Wenn alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen ist

Wenn alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen ist
 
Jede Krise geht einmal zu Ende. Dafür gibt es tausendfache Beweise in der Geschichte der Erdkugel. Und so denken auch jetzt schon einige in Russland darüber nach, wie es denn weitergeht, wenn der gegenwärtige Krieg des Westens gegen Russland beendet ist.
 
 
Natürlich geht man in Russland nicht von einem Sieg des Westens über das größte Land der Erde aus. Es wäre unpatriotisch und unlogisch. Wichtig ist in der jetzigen Situation, wo einerseits Massen von Sanktionen von außerhalb kommen und innerhalb Russlands viele Unternehmen ihre Arbeit einstellen, dass sich die Gesellschaft um diejenigen versammelt, die die Gesamtverantwortung tragen und diese unterstützten. Unterstützen kann der größte Teil der russischen Gesellschaft die Führung des Landes damit, dass man bereit ist, auf einigen Komfort, auf einige angenehme Details des bisherigen Lebens zu verzichten. Jedes Mitglied der Gesellschaft wird irgendetwas in den kommenden zwei, drei Jahren verlieren – der eine mehr, der andere weniger. Aber danach haben wir es geschafft, sind unabhängig vom zweifelhaften Wertewesten, sind entkolonialisiert, sind souverän und holen alles das auf, was vielleicht in den letzten Jahren verloren gegangen ist. Wichtig ist, dass die Gesellschaft Vertrauen in die Führung des Landes hat und dass die Führung des Landes darauf achtet, dass die schädlichen Elemente der Gesellschaft nicht zu viel Einfluss gewinnen.
 
Diskutiert wird, wie es jetzt, in der Krisenzeit, weitergeht und wie es, wenn diese vorbei ist, weitergehen wird. Allen ist klar, dass mit dem Weggang vieler westlicher Firmen, es zu temporären wirtschaftlichen Problemen kommen wird. Es wird mehr Arbeitslose geben, es wird Ware fehlen, die Preise werden steigen.
 
Zum Glück ist geteiltes Leid, halbes Leid. Nicht nur die russische Gesellschaft hat die Folgen der jetzigen politischen Entwicklung zu tragen, sondern auch die Unternehmen, die das Land verlassen. Die Summen, die diese Unternehmen durch ihren Weggang aus Russland jetzt zahlen müssen, sind beeindruckend. Wir haben den US-Dollar- oder den Euro-Millionenbereich längst verlassen. Dutzende von Milliarden gehen den Unternehmen verloren. Und dutzende von Milliarden werden wohl wieder investiert werden müssen, wenn man nach Russland zurückkehren will.
 
Russland wird den „Heimkehrern“ das Leben und den Neustart ganz bestimmt nicht erleichtern. Wer neu anfangen will, wird völlig andere Bedingungen vorfinden. Russland wird einen Neustart dieser Unternehmen nur zulassen, wenn Vereinbarungen unterzeichnet werden, die eine Wiederholung des jetzigen Szenarios ausschließen. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, wenn Unternehmen, die in Russland wieder Geld verdienen wollen, bei der russischen Zentralbank eine Garantiesumme hinterlegen müssen, die für den Fall eingesetzt wird, wenn sich die Firma nicht so verhält, wie der neue Residenten-Vertrag, den sich Russland noch einfallen lassen muss, verletzt wird.
 
In Russland muss man wohl die Firmen und Unternehmen, die das Land verlassen haben, in mehrere Gruppen einteilen. Eine Gruppe, die die politischen Weisungen ihrer Landesführer initiativreich und sorglos umgesetzt, alles hat stehen und liegen lassen und abgehauen ist, wird wohl kaum Chancen haben, sich in Russland wieder zu engagieren. Sie steht auf der Liste der unzuverlässigen Vertragspartner und damit dürfte ein Neustart ausgeschlossen sein. Er dürfte deshalb ausgeschlossen sein, weil Russland dem Unternehmen Steine in den Weg legt und weil natürlich andere Firmen in der Zwischenzeit deren Platz eingenommen haben und es nicht so einfach zulassen werden, dass diese Untreue-Firma so ganz einfach wieder russische Firmen vom Feld des Wettbewerbs verdrängt.
 
Eine andere Gruppe versucht zu retten, was zu retten ist, trifft Vereinbarungen mit russischen Partnern, unterschreibt vertragliche Vereinbarungen für die Zeit danach und tut alles, um der ehemaligen Firma und deren Mitarbeitern keinen Schaden zuzufügen. An diese Ausländer wird sich Russland auch erinnern – sie stehen auf der Liste der Loyalen.
 
Dann gibt es Firmen, die diesen Weg aus Imagegründen nicht gehen wollen oder können. Hierzu gehört – so erstaunlich es auch sein mag – die Firma McDonalds. Die Firma lässt ihre hunderte von Filialen in Russland nicht umbenennen. Man mietet die Räumlichkeiten weiter, man zahlt dem Personal seinen Lohn und das Personal lebt wohl damit besser, als zu Vorkrisenzeiten, denn es hat alle Chancen, noch einen Zweitjob auszuüben, denn im Erstjob brauchen sie nicht zu arbeiten. McDonalds – so liest man in den Medien, verhält sich korrekt und fährt dabei riesige Verluste ein. Vorerst hat man sich für sechs Monate verpflichtet, sich sozial verantwortungsbewusst zu zeigen.
 
Ähnlich zeigt sich IKEA. Die Tätigkeit der Firma wurde Anfang März eingestellt, die Löhne und Gehälter werden für 15.000 Mitarbeiter bis August weitergezahlt.
 
Russland wird sich an solche Firmen wohlwollend erinnern.
 
 
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Kommentare ( 3 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Mai 2022 00:37 pm

    "Dann gibt es Firmen, die diesen Weg aus Imagegründen nicht gehen wollen oder können. Hierzu gehört – so erstaunlich es auch sein mag – die Firma McDonalds."
    Handelsblatt 16.05.2022 16.19 Uhr

    "New York Die US-Fast-Food-Kette McDonald's gibt infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine ihr Geschäft in Russland auf. ... Bislang gibt es in Russland knapp 850 Restaurants mit rund 62.000 Mitarbeitern."

    Letztendlich ist doch auch dieser Mc Donalds - nur - ein US-Konzern, der sich an deren Spielregeln zu halten hat. Ansonsten ... ? Da gibt es jede Menge nur dort gültiger aber weltweit realisierter Mafia-Gesetze.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 17. Mai 2022 09:49 pm

    Lange bevor es zu der Konfrontation mit der Ukraine kam, postulierten die USA die Zerstörung der russischen Staatlichkeit mit allen Mitteln.
    Nicht, weil Rußland massiv als Gegner in Erscheinung trat, sondern weil der böse Nachbar es so wollte, denn Amerika duldet keine unabhängige Eigenständigkeit neben sich!
    Öl und Gas machten die westliche Welt über Jahrzehnte hinweg nicht abhängiger von Rußland, als sie, wie aktuell erkennbar, ohnehin von der durch die Globalisierung verflochtenen Welt ist.
    Fossile Brennstoffe werden trotz ungesicherter Euphorie noch lange benötigt.
    Das Kappen von preiswerten, gut ausgebauten Lieferketten, das den Lieferanten ganz sicher nicht in den Ruin treibt, ist deshalb nicht nur bösartig unintelligent, sondern schädigt unnötig ganze Volkswirtschaften.
    Dieser Zweck heiligt die Mittel nicht !!!
    Wirtschaftler mit Charakter müßten eigentlich auf den Barrikaden sein!
    Ein Dr. phil für literarische Ästhetizität sollte Schüler lehren, und es dabei bewenden lassen !!!

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 17. Mai 2022 10:56 pm

    Entgegen der westlichen Darstellung Rußlands als großes Gefängnis, dürfen dieses nun scharenweise Menschen verlassen, die in der Fremde all das finden möchten, was sie bislang vermißten, und um zu überwinden, was sie bedrückte.
    Laßt sie ziehen, aber auch nie mehr, wenn gescheitert, zurückkehren, denn dann sind sie für ihr Gastland belastend, und somit für die Ex-Heimat noch nutzbringend.
    In den Großstädten konnten sich die Menschen auch mental dem westlich luxusbetonten Stil annähern, wohl aber nicht rußlandweit.
    Analog zur BRD/DDR Situation gab es den Abstand vom Trabbi zum Golf, aber nicht jeder Westdeutsche verfügte in den 60-zigern über Auto, Fernseher und Kühlschrank.
    Wenn erst mal Viele einen Lada fahren, dann sind sie auch mobil, bei gesicherter Ersatzteilversorgung, breit gestreutem know how, und billigem Kraftstoff.
    Das Leben braucht eine gesicherte Existenzgrundlage - Wohnen - Essen - Energie - Medizinversorgung - Luxus kommt, aber erst später!

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