transportfirmen verlieren. Ich denke, alle sind mit dem Begriff, den der Kaliningrader Gouverneur geprägt hat, einverstanden: Neutronenbombe für die litauische Wirtschaft.
 
Alichanow hat insgesamt vier Karten in den Händen und hat vorläufig nur die eine Karte gezeigt. Alle anderen – so habe ich verstanden, werden vielleicht am Montag aufgedeckt – hoffentlich jedoch nicht, denn es gibt auch russische Sanktionen für Litauen, die auch Folgen für Russland selber haben. Aber ein Krieg ohne eigene Verluste gibt es nicht – auch keinen Wirtschaftskrieg. Aber wem erzähle ich dies – Europa kennt das aus eigenem Erleben in den letzten Monaten ja zur Genüge.
 
 
Reklame

Kommentare ( 7 )

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 6. Juli 2022 21:02 pm

    Ich würde von Litauen nicht nur die Wiederherstellung des ungehinderten Transits fordern, sondern auch die Freigabe des Luftraumes! Daß die russischen Flugzeuge gezwungen sind, den riesigen Umweg zu fliegen, ist auch Folge einer Blockade.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 7. Juli 2022 09:57 pm

    Alle Sanktionen gründen auf dem Beschluß der USA, daß sich Rußland ihrem Verständnis von Ordnung, Recht und Freiheit zu unterwerfen habe!
    Als Vasallen eingebunden trägt Europa, natürlich neben dem Sanktionierten, noch die Hauptlast, aber die Auswirkung auf den Verursacher kündigt sich an.
    All die neuerlichen Preismanipulationen sind nicht ursächlich in der Auseinandersetzung mit der Ukraine, und in einer daraus resultierenden Verknappung zu suchen, denn deren Einfluß auf die Welternährung ist marginal, auch wenn man das gern anders darstellt.
    Rußland soll auf die Knie, und das wird es nicht tun.
    Und deshalb werden all die, die sich an diesem schändlichen Treiben beteiligen, eine nicht unerhebliche Rechnung bezahlen!
    Das wird in der betroffenen Bevölkerung ganz sicher nicht, ohne noch unüberschaubare Spuren zu hinterlassen, ablaufen!
    Kein Nawalny, keine Dissidenten, keine angeblich unterdrückte Opposition sind ursächlich - NEIN -
    ONLY - ROSSIJA - GO DOWN !!!

  • Detlef

    Veröffentlicht: 7. Juli 2022 13:53 pm

    Ohne konkrete Schritte wird Russland langsam zur Lachnummer. Als der Transit nach Berlin um 1949 von der UdSSR gesperrt wurde, wurde Berlin von den Rosinenbombern der Amis versorgt. Niemand hat Flugzeuge abgeschossen und die Amis waren plötzlich die Guten.

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 11. Juli 2022 16:42 pm

    Heute ist Montag und es wird gemeldet, daß Litauen die Blockade auf weitere Güter ausgeweitet hat.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 11. Juli 2022 18:05

      ... das ist nicht ganz richtig. Die Europäische Union hat ein sechstes Sanktionspaket vor einem reichlichen Monat beschlossen. Die darin enthaltenen Sanktionen treten zu unterschiedlichen Zeiten in Kraft. Die ersten Sanktionen, die zur Blockade von Kaliningrad führten, traten vor einem Monat in Kraft. Die nächsten Sanktionen traten gestern in Kraft. Allerdings sollte die EU die Sanktionen zwischen Russland und Russland im Rahmen dieser Sanktionen wieder aufheben. Das hat man nicht getan und wir warten nun auf föderale Entscheidungen ... morgen, vielleicht übermorgen.

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 11. Juli 2022 19:33 pm

    Ich habe nur berichtet, daß heute etwas *gemeldet* wurde, nämlich von Reuters, daß Litauen die Beschränkungen für den Warentransit nach Kaliningrad erweitert hat. Das wurde u.a. von RTDE zitiert, heute um 16:25 Uhr. - 30 Minuten vorher hatte RTDE berichtet: »Putin und Lukaschenko erörtern gemeinsame Reaktion auf litauische Transportblockade von Kaliningrad.«

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 11. Juli 2022 19:40

      ... auch das ist alles richtig. Und der Kaliningrader Gouverneur hat das föderale Zentrum gebeten, ein Transitverbot für die Baltischen Länder auszusprechen. Wir warten auf die Entscheidung aus Moskau.

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 11. Juli 2022 20:02 pm

    Ja, warten wir ab! - Den klarstellenden Artikel von TASS hatte ich natürlich auch gelesen.
     
    Ihren Videos nach zu urteilen, haben Sie eine schöne Zeit in Kurgan, wenn auch keine besonders erholsame. Ihre treuen Leser und Zuschauer warten gespannt auf weitere Berichte. Hoffentlich gibt es noch das deutsche Bier und die Wurst! Und hoffentlich geht es nun voran mit dem russischen Hopfenanbau!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 11. Juli 2022 20:08

      ... ja, völlig richtig. Meine Reise war auch nicht als Urlaubsreise geplant. Wir haben es jetzt kurz vor Mitternacht und morgen um fünf ist Wecken angesagt. Da geht es in den Wald ...

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 13. Juli 2022 10:17 pm

    Zu den Berichten, daß es zwischen der EU und Rußland zu einem Abkommen über den freien Warenverkehr nach Kaliningrad gekommen sei:
     
    Ohne Zustimmung Litauens kann es höchstens belanglose Gespräche gegeben haben, aber kein Abkommen. Man kann davon ausgehen, daß Rußland nur hingehalten werden soll.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 13. Juli 2022 10:21

      ... und genau so ist es auch. Es ist alles einfach nur Verzögerungstaktik und es wird wohl langsam Zeit, dass wir in unserer Taktik nicht mehr zögern.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung