Wird Kaliningrad umbenannt? „Leonow“, ohne Grad, ohne Berg und ohne König.

Wird Kaliningrad umbenannt? „Leonow“, ohne Grad, ohne Berg und ohne König.

 

Ein trauriger Grund ist in Kaliningrad Anlass, die Diskussion um die Umbenennung der Stadt wieder aufflammen zu lassen. Initiator der neuen Diskussion, einhergehend mit einer Umfrage unter der Bevölkerung, ist das liberale Informationsportal „newkaliningrad“.

Der russische Kosmonaut Alexej Leonow ist im Alter von 86 Jahren in Moskau gestorben.

Er ist Kaliningrader.

Seine Eltern siedelten im Jahre 1947 nach Kaliningrad, als er 13 Jahre alt war.

Hier beendete er die Mittelschule und begann seine militärische Laufbahn.

Er ist sowjetischer Kosmonaut Nr. 11 und der erste Mensch, der sich im freien Kosmos aufhielt. Zweimal wurde er als „Held der Sowjetunion“ ausgezeichnet.

Sein Tod wurde am Freitag bekannt und sofort startete das liberale Informationsportal „newkaliningrad“ eine Umfrage unter den Lesern. Das Portal hat eine tägliche Zugriffsquote von durchschnittlich 40.000 Lesern und zählt zu den führenden Informationsportalen der Region. Das Portal ist bekannt für seine ausgesprochen kritische Einstellung zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozessen und zu gegenwärtigen föderalen und regionalen Entscheidungsträgern. Es ist auch bekannt für seine deutschfreundliche Ausrichtung.

Die Umfrage dreht sich um die Umbenennung der Stadt Kaliningrad und Anlass für diese Umfrage ist anscheinend der Tod von Alexej Leonow, was Vergleiche zu historischen Vorgängen im Jahre 1946 zulässt.

Am 7. April 1946 wurde mit Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR das „Königsberger Gebiet“ im Bestand der Russischen sozialistischen föderativen Sowjetrepublik geschaffen. Die Hauptstadt des Gebietes wurde „Königsberg“. Dann starb Kalinin und am 4. Juli 1946 erhielten Stadt und Gebiet den Namen Kalinin.

 

 

 

 

Die Umfrage wird wie folgt formuliert:  

Wenn die Frage über eine Umbenennung Kaliningrads stehen würde, welche Variante würden Sie auswählen?

 

Und die Teilnehmer können unter folgenden Antwortvarianten auswählen:

  • Königsberg. Dies ist die historische Bezeichnung und ich sehe darin nichts Schlechtes, genauso wie bei der Bezeichnung Leonow.
  • Kaliningrad. Ich bin es so gewöhnt.
  • Leonow. Das ist der bekannteste Bürger der Stadt in der Nachkriegszeit
  • Baltisk. So sollte die Stadt mal heißen, doch dann starb plötzlich Kalinin, der überhaupt keine Beziehung zur Stadt hatte.

Es sollte niemanden verwundern, das schon wenige Stunden nach dem Start der Umfrage, die Antwortvariante „Königsberg“ mit großem Abstand an der Spitze liegt.

Es liegt in der Natur der Sache, dass derartige Umfragen auf Informationsportalen keinen besonderen Abstimmungsschutz haben, also jeder nur einmal abstimmen kann. Und wir wissen, dass es einfache technische Möglichkeiten gibt, derartige Umfragen zu manipulieren und niemand wird deswegen zur Verantwortung gezogen. Dazu sind diese Umfragen zu unbedeutend.

Werfen wir einen kurzen Blick auf eine weitere Umfrage, nämlich die auf dem Portal von „Kaliningrad-Domizil“, wo die Frage nach der Anzahl der deutschen Generalkonsuls, die seit 2004 in Kaliningrad ihren Dienst durchgeführt haben, gestellt wurde. Neben drei konkreten Zahlenvorgaben, wovon eine richtig ist, wurde auch eine weitere Antwort vorgegeben, die einfach nur testen sollte und der Test ist gelungen.

Die Antwortvariante lautete: „Königsberg ist Deutsch und braucht keinen Generalkonsul“

Die Mehrzahl der bisherigen Teilnehmer an der Umfrage, also 40 Prozent, fordern nicht mehr und nicht weniger, als dass der deutsche Generalkonsul abreisen und das Generalkonsulat selber geschlossen werden soll, denn Kaliningrad existiert nicht und Königsberg ist Deutschland.

Man kann also somit zu der einfachen schlichten Feststellung kommen, dass „Kaliningrad-Domizil“ ein revanchistisches Informationsportal ist, welches ewig Gestrigen und ostpreußischen Revanchisten eine Plattform bietet für die Forderung: „Königsberg heim ins Reich.“

Ebenso wäre es sehr einfach und schlicht zu behaupten, dass das Informationsportal „newkaliningrad“ mit seiner jetzigen Umfrage einer weiteren „End-Russifizierung“ des Gebietes Vorschub leistet. Dem ist nicht so, denn als Antwortvariante schlägt das Portal auch „Leonow“ vor. Leider können sich mit diesem Namen nur wenige anfreunden.

Aber vielleicht ist der Tod von Alexej Leonow trotzdem Anlass, über einen neuen Namen für die Stadt nachzudenken:

„Leonow“, ohne Grad, ohne Berg und vor allem ohne König.

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Kommentare ( 1 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 12. Oktober 2019 09:40 pm

    Mit Personennamen, noch dazu, wenn die Person im aktuellen Zeitrahmen lebte, ist es durchaus problematisch. Wobei Leonow sich keine perse schlechte Wahl wäre. Da Königsberg wohl ausscheidet, wäre aus meiner Sicht Baltisk der Name der Wahl.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 12. Oktober 2019 09:55

      ... ja, Personennamen sind immer problematisch, selbst wenn die Person heute nicht umstritten und hochangesehen ist, so kann dies in 50 Jahren ganz anders aussehen - wie wir ja am Beispiel von "Kalinin"grad sehen. 1946 war er hochangesehen und auf keinen Fall umstritten.

      Was "Baltisk" anbelangt, so geht dieser Name nicht - es sei denn, man will wieder Probleme schaffen, denn diese Stadt gibt es bereits im Kaliningrader Gebiet. Dort ist der Standort der Ostseeflotte und ich glaube nicht, dass die jetzigen Bewohner den Namen freiwillig abgeben.

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