Welche Farbe wäre Ihnen denn recht?

Welche Farbe wäre Ihnen denn recht?

In letzter Zeit wird Kaliningrad immer mal wieder in den westlichen Medien erwähnt – natürlich nicht lobend, sondern immer mit entsprechend diskreditierenden Kommentaren von Leuten, die entweder getarnt als Touristen in Kaliningrad waren und dann journalistisch berichten oder von Leuten, die Meinungen aus dem Internet zu einem eigenen Artikel zusammenfassen. Spezialisten und Insider in Sozialnetzwerken spielen natürlich auch eine Rolle in der Realitätsvermittlung.

Das Kaliningrad aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist, sich gegenwärtig noch ein wenig den Sand aus den Augen reibt, ab und zu auch mal gähnt und nach Sauerstoff schnappt, ist für alle ersichtlich. 2018, im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft, die viele der heutigen Berichterstatter und „Insider“, gerne schnell wieder in Vergessenheit geraten lassen wollen, war ersichtlich, dass man auf einem guten Weg ist, die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuarbeiten. Aber man kann es natürlich nicht zugeben. Es kann nicht sein, dass das von den Russen verschandelte deutsche Königsberg, mit seinen engen, dunklen Gassen und Hinterhöfen, Toiletten auf den Etagen und romantischen Ofenheizungen, buckligen Straßenpflaster, wiehernden Pferden und tiefschwarz dampfenden Kohleschiffen, sich zu einer hellen, freundlichen, modernen Stadt Kaliningrad entwickelt, die jährlich über 1,5 Mio. Touristen, mit wachsender Tendenz anzieht.

Und so ist bereits im vergangenen Jahr ein neuer Begriff geboren worden – freundlich diskreditierend: Disneyland, das Kaliningrader Disneyland … gemeint ist der Leninski-Prospekt, wo in den Jahren 2017/18 ein Großteil der Fassaden im pseudo-Hansestil farbenfroh gestaltet worden ist. Bis zu diesen Zeitpunkt befanden sich hier sowjetische Plattenbauten im einheitlichen Chrustschow-Grau errichtet, ab und zu mal mit ein paar Farbtupfern versehen. Für viele Deutsche damals Anlass zu jammern, was denn aus dem wunderschönen Königsberg gemacht wurde.

Nun wurde etwas gemacht und es passt auch wieder nicht – der Leninski-Prospekt wurde zum Kaliningrader Disneyland. Er ist viel zu bunt – so nicht selten Kommentare auch in den sozialen Netzwerken, in Gruppen, die sich gerne mit Ostpreußen, den verlorenen deutschen Gebieten, beschäftigen.

Tja, da möchte man doch gerne die Frage stellen: Welche Farbe wäre Ihnen denn recht gewesen? Vielleicht Nazi-Braun, Military-Grün oder Kommunisten-Rot?

Somit bleibt festzustellen: Es allen Recht zu machen, ist eine Kunst die niemand kann, auch nicht in Russland, dem Land der unbegrenzten Nötigkeiten.

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