Wir haben Hitler nicht gewählt – sagt exLeiter des Deutsch-Russischen Hauses

Wir haben Hitler nicht gewählt – sagt exLeiter des Deutsch-Russischen Hauses

 
Sergej Henke, erster Leiter des ehemaligen Deutsch-Russischen Hauses in Kaliningrad, hat dem föderalen Portal EurAsienDaily ein Interview gegeben. Sein Interviewpartner bat ihn um eine Einschätzung der gegenwärtigen Lage in Deutschland. Seine Einschätzung zeigt keinen Optimismus.
 

Sergej Henke ist RusslandDeutscher und hat in der Anfangszeit das Deutsch-Russische Haus in Kaliningrad geleitet. Seit diesem Zeitpunkt gab es eine Reihe von Ereignissen: Das Deutsch-Russische Haus existiert nicht mehr und Sergej Henke ist aus der CDU aus- und in die AfD eingetreten.
 
Foto (Privatarchiv Henke): Kollektiv des Deutsch-Russischen Hauses 1999

Andrej Wypolsow, Interviewpartner von Sergej Henke, befragte diesen nach dem Image der Partei AfD. In Russland ist bekannt, dass die Partei häufig als rechtslastig eingestuft wird und eine Reihe von Mitgliedern sogar als Faschisten bezeichnet werden. Sergej Henke bestätigte dies und informierte, dass man auch ihn bereits als Faschisten bezeichnet habe. Sogar einer seiner langjährigen Geschäftspartner, der Vertreter von BMW in Kaliningrad, habe ihn so tituliert. Der Kontakt brach natürlich ab.
 
Foto (Privatarchiv Henke): Familie Henke. Sergej rechts neben Stalin
 
Henke kommentierte, dass das Wort „Faschist“ in Deutschland gegenwärtig sehr inflationär benutzt werde. Wer nicht auf der allgemeinen Linie liegt, gerät schnell in diesen Verdacht.
 
Henke erinnerte an die Situation in der ehemaligen DDR, die damals, der heute in Deutschland herrschenden Situation, sehr ähnlich war. Man war im Jahre 1989 über die Entwicklungen entsetzt und suchte einen Schuldigen und einen Ausweg aus der Situation. Schnell wurde die Gefahr von „Rechts“ publiziert, die populäre Losung „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen“ durch die Phrase „Sozialismus in den Farben der DDR“ ersetzt. Somit, so schätzte Henke ein, besteht durchaus die Gefahr, dass sich die DDR-Geschichte, sprich der Zerfall des Staates, durchaus in gewisser Weise im heutigen Deutschland wiederholen könnte.
 
Grafik: Entwicklung etablierter Parteien in Deutschland
 
Die etablierten Parteien fürchten panisch den Verlust von Mandaten. Sie haben keine neuen Ideen oder Visionen für das Land. Man habe von traditionellen Werten Abstand genommen. Auch ist es verpönt, den Begriff „… ich bin deutscher Patriot“ zu verwenden. Deutschland gibt Schritt für Schritt immer mehr seine nationale Souveränität, zugunsten einer europäischen auf.

Henke will nicht ausschließen, dass die CDU, aus der er ausgetreten ist und die SPD das gleiche Schicksal erleiden könnten, wie die SED in der ehemaligen DDR.
 
Grafik: Ergebnisse und Prognose zu Bundestagswahlen
 
Angesprochen auf die Sanktionen, die gegenwärtig durch Deutschland im Verhältnis zu Russland verhängt worden sind, glaubt Henke, dass diese bis zu Neuwahlen nicht geändert werden. Es gibt bereits jetzt viele Deutsche, die meinen, dass diese sinnlosen Sanktionen, die nur Verluste für Deutschland bringen, aufgehoben werden sollten. Eine reale Chance sieht er jedoch erst nach den Wahlen.
 
Kritisch sprach sich Henke ebenfalls zur Energiepolitik der Bundeskanzlerin aus, die die Atomkraftwerke in Deutschland abschaltet, damit ein Energiedefizit schafft und dieses Defizit durch den Kauf von Atomenergie aus anderen Ländern versucht auszugleichen.
 
Ebenso kritisch äußerte er sich zur Migrationspolitik der Bundeskanzlerin. Ihm ist kein Fall bekannt, wo ein Staat die Kontrolle über seine Grenze nicht durchführt. Deutschland hat diese Kontrolle aufgegeben und einen Massenzustrom von Migranten provoziert.
 
Henke kritisierte den Auftritt des Bundespräsidenten Steinmeier in Israel. Steinmeier hatte sich geweigert, die deutsche Sprache für seine dortige Rede zu verwenden. Dies sei die Sprache der Verbrecher. Henke verwahrt sich im Interview dagegen. 80 % aller Deutschen kennen die englische Sprache nicht. Es besteht die Gefahr des Verlustes der deutschen Heimat. Aber Heimat, so Henke, beginnt mit der Sprache. Wie weit der Verlust der deutschen Heimat bereits getrieben wurde, zeigt ein Video aus dem Jahre 2013, wo Kanzlerin Merkel sich weigert, die deutsche Fahne in die Hand zu nehmen.
 
 

Angesprochen auf die Rolle der RusslandDeutschen im Großen Vaterländischen Krieg, kommentierte Henke, dass die RusslandDeutschen Hitler nicht gewählt haben und dass die RusslandDeutschen bei der Verteidigung des Landes eine große Rolle gespielt haben. Tausende haben an vorderster Front gekämpft und sind mit hohen Auszeichnungen versehen worden. Was die Deportationen 1941, auch als Evakuierung oder Umsiedlung bezeichnet, anbelangt, so ist das der Beitrag der RusslandDeutschen, um einen Teil der Schuld des deutschen Volkes für die Verbrechen, die in der Sowjetunion verübt worden sind, zu übernehmen.

 

Grafik: RusslandDeutsche in der Russischen Föderation
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Kommentare ( 3 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 3. Juni 2020 17:27 pm

    Wer die AfD unterstützt, in der ein Bernd Höcke eine "führende" Rolle spielt, unterstützt damit natürlich Faschisten. Und wie soll man solche Leute dann auch anders nennen?
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    "Wer nicht auf der allgemeinen Linie liegt, gerät schnell in diesen Verdacht."
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    Das ist natürlich Unsinn. Es herrscht Meinungsfreiheit. Und nicht nur für die AfD-Mitglieder, sondern auch für alle anderen - was AfD-Mitglieder so noch nicht verstanden haben.
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    Ich für meinen Teil bin froh, dass Herr Henke (hoffentlich) in Kaliningrad / RU bleibt. Leider gibt es genug Russlanddeutsche, die nach Deutschland kommen und meinen rechte Parteien wählen zu müssen (so wie auch ein Teil der ehemaligen DDR-Bürger).

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. Juni 2020 17:38

      ... Herr Henke ist deutscher Staatsbürger und lebt in Deutschland (Berlin, Hellersdorf). Und er hat, genau wie Sie, eine eigene Meinung.

      Ansonsten wirbt doch Deutschland selber für Zuwanderung von Menschen aus der ganzen Welt. Und dann muss man diesen Menschen die zuwandern auch zugestehen, dass sie mit ihrer Weltansicht kommen. Oder muss die eigene Meinung an der deutschen Grenze abgegeben werden, damit man eine Einreise und einen Aufenthaltstitel bekommt? Die AfD ist, wenn ich denn richtig informiert bin, von den Wählern in den Bundestag und in viele Landes- und Kommunalvertretungen gewählt worden - also ein Element der demokratischen deutschen Gesellschaft ...

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 4. Juni 2020 14:19 pm

    Man muß seine eigene Meinung natürlich nicht abgeben. Wenn aber jemand kommt und das Anliegen (insbesondere aktiv, auch durch eine Mitgliedschaft) unterstützt, eine liberale, freiheitliche demokratische Gesellschaft abzuschaffen und gegen Minderheiten hetzt, dann soll er bitte nicht kommen. Ansonsten sind alle herzlich willkommen.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 19. Juni 2020 13:23 pm

    In der BRD hat man sich, auch nach der Übernahme der DDR nicht eindeutig vom Dritten Reich distanziert und hat diese Begriffsbestimmungen "Nazi" und "Faschist" nicht dem Gesellschaftssystem zugeordnet, zu dem es gehört. Man hätte sich ins eigene Gesicht geschlagen. Ich will da nur an den Aufbau der Bundeswehr, den Gehlen-Geheimdienst, die Nazi-Richter und -Staatsanwälte, Sogar Staatssekretäre in Regierungsverantwortung, Ministerpräsidenten erinnern. Nicht zu vergessen sind doch die Auftritte führender Minister auf den "Heimattreffen" der "Vertriebenenverbände", Verbote von KPD und FDJ .... u. a. bis zum Ende der neunziger Jahre, wo ein SPD-Kanzler die Bundeswehr in einen Krieg gegen Restjugoslawien schickte, nachdem auch die deutschen GD fleißig mit daran gebastelt hatten, daß dieses Jugoslawien mit einem sozialismusähnlichen Anstrich durch die nationalistischen Führer dieser Teilrepubliken auseinander geschlagen wurde, durch die Hilfe der Nachkommen der alten deutschen Faschisten.

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