Wo ist Prigoschin? 250.000 USD Belohnung ausgesetzt

Wo ist Prigoschin? 250.000 USD Belohnung ausgesetzt
 
Am Freitag der vergangenen Woche veröffentlichten russische Medien den weltweiten Fahndungsaufruf für den russischen Staatsbürger Prigoschin. Die Fahndung ausgerufen hatte aber nicht der russische Sicherheitsdienst FSB, sondern der amerikanische Dienst FBI.
 
 
Anfänglich hatte ich die Absicht, diese Meldung zu ignorieren. Dass Amerikaner weltweit nach ihnen nicht genehmen Personen fahnden und diese auch durch Drittstaaten, in Drittstaaten verhaften lassen, ist an sich nichts Neues. Jeder Bürger dieser Welt, der reisefreudig ist, muss sich ständig bewusst sein, dass Amerika mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Feinden sucht. Und Feinde – das wissen wir – hat Amerika viele. Somit ist auch niemand vor irrtümlicher Verhaftung geschützt. Stellen Sie sich vor, Sie tragen den Namen Müller, Meier, Lehmann oder Schulze … wie schnell kann es da zu Verwechselungen und Irrtümern kommen.
 
 
Aber ich schweife ab. Das FBI sucht Jewgeni Prigoschin und hat eine Belohnung von 250.000 USD für Hinweise ausgesetzt, die dazu führen, dass dieser Mann verhaftet werden kann. Insbesondere möchte das FBI den Wohn- und somit Aufenthaltsort von Prigoschin erfahren.
 
 
Für diejenigen, denen der Name Prigoschin nichts sagt … Ich hatte ihn in der letzten Zeit in meinen Berichten mehrmals erwähnt. Die USA verdächtigen Prigoschin, die Schmutzarbeit für Putin zu erledigen. Putin hat sogar in einem Interview Zeit gefunden, darauf zu antworten. Hören wir mal kurz rein:
 
Videoeinspielung: Putin antwortet auf die Frage nach Prigoschin
 
Und Prigoschin spielt eine nicht unwesentliche Rolle im Zusammenhang mit Nawalny. Eine seiner Firmen, die Firma „Konkord“, hat alle Schulden Nawalnys im Zusammenhang mit mehreren Gerichtsprozessen aufgekauft und beginnt diese jetzt Schritt für Schritt einzutreiben. Bisher ist eine Summe von 128 Mio. Rubel bekannt. Man kann getrost davon ausgehen, dass Prigoschin nicht die Absicht hat, dem Kriminellen Nawalny auch nur eine Kopeke zu schenken.
 
Also, kurz zusammengefasst, Prigoschin spielt schon eine nicht unerhebliche Rolle im gesellschaftlichen und unternehmerischen Leben in Russland. Und anscheinend schätzen die Amerikaner den Mann, der auch gerne als Koch Putins bezeichnet wird, als so gefährlich für die Sicherheit Amerikas ein, dass man ihn zur Fahndung ausgeschrieben hat. Wobei, die Summe von 250.000 USD hört sich natürlich für einen normalen Arbeitnehmer hoch an, aber wenn es um die Sicherheit Amerikas geht, stellt dieses Kopfgeld für Prigoschin doch eher eine Beleidigung dar … sie ist einfach zu klein.
 
Aber am Samstag meldeten föderale russische Medien, dass es bereits jemanden gibt, der sich dieses Geld verdienen möchte.
 
Über das Sozialnetzwerk VKontakte, dem Konkurrenten von Facebook, wurde dem FBI mitgeteilt, dass Herr Prigoschin in St. Petersburg, Uferstraße Leutnant Schmidt, Haus Nr. 7 wohnt. Der Informant bittet um die Überweisung von 250.000 USD. Wer der Informant ist, ist auch bekannt, denn er zeigte Gesicht. Es handelt sich um den Pressedienst der Firma „Konkord“. Die Lacher sind jetzt sicher auf der Seite von Prigoschin. Bleibt allerdings abzuwarten, ob das FBI sein Versprechen einhält und das Geld überweist. Wenn nicht, so sollten sich alle anderen, wirklichen Verräter, darauf einrichten, dass das FBI auch ihnen die berühmte Figur aus drei Fingern zeigt … wir wissen ja, der Verrat ist beliebt, der Verräter nicht.
 
Foto: Figur aus drei Fingern
 
Videoeinspielung: Putin zum Verrat
 
Vielleicht noch ein paar Überlegungen zur eigentlichen Thematik – der Verfolgung von „Feinden Amerikas“ durch Amerika. Auf der Feindesliste stehen einige russische Staatsbürger und die Praxis zeigt, dass die Amerikaner in dieser Frage nicht scherzen, denn es sitzen bereits einige russische Bürger in den US-Gefängnissen – mit langen und sehr langen Haftstrafen.
 
Und vor Verfolgung ist kein russischer Bürger sicher. Alle die, die in der Vergangenheit in Russland viel Geld verdient haben und dieses nicht in die russische Wirtschaft re-investiert, sondern lieber ins freiheitlich-demokratische westliche Ausland transferiert haben, dort Immobilien, Yachten, Autos, Fußballclubs und vieles Entbehrliche mehr gekauft haben, sollten vielleicht langsam überlegen, ob man sich neu ausrichten sollte. Steht man erstmal auf der Fahndungsliste, nützt einem der ganze Reichtum nichts, wenn die USA die Beschlagnahme veranlassen. Man verliert alles, was man seit 1991, mehr oder weniger ehrlich, verdient hat.
 
Man könnte sich natürlich entschließen, die Seite zu wechseln und zum Verräter werden. Das verschließt dann die Tore nach Russland. Manche sind diesen Weg gegangen. Aber was ist das schon für ein Leben, wenn man weiß, dass man gegen Gesetze des Staates verstoßen hat, deren Staatsbürgerschaft man besitzt und das Rechtssystem des Staates, insbesondere wenn es um Verrat geht, dieses nicht vergisst. Und so, wie die USA eine „Feindesliste“ haben, so wird es wohl auch eine „Feindesliste“ in Russland geben – vermute ich mal.
 
Somit bleibt der Weg, seine ausländischen Aktiva, unter Nutzung der Amnestiegesetzgebung, die nach wie vor in Russland gilt, in die Heimat umzulagern. Rechtzeitige Gespräche an der richtigen Stelle, werden diese Pläne sicherlich begünstigen. Ich stelle mir vor, die vielen Milliarden USD oder Euro fließen zurück, dorthin, wo sie hergekommen sind. Der Milliardär investiert dieses Geld in neue Kindergärten, Schulen, Einrichtungen des Gesundheitswesens und vermietet diese Gebäude und Einrichtungen an den Staat, langfristig. Alle sozialen Probleme des Landes können innerhalb von fünf, vielleicht zehn Jahren gelöst sein. Der russische Staat, der gegenwärtig nicht über die vielen Milliarden verfügt, die man für dieses Programm benötigt, verfügt aber ganz bestimmt über die wenigen Milliarden, die er an Miete zu zahlen hat.
 
Und wenn man an jedes dieser Gebäude eine kleine Hinweistafel anbringt, so weiß schon jedes Kind im Kindergarten, dass der exOligarch, der heutige erfolgreiche Unternehmer Iwan Iwanowitsch Iwanow das alles errichtet hat und Klein-Wowa wird zu seinem Kindergarten, seiner Schule, seiner Poliklinik aufschauen, wie ehemals die Kommunisten zum Lenin- oder Stalin-Denkmal aufgeschaut haben und viele werden an seinem Grab in Dankbarkeit weinen. 

 

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Kommentare ( 6 )

  • Günther Tröge

    Veröffentlicht: 28. Februar 2021 18:18 pm

    Sehr gute Einschätzung der Zusammenhänge bei diesem Fahndungsaufruf. Wahrscheinlich geht es hierbei auch um die weltweite Rufschädigung des Gesuchten.

  • Gerald Hübner

    Veröffentlicht: 28. Februar 2021 22:12 pm

    Vielen Dank für den Beitrag, der jedoch ein wenig zynisch klang. Viele Grüße aus Potsdam

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 28. Februar 2021 22:33

      ... wieso "ein wenig" ...? Ich habe mir größte Mühe gegeben, ihn "ein wenig mehr" ... klingen zu lassen.

  • Günther Tröge

    Veröffentlicht: 1. März 2021 13:47 pm

    Nun als etwas zynisch würde ich die Darlegungen des Herrn Niemeier nicht beurteilen. Eher kommt in dessen Worten seine Haltung zur Realität mit den Zusammenhängen rund um den Fall Navalny zum Ausdruck. Was mich in diesen Zusammenhängen eher noch bewegt, ist die Frage, wieso wurde mit dem russischen Bürger soviel Geduld bei seinen Verletzungen der Bewährungsauflagen geübt während man bei anderen Bürgern diese Nachsicht nicht ausübt. Es gibt hierbei noch weitere offene Fragen zur Person aber die muessen sich die Russen selber beantworten.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 1. März 2021 13:49

      ... es laufen gegenwärtig umfangreiche Ermittlungen in den verschiedensten Behörden um all diejenigen herauszufinden, die Nawalny in irgendeiner Weise unterstützt haben. Und man hört ab und zu mal von Verhaftungen - gerade erst heute ist wieder ein Major aus dem Innenministerium verhaftet worden ... tja, so weit sind wir schon ...

  • Günther Weiler

    Veröffentlicht: 1. März 2021 14:05 pm

    Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, Herr Niemeier! Die USA reglementieren die Freiheiten von Bürgern anderer Staaten weltweit, sind aber nicht bereit, einen eigenen Staatsbürger an irgendein anderes Gericht auszuliefern, selbst bei erwiesenen Kriegsverbrechen an z.B. den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Soviel Überheblichkeit muss man erst einmal aufbringen!
    Dennoch: Im konkreten Beispiel reden wir hier von Prigoschin! Prigoschin!!! Ist das nicht der Typ, dessen Firma erwiesener Maßen Schulessen ausgeliefert hat, an dem Schulkinder verstorben sind? Und das zum wiederholten Male? Und wurden diese Vorwürfe (übrigens meines Wissens auch von Alexei Nawalny aufgedeckt) nicht sogar von einem russischen Gericht bestätigt und eine Strafe verhängt? Abgesehen davon, dass ich es überhaupt nicht nachvollziehen kann, dass Nawalny im Anschluss eine weitaus höhere Strafe wegen angeblicher Ruf- und Geschäftsschädigung (und dabei hat er ja nur die Wahrheit gesagt) erhalten hat, ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 1. März 2021 14:10

      Sie sind nicht richtig informiert. Eben wegen dieser Verleumdung wegen angeblich vergiftetem Schulessen, ist Nawalny zu einer Strafe von 88 Mio. Rubel verurteilt worden. Die Firma "Moskauer Essen" ist nicht wegen qualitätsgemindertem Essen und schon gar nicht wegen irgendwelcher Todesfälle unter Kindern verurteilt worden.

  • Günther Weiler

    Veröffentlicht: 1. März 2021 14:09 pm

    ... ist es doch eigentlich egal, ob FBI, FSB oder meinetwegen auch der Mossad den Herrn Prigoschin zu Rechenschaft zieht. Hauptsache, er bekommt endlich seine gerechte Strafe! Und die könnte auch nur darin bestehen, dass er seinen eigenen Fraß vorgesetzt bekommt ...
    Ansonsten: Vielen Dank an Sie für Ihre Mühen, uns mit Informationen aus "alternativen Quellen" abseits des Mainstreams zu versorgen! Так держать!

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 2. März 2021 02:44 pm

    Hallo Herr Weiler, Sie sind ganz offensichtlich auf einem vollkommen falschen Dampfer. Nawalny, der selbst korrupte angebliche Korruptionsaufdecker und -bekämpfer hat ganz offensichtlich einigen russischen Firmen Korruption und Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen, was nicht stimmte. Eine davon, die Moskauer Firma, die die Essensversorgung für Schulen und Kindergärten sicherstellte, hatte durch Nawalnys Beschuldigungen und Verleumdungen große finanzielle und Ansehensverluste erlitten, hat sich aber gerichtlich gewehrt und Nawalny wurde zu Schadensausgleich von 88 Mio. Rubel verurteilt, die er aber nicht bezahlen kann. Jewgeni Prigoschin ist ein russischer Unternehmer und Millionär, dem der Nawalny ganz offensichtlich "nicht sehr sympatisch" ist. Er hat der Moskauer Firma diesen Gerichtstitel abgekauft und ist nun Nawalnys Gläubiger, der alles daran setzt, daß diese Kanallie nie wieder Gelder und einen Mitarbeiterstab haben wird, um russische Unternehmen zu verleumden.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. März 2021 06:10

      ... besten Dank für die etwas ausführlichere Antwort. Ich hatte mich wohl sehr kurz gefasst ... ich dachte, diese Fakten wären allgemein bekannt ...

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