Wohin mit dem Geld? Russische Geldexporteure mit neuen Sorgen.

Wohin mit dem Geld? Russische Geldexporteure mit neuen Sorgen.
 
Eine kleine, unscheinbare Information in russischen föderalen Medien zeigte, dass es nicht mehr möglich ist, über die gegen Russland und die Russen verhängten Sanktionen, einen Überblick zu behalten. So ist am 26. November eine Sanktion in Kraft getreten, die wohl einigen russischen Staatsbürgern Kopfzerbrechen bereiten wird.
 
 
Dass es keine russischen Oligarchen gibt, habe ich in mehreren Beiträgen bereits versucht, meinen deutschen Zuschauern und Lesern zu vermitteln. Es gibt nur amerikanische Oligarchen mit russischer Staatsbürgerschaft. Diese haben in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts ihr Land an die Amerikaner verscherbelt. Ein Teil der sowjetischen Ressourcen, die aus irgendwelchen Gründen den Amerikanern und anderen westlichen Demokraten erhaltenswert erschienen, worden privatisiert. Als Treuhänder wurden russische Bürger, die sogenannten Oligarchen, eingesetzt. Ihnen gehört nichts, sie verwalten es nur, werden aber für ihre Verwaltungstätigkeit fürstlich bezahlt.
 
Die Oligarchen haben natürlich schon immer geahnt, dass sie eines Tages vom russischen Staat zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Deshalb haben sie große Teile ihres Reichtums in die westlichen Staaten verlagert, auf Banken eingelagert, in Offshore-Zonen gebracht – in dem Glauben, dass es dort sicherer ist, als in ihrem eigenen Land.
 
Eine gewisse Zeit war das auch richtig. Aber irgendwann, sagen wir mal ab dem Jahre 2014, gab es sehr viele Signale und Warnungen, dass andere Zeiten anbrechen. Viele haben diese Warnungen und Hinweise einfach überhört oder nicht für ernst genommen. Wie hatte Putin es formuliert – natürlich aus einem anderen Anlass:
 
Videoeinspielung: … dann hört uns jetzt zu
 
Es gab aber nicht nur Oligarchen, sondern auch russische Unternehmer, die irgendwann in den 90er Jahren genügend Mut hatten, ein neues Geschäft zu gründen und zu entwickeln.
 
Auch diese trauten in der überwiegenden Mehrzahl nicht ihrem Staat und organisierten das Geschäft so, dass ein Großteil der Gewinne im westlichen Ausland blieb, vorbei an der russischen Steuer. Der Phantasie, wie man dies organisieren kann, waren keine Grenzen gesetzt. Die russische Gesetzgebung hierzu war auch außerordentlich großzügig.
 
Das russische Landwirtschaftsministerium hat vorgeschlagen das Exportverbot für Reis bis Juni 2023 zu verlängern. Der Vorschlag zielt auf die Gewährleistung der Versorgungssicherheit des Landes ab. Das erste Exportverbot galt ab 1. Juli 2022 und war ausgerichtet auf eine stabile Preispolitik und die Gewährleistung einer stabilen Versorgung der Viehzucht. Durch eine Havarie im April 2022 wurden große Teile der Reisanbaufläche in Russland nicht nutzbar.
 
Auch für diesen Kreis von Geldverdienern waren die Signale ab 2014 bestimmt.
 
Aus eigenen Erfahrungen, ich habe mit einigen, mir bekannten russischen Unternehmern gesprochen, weiß ich, dass das Misstrauen dem eigenen Staat gegenüber, noch bis Anfang des Jahres größer war, als gegenüber den schon offensichtlich russophoben Staaten. Alles das, was diese Staaten gegen Russland und seine Bürger unternahmen, wurde nicht diesen angelastet, sondern Putin und seiner Politik.
 
Videoeinspielung: Putinzitat
 
Die wenigsten waren bereit, im Interesse der russischen Gesellschaft zu denken. Wir wissen heute, dass ein nicht kleiner Teil der russischen Unternehmer auch heute noch negativ dem russischen Staat gegenüber eingestellt ist, nicht über mögliche Perspektiven für eine Neuausrichtung des Unternehmens nachdenken, sondern einfach nur schimpfen und nörgeln. Dabei merken viele nicht, wie andere Russen die Chance nutzen, sich auf dem Markt besser zu platzieren und dabei alte Nörgler und Unzufriedene einfach aus dem Markt ausbooten.
 
Und viele dieser Russen, die über Jahre gutes und sehr gutes Geld verdient und dies im Ausland gelagert haben, haben auch die aktuellen Signale der Zeit verpasst.
 
Reden wir heute nicht über diejenigen, die ein Teil ihres Geldes in ausländische Immobilien angelegt haben und glauben, dass diese sicher sind. Möglich, dass heute nur Immobilien bekannter Oligarchen mit russischem Pass angetastet werden – denn es handelt sich ja bei diesen Immobilien eigentlich um amerikanisches Eigentum, was auf diese Art und Weise wieder zurückgeholt werden soll.
 
Die Firma „Citimobil“ hat vertragliche Vereinbarungen mit dem Produzenten der wiederbelebten Automarke „Moskwitsch“ getroffen. Für die Umstrukturierung des Fahrzeugparkes im Jahre 2023, hat die Firma 2.000 Fahrzeuge bestellt. Auch „Yandex-Taxi“ denkt über den Kauf von „Moskwitsch“ für seinen Fuhrpark nach. Der Verkauf der neuen Fahrzeuge soll im Dezember beginnen.
 
Morgen kann es dann aber schon anderen Immobilienbesitzern, kleinen und mittleren russischen Unternehmern, an den Kragen gehen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, außer, dass sie Russen sind. Gründe für Enteignungen und Beschlagnahmungen finden sich immer. Es gibt also keinerlei Anlass für diese russischen Immobilienbesitzer in den russophoben Ländern, sich entspannt zurückzulehnen. Die Zeit wird kommen. Ob diese dann mit anderen Immobilien entschädigt werden, die Ausländern in Russland gehören und die im Gegenzug enteignet werden, bleibt zweifelhaft.
 
Reden wir lieber über ein aktuelles, brennendes Problem, welches diese Russen nun seit dem 26. November, wohl ziemlich empfindlich, getroffen hat.
 
Zufällig habe ich diese kleine winzige Mitteilung in den russischen Medien gelesen, dass die Europäische Union beschlossen hat, dass russische Staatsbürger nur noch Bankkonten über eine Summe von höchstens 100.000 Euro haben dürfen. Am 28. November hat sich die Schweiz diesen Sanktionen angeschlossen.
 
Aus der Meldung ging nicht hervor, ob es sich um nationale Einschränkungen handelt, also der Russe in jedem Land der Europäischen Union ein Bankkonto mit einer Maximalsumme von 100.000 Euro haben darf oder ob es ein Kontoabgleich gibt und die Summe 100.000 Euro für die gesamte EU gilt. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass der Russe in jedem Land 100.000 Euro anlegen darf, so ist die Gesamtsumme von 2,7 Mio. Euro doch ziemlich mickrig … die Russen sind ja viel reicher.
 
Der russische Unternehmer und Gründungsvater der Organisation „Wagner“, Jewgeni Prigoschin kritisiert russische Unternehmer, dass diese ihren Mitarbeitern verwehren, an Ausbildungen der Organisation „Wagner“ teilzunehmen. Diese melden sich freiwillig, werden aber durch die Arbeitgeber, die irgendwo in Moskau in der Rublowka wohnen, gehindert. Prigoschin hofft, dass es nicht nötig sein wird, diese Unternehmer und Unternehmen mit Namen und Adresse wegen ihrer antipatriotischen Haltung in den Medien erwähnen zu müssen.
 
Wohin also jetzt mit dem ganzen Geld, dem ganzen Bargeld? Was passiert mit dem Geld, wenn der Russe keine Lösung für das Problem hat? Helfen die West-Banken mit diskreten Hinweisen, wie und wohin man das Geld transferieren kann?
 
Man könnte natürlich Konten in der Türkei einrichten, in Dubai, in Kasachstan … Von dort aus könnte es dann irgendwie – es funktioniert ja kein SWIFT mehr – nach Russland transferiert werden.
 
Aber dort wartet auch schon der russische Staat. Der wird ganz bestimmt keine Rücksicht nehmen auf diese leidgeprüften russischen Reichen, die nun versuchen das Geld zu retten, was sie jahrelang vor dem russischen Staat und seiner Steuerbehörde versteckt haben.
 
Man kann natürlich versuchen, das Geld im Koffer über die Grenzen zu bringen. Ein sehr hohes Risiko, ein gewaltiges sogar. Aber wenn es klappt? Was macht man dann mit diesen Fantikis in Russland?
 
Es läuft in Russland die Kampagne zur Ent-Dollarisierung, Ent-Euroisierung, Ent-Pfuntiisierung … Die Kurse sind äußerst unvorteilhaft – sowohl für den Kauf, wie auch für den Verkauf von Valuta. Mal von den mengenmäßigen Einschränkungen eines Valutaumtausches der Zentralbank ganz abgesehen.
 
Der russische Präsident Putin informierte über Rekordzahlen im russischen Wohnungsbau. Bereits jetzt wurden in diesem Jahr mehr als 87 Mio. Quadratmeter Wohnfläche gebaut. Drei Millionen russischer Familien konnten damit ihre Wohnverhältnisse verbessern – und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Lobend äußerte sich Putin zu dem Fakt, dass der Freizug von baufälligen Häusern schneller vonstatten geht, als geplant war.
 
Und wenn es doch jemanden gelingt, all dies gut über die Bühne zu bringen und er hat jetzt in seinem Keller Milliarden und Milliarden Rubel liegen, so steht die Frage, was er damit macht? Die Inflation läuft auch in Russland. Und in einem Jahr ist das Geld schon mindestens zehn Prozent weniger wert.
 
Ausgeben! Natürlich ausgeben! Aber wofür?
 
Der pfiffige Russe wird natürlich Dinge finden, für die er das Geld ausgibt. Hoffentlich ist er auch so pfiffig, sich rechtzeitig eine Antwort einfallen zu lassen, wenn die Steuerprüfung bei ihm an die Tür klopft und fragt, wo er denn all das Geld herhat, mit dem er die pfiffigen Einkäufe getätigt hat.
 
Wie hat mein Vater einmal formuliert: „Hast Du wenig Geld, hast Du viele Sorgen. Hast Du viel Geld, hast Du noch mehr Sorgen.“
 
Bei der Gelegenheit habe ich mich auch an Deutsche erinnert, die jetzt Ihr Geld, aus welchen Gründen auch immer, nach Russland retten wollen. Einige wollen es vielleicht wirklich, aus naiver Erwartung, retten. Andere hoffen auf gute Zinseinnahmen, verdrängen das Kurs- und Sanktionsrisiko und erleben nach einem Jahr das bittere Erwachen. Andere handeln im Auftrage Dritter und legen Konten an, um die Fünfte Kolonne in Russland zu finanzieren. Das Ganze kann schnell ein noch bitteres Ende nehmen, wenn Russland nach Quellen sucht, um den Diebstahl von 300 Mrd. USD Internationaler Valuta- Staatsreserven, durch die europäischen Banken, zu kompensieren.
 
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Sie sahen einen Beitrag von „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihr Interesse. Tschüss und Poka aus Kaliningrad.
 
 
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