Was wollten die deutschen Autonomen in Kaliningrad?

Was wollten die deutschen Autonomen in Kaliningrad?
 
Während seines Besuches am Dienstag in Kaliningrad, informierte der Sekretär des russischen Sicherheitsrates über die Verhinderung von Plänen, im Kaliningrader Gebiet deutsche Autonomien zu schaffen. Die Information war kurz und sachlich und wohl nicht für alle verständlich.
 
 
Seit ca. 2013 gab es Versuche von Deutschen, in Kaliningrad Voraussetzungen zu schaffen, damit deutsche Bürger, die mit den Zuständen in Deutschland unzufrieden sind, nach Kaliningrad übersiedeln und sich hier eine neue Existenz aufbauen können. Bekannt geworden sind zwei Gruppen deutscher Bürger, die dies, angeblich unabhängig voneinander, organisieren wollten. Verbreitet wurde der Eindruck, als ob beide Gruppen sich sogar regelrecht feindlich gegenüberstehen. Man beschuldigte sich des gegenseitigen Diebstahls der Business-Idee „Deutsche Autonomie Königsberg“.
 
Der Grundgedanke beider Gruppen bestand darin, Grund und Boden kompakt auf großen Flächen zu erwerben und darauf Häuser zu errichten. Diese sollten interessierten deutschen Bürgern verkauft werden. Eine dieser beiden Gruppen, plante zusätzlich die Errichtung weiterer Infrastrukturobjekte, die für die autonome Existenz eines deutschen Dorfes, später einer deutschen Siedlung und irgendwann vielleicht einmal einer deutschen Stadt, notwendig sind: Schule, Bürgermeisteramt, Feuerwehr, Polizeistation usw. Die Territorien, die beide Gruppen nutzen wollten, sollten streng abgegrenzt sein.
 
Man suchte nicht nur unzufriedene Deutsche mit Kaufinteresse. Die Käufer sollten auch, sofern möglich, berufliche Qualifikationen mitbringen, die eine autonome Existenz der Siedlungen ermöglichte. Man plante somit von Anfang an eine Isolierung vom russischen Gastgeber, wollte sich wohl nicht in die Karten schauen lassen.
 
In Kaliningrad wurden zur Umsetzung dieser Gedanken eine große Anzahl von Scheinfirmen gegründet. Sie alle hatten das Ziel, Schwachstellen der russischen Gesetzgebung zum Erwerb von Grund und Boden durch Ausländer auszunutzen. Man versprach den Kaufinteressierten, dass sie problemlos die russische Staatsbürgerschaft erhalten und danach auch automatisch Eigentümer des Grund und Bodens werden.
 
Beide Gruppen betonten immer wieder ihre Achtung vor dem russischen Staat im Allgemeinen und der Arbeit des russischen Präsidenten im Besonderen. Eine der Gruppen verbreitete im Internet, dass der Gouverneur Anton Alichanow die Bemühungen zur Schaffung einer deutschen Autonomie in Königsberg unterstütze. Dies wurde durch die Gebietsregierung natürlich dementiert.
 
 
Das Auftreten beider Gruppen und die durch beide Gruppen verwendeten Formulierungen, zeigten eindeutig Absichten, die nicht den Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation entsprechen konnten. Eine Ansiedlung von Ausländern, dazu noch von deutschen Bürgern, in größerer Anzahl, in der geopolitisch empfindlichen Region Kaliningrad, stellt einfach ein nicht zu vertretendes Sicherheitsrisiko für die Russische Föderation dar.
 
Schauen wir auf die heutige Situation in Russland und in Kaliningrad, so versuche ich mir vorzustellen, wie hunderte, vielleicht sogar tausende deutscher Bürger, die mit der Politik in der Bundesrepublik Deutschland nicht einverstanden waren und nach Kaliningrad (bzw. Königsberg) umgesiedelt sind, in der heutigen Situation reagieren würden.  
 
Russland führt für seine Gäste, die in das Land einreisen, hier leben und arbeiten wollen, keine Gesinnungsprüfung durch und man stellt auch keine Anfragen an den bundesdeutschen Verfassungsschutz, ob gegen diese deutschen Bürger etwas vorliegt. Somit sind die wirklichen Absichten dieser „Flüchtlinge“ nicht bekannt.
 
Kaum einer dieser „Übersiedler“ kennt die russische Sprache. Wie diese Übersiedler ohne Sprachkenntnisse klarkommen wollen, ist unerklärlich. Selbst eine autonome Siedlung hat russische Gesetze zu beachten. Der Konflikt mit dem Gastgeberland ist also vorprogrammiert. Und schnell werden aus diesen unzufriedenen Deutschen aus Deutschland, unzufriedene Deutsche in Russland.
 
Und unterstellen wir einmal, dass Nikolai Patruschew, der Sekretär des russischen Sicherheitsrates weiß, wovon er gestern gesprochen hat, als er die Arbeit polnischer Dienste zur Schaffung von Voraussetzungen für sozialpolitische Unruhen in der Region erwähnte.
 
So dürfte es einfach sein, hunderte oder tausende von Bürgern, darunter auch deutsche Autonomie-Bürger, auf die Kaliningrader Straßen zu bringen, um Unruhen zu schüren, gegen die Kaliningrader Regierung, gegen die russische Regierung, gegen den russischen Präsidenten zu demonstrieren. Die bereits an den Grenzen stehenden NATO-Friedenskräfte werden sich ab einem bestimmten Zeitpunkt der Zuspitzung der Situation einfach nicht mehr in der Lage sehen, tatenlos zuzusehen und übernehmen den „Schutz“ der deutschen und anderen Bürger aus NATO- und europäischen Staaten.
 
Diese Pläne, d.h. die Schaffung von menschlichem Protestpersonal durch ausländische, sprich deutsche Strukturen, wurde nun verhindert. Das 25jährige Einreiseverbot für alle deutschen Aktivisten in dieser Autonomie-Angelegenheit ist kein Grund, sich beruhigt zurückzulegen, denn die Geschichte zeigt, dass es Anfang der 90er Jahre schon einmal braune Revanchisten gab, die ähnliche Gedanken hatten, die aber 1995 durch die russischen Sicherheitsorgane ebenfalls verhindert wurden. Es wurde lebenslanges Einreiseverbot verhängt. Es finden sich natürlich immer wieder Personen, die begonnene Projekte zu Ende bringen wollen – wie die jetzige Angelegenheit zeigt.
 
 
Um die jetzige Sicherheit des Kaliningrader Gebietes weiter zu organisieren, sollten alle die Elemente, die Subjekte, die Personen aufgefordert werden, das Gebiet zu verlassen, deren Anwesenheitsmotivation für Russland nicht erkennbar ist.
 
Es sei nochmals an die Ausführungen von Nikolai Patruschew erinnert, der von polnischen Diensten sprach, die in Kaliningrad ein Protestpotential schaffen wollten. Irgendwo muss es doch ein Koordinierungszentrum gegeben haben? Das dieses Koordinierungszentrum nicht in Warschau oder Gdansk lag, zeigt der Beschluss des russischen Außenministeriums zur vollständigen Ausweisung aller polnischen Diplomaten aus dem hiesigen Generalkonsulat in Kaliningrad. Verblieben ist nur die Generalkonsulin.
 
Verblieben ist aber auch das litauische und das deutsche Generalkonsulat. Was das litauische Generalkonsulat anbelangt, so denke ich, dass wir in Wochenfrist einen Lösungsvorschlag aus Moskau erhalten werden. Maria Sacharowa sagte, dass die Zeiten der Diplomatie, der schönen Worte vorbei ist. Es wird Zeit zu handeln.
 
Und Deutschland, das deutsche Generalkonsulat?
 
Da gibt es heute, am Jahrestag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion im Jahre 1941, eine Stellungnahme des russischen Außenministeriums.
 
„Die Nachkriegsversöhnung erforderte von Russland eine beispiellose Bereitschaft zur Vergebung. Die gegenwärtigen Handlungen Deutschlands sind eine Bedrohung für das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau und stellen die Bemühungen beider Länder zur Überwindung der Folgen des Krieges, in Frage.
Die gegenwärtige Generation von deutschen Politikern erkennt nicht die Besonderheiten im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland, wenn sie eine neue Ostpolitik entwickeln und damit eine geopolitische Kehrtwende einleiten.“
 
Der Begriff „geopolitische Kehrtwende“ wird durch mich so verstanden, dass das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad Anteil daran hat. Was also tut es dann noch hier?
 
 
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Kommentare ( 7 )

  • Müller-Thurgau

    Veröffentlicht: 22. Juni 2022 21:27 pm

    Müßten die deutschen "Autonomen" für einen Daueraufenthalt nicht zumindest den obligatorischen Sprachtest absolvieren?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 22. Juni 2022 21:56

      ... sie hätten vieles machen müssen, was durch die Organisatoren dieser deutschen Dörfer den Interessierten bewusst verschwiegen wurde.

  • Michael Schwegler

    Veröffentlicht: 23. Juni 2022 08:04 pm

    Das Entscheidende ist, dass diese sogenannten Deutschen den Boden um Kaliningrad käuflich erwerben wollen und damit den Code Civil, dieses barbarische Instrument jakobinischen Ursprungs, mit deutschen Anspruch dort in den natürlichen Boden der Erde einpflanzen wollen. Damit sollen die russischen Wurzeln, die in staatlicher Hinsicht zwar dasselbe Unrecht bedeuten, aber doch eher der Geschichte nach 1804 gerecht werden, wieder herausgerissen werden. Es ist schade, dass "Aktive und inaktive Links" auf dieser durchaus informativen Webseite "nicht zugelassen" sind und so werde ich mich von dieser -ohnehin für die meisten Leserinnen und Leser staatlich orientierten Webseite- wieder verabschieden. Um der Zukunfts-Willen wäre eine radikale Aufklärung dringend notwendig. Russland wird mit den modernen Politikmethoden -Politik ist die Fähigkeit zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können- scheitern und die letzten menschlichen Herzen verlieren. Die NATO lässt sich so nicht aufhalten.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. Juni 2022 08:24

      ... Sie haben es völlig richtig erkannt - mit meiner Arbeit auf diesem Portal unterstütze ich die Arbeit des russischen Staates, also des Staates, der mir alles gegeben hat, was ich heute bin und was ich heute habe. Ganz im Gegenteil zu meinem Stiefvaterland, welches mir alles genommen hat, was ich mir bis 1990 erarbeitet hatte.

      Ansonsten bin ich für keinerlei Radikalität zu haben, auch nicht bei der Aufklärung. Es gibt zuviele Ausländer, die Russland sagen wollen, was richtig und was falsch ist. Dafür ist mein Portal wirklich nicht geeignet - auch da haben Sie Recht.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 23. Juni 2022 10:24 pm

    Vielleicht ist es zu einfach gedacht, würde man aber, bei nur einer möglichen Staatsangehörigkeit, Fremdbesitz im eigenen Land beseitigen, indem man diesen durch Rückkauf verstaatlicht, wäre das Problem juristisch in "warmen Tüchern",
    Auf der Basis "sag niemals nie", stelle ich mir schon immer die Frage, wie ein Doppelstaatler im Streitfall beider Partner zu reagieren hätte?
    Trotz aller ungesicherten Behauptungen habe ich 1972 eine Zwischenstaatlichkeit verlassen, um in eine Ebensolche zu kommen, bin aber vollrechtlicher, sogar gebürtiger Nachfolger des ehemals Deutschen Reiches.
    Protestler mögen sich an dieser Aussager verbeißen, was aber nichts ändert.
    Unter Respektierung von Grenzen verfügen Länder über Territorien, die der darin lebenden Bevölkerung ein Überleben durch eigene Kraft ermöglichen müssen. Die Ausbeutung vorhandener Recourcen sollte immer nur auf der Basis des Handelns zum größeren Nutzen des Eigners möglich sein.
    Zwei Herzen trag ich, ach, in meiner Brust ! ???

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. Juni 2022 10:33

      Russland hat dieses Gesetz, d.h. wenn ein Ausländer Besitzer von Grund und Boden ist, hat er diesen in Jahresfrist zu veräußern. Er kann ihn verkaufen, kann aber auch das Grundstück der Stadt oder Gemeinde schenken und einen günstigen Pachtvertrag mit der Stadt/Gemeinde über das Grundstück abschließen.

      Was den Doppelstaatler anbelangt und wie dieser im Fall der Fälle reagieren würde, so ist in meinem Fall die Antwort ganz einfach. Ich bin seit November 2020 russischer Staatsbürger und habe diesem Staat den Treueid geschworen. Einem anderen Staat, dessen Pass ich besitze, habe ich keinen Treueid geschworen und habe diesen auch nicht gebeten, mich in seine Staatsbürgerschaft aufzunehmen. Ich wurde durch einen Vertrag in diese Staatsbürgerschaft gezwungen. Der Verzicht auf diese Staatsbürgerschaft erfolgt meinerseits innerhalb weniger Tage, wenn Umstände eintreten, die dies ermöglichen.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 23. Juni 2022 11:58 pm

    Hallo Uwe!
    Entliehen aus Stalins Glückwunschtelegramm ... "unterliegt es keinem Zweifel, daß" Sie als höherer Offizier der NVA in jedem Fall auch wüßten, wo Sie hingehören, und Sie könnten im Ernstfall, trotz des Abstands durch Jahre, einen weitaus besseren Dienst für Ihr Vaterland erbringen, als irgend so ein halbseidener, natoschnellgebügelter Ukrarevoluzzer.
    Gelernt, ist gelernt, und da kann so eine Schnellbleiche nur eine Krücke sein.
    Was mich viel mehr interessierte wäre der Hinweis auf den obligaten Sprachtest.
    Im Süden von D läßt man sich durch die Abwesenheit von "Hochdeutsch" adeln, und viele Penneler haben schon, mit dem " Ablativ" des Latein, allergrößte Probleme.
    Wie sollten sie da erst mit dem "Instrumental", und dem zu meiner Zeit "Lokativ" genannten 6. Fall zurecht kommen, wobei auch nur die Physiker über einen etwas größeren Kenntnisstand des aus dem Griechischen übernommenen Buchstabenbestandes verfügen?
    Vielleicht hülfe da beim Erlernen des Kyrillischen eine "App" !!!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. Juni 2022 12:06

      ... ich bin kein ausgebildeter Sprachkundler, ich habe nur Sprachausbildung in Vorbereitung des Studiums erhalten. Die Qualität meiner Sprachkenntnisse ist also nicht die, wie ich sie mir eigentlich erträume. Für mich ist wichtig, dass ich täglich Russisch spreche. Fehler in der Gramatik sind leider nicht selten, aber ich habe keine Zeit, an diesem Problem prinzipiell zu arbeiten. Mich verstehen alle und das ist für mich ausreichend. Für diejenigen, die nach Russland kommen um die Sprache zu erlernen, empfehle ich, sich direkt ein Zimmer in einer russischen Familie anzumieten. Das zwingt, auch in der Freizeit Russisch zu sprechen. In einer Sprachschule sollte dann vorrangig die Gramatik erlernt werden.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 23. Juni 2022 15:04 pm

    Natürlich - früher sagte man:
    Nimm Dir eine Freundin, und du bist gezwungen, sie zu verstehen.
    Ich blicke auf insgesamt 14 Jahre Russisch zurück, war mal wirklich sehr gut, aber seit dem, alles im Hinterstübel.
    Ich war mal so weit, die Ausdrucksfähigkeit dieser Sprache zu erkennen, aber wie gesagt, alles in der Rumpelkammer, man müßte es hervorkramen.
    Warum ich darauf eingehe?
    Die im Westen so nötige Fähigkeit, durch Wort, möglicherweise auch Schrift und äußere Erscheinungsform zu brillieren.
    Gute Sprache erlernt man auch ohne intensive Grammatikstudien, im Umgang mit fehlerarm sich Artikulierenden, meist gut Gebildeten.
    Die Grammatik erschließt sich dann oft als "Aha-Erlebnis"
    Das für den breiten Gebrauch nötige Vokabular eines britische Dockarbeiters ist schnell erlernbar, um aber als angenehmer Gesprächspartner in R zu gelten, der dann auch die nicht nur in D so beliebten Russen wie Tolstoi kennt, gehört Aufwand.
    Bei Ihren Deutsch , dürfte Ihr Russisch mittlerweile ebenbürtig sein!

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 23. Juni 2022 15:24 pm

    Stimmt es noch - nur für Insider?
    On - jewo - jemu - jewo - snim - anjom
    und
    Ani - jich - jim - jich - jimi - anich,
    und daß man dem Instrumental ein "s" vorausstellt?
    Wenn ja, dann ist sie wohl noch da, die Grammatik.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. Juni 2022 17:14

      ... hm, schwer zu verstehen mit lateinischen Buchstaben, aber einiges hört sich richtig an.

  • loyalo nilats gleichgesinnter

    Veröffentlicht: 26. Juni 2022 13:53 pm

    dieses deutsche pack, was russland gegenüber nicht loyal ist, ihr grundstück verkaufen lassen oder enteignen. ausweisen und schnellstens abschieben. warum dauert das so lange? tschüs und poka.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. Juni 2022 13:57

      ... vermutlich hatte ich bei meinem Beitrag zuviel Wissen bei meinen Lesern, resultierend aus der Vielzahl meiner Beiträge zu diesem Thema, vorausgesetzt. Es gibt keine Deutschen im Kaliningrader Gebiet, die sich in diesen Projekten engagieren. Wer Geld bei den "deutschen Aktivisten" einbezahlt hat, hat Pech und sollte dies in Deutschland einklagen. Alles andere wird ganz einfach über die russischen Gesetze geregelt - es ist ja überhaupt nichts ernsthaftes passiert. Russland hat rechtzeitig und wohl gründlich reagiert. Also, nicht aufregen!

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