Zwei Präsidenten sprechen miteinander: Putin und Makron

Zwei Präsidenten sprechen miteinander: Putin und Makron
 
Man merkt es – die diplomatischen Aktivitäten laufen auf Hochtouren. Es scheint, dass die westlichen Politiker durchaus real einschätzen, was es bedeutet, wenn der russische Bär aus seiner Höhle kommt. Wäre dem nicht so, würden die westlichen Politiker nicht Schlange stehen, um mit Putin zu sprechen.
 
 
Persönlich bin ich in meinen Gefühlen hin- und hergerissen. Meine, vor einigen Monaten geäußerte Meinung, dass ich an keinen Krieg glaube, würde ich heute so eindeutig nicht mehr formulieren. Einen Krieg, so wie ihn das faschistische Deutschland am 22. Juni 1941 begonnen hat – nein, an einen derartigen Krieg, geplant und ausgelöst von den USA, glaube ich auch heute nicht. Allen ist völlig klar, dass dies das Ende der Welt bedeutet. Ich befürchte, dass, wenn sich die NATO weiter nach Osten bewegt und Russland das Angekündigte umsetzt, d.h. seine Armee der NATO entgegenbewegt, man also auf die sprichwörtliche Tuchfühlung geht, es aus einem unglücklichen Moment heraus zur Initialzündung kommen könnte – von allen eigentlich ungewollt, aber geschehen und nichts und niemand kann irgendetwas aufhalten.
 
Zum anderen glaube ich aber auch, dass die gegenwärtige Situation nur ein, vielleicht letzter Versuch ist, Seitens der westlichen Demokratien alles in eine Waagschale zu werfen und zu sehen, wie der russische Bär reagiert, zu sehen, ob man noch die Macht hat, die Macht Russlands in ihrer Entwicklung aufzuhalten, oder ob man vielleicht doch einfach nur die Welt wieder in Ost und West teilt. Man testet gegenwärtig ganz einfach, um dann für die Zukunft die berühmte Rote Linie zu kennen. Der Begriff „Friedliche Koexistenz“, allen aus den Zeiten des Kalten Krieges gut bekannt, zumindest jedoch denen, die sich wirklich mit der Geschichte beschäftigen und nicht nur in den Sozialnetzwerken rumtrollen, wird eine Renaissance feiern.
 
Vorerst jedoch versucht man sich in friedlicher, wenn auch konsequenter virtueller oder telefonischer Diplomatie.
 
Wir erfahren aus den russischen Medien, dass Putin mit Makron telefoniert hat … und nicht nur mit ihm. Besprochen wurden das Ukraine-Thema, die Migrationskrise an der weißrussischen Grenze und der Nagorny-Karabach Konflikt.
 
Anscheinend gibt es für Putin jetzt einen Punkt in Gesprächen mit westlichen Staatschefs, der an erster Stelle steht und ohne dessen Nennung jedes Gespräch wohl sinnlos ist.
 
Putin fordert juristisch handfeste Vereinbarungen, dass sich die NATO nicht weiter nach Osten ausdehnt. Genau dieser Punkt ist jetzt Dreh- und Angelpunkt, der zentrale Punkt, der nicht nur die Rote Linie aufzeigt, sondern wohl auch über Krieg oder nicht Krieg entscheidet.
 
Putin korrigiert mit dieser Forderung den Fehler der sowjetischen Führung im Jahre 1990/91, als man mündlichen Zusicherungen der NATO leichtsinnig, aber vielleicht auch in verräterischer Absicht, Glauben schenkte. Die NATO erinnerte sich danach entweder an nichts oder formulierte ihre Expansion in wohlgedrechselten Worten. Putin zeigt nun, dass wohlgedrechselte Worte ihn nicht mehr beeindrucken. Er handelt nach dem altbekannten deutschen Spruch: „Was du schwarz auf weiß hast, kannst du getrost nach Hause tragen.“ Aber er weiß natürlich auch, dass Papier manchmal noch nicht mal das Papier wert ist, auf dem irgendetwas geschrieben steht.
 
Also, Grundforderung Russlands ist an alle NATO-Staaten, eine juristische Vereinbarung, die die Sicherheitsinteressen Russlands berücksichtigt. Gibt es diese nicht, wird es wohl recht bald handfeste militärische Aktionen geben. Ob nach diesen handfesten militärischen Aktionen der Westen aufschreit oder irgendwelche Sanktionen gegen irgendwas oder irgendwen verhängt, dürfte Russland Wurscht sein. Es geht um die Sicherheit des Landes, um das Überleben von 147 Mio. Menschen. Dem hat sich alles unterzuordnen. Russland first.
 
Die Informationen über das Telefongespräch mit dem französischen Präsidenten waren nicht sehr detailliert. Aber ich habe verstanden, dass Putin über die Stationierung von NATO-Truppen in den unmittelbaren Nachbarstaaten sprechen will – also über bereits erfolgte Stationierungen und natürlich verlangt er den Verzicht auf die Stationierung von NATO-Militär in den Staaten, die noch nicht zur NATO gehören, also z.B. der Ukraine und Georgien.
 
Selbstverständlich können die NATO-Verantwortlichen und der US-Präsident wiederholen, dass sie die Rote Linie, die Russland aufzeigt, nicht interessiert und Russland kein Recht hat, auf souveräne Entscheidungen von Staaten Einfluss zu nehmen. Aber dann wird sich eben die russische Armee an die West-, Nord- und Südgrenze des größten Landes der Erde bewegen. Und vielleicht veröffentlicht Russland dann auch eine Karte, so wie damals Gorbatschow, zu welchen Punkten der Welt die russischen Raketen fliegen werden. Wenn nur zehn Prozent dieser Raketen ihr Ziel erreichen, dürfte es auf dieser Welt keinen Diskussionsbedarf mehr geben. Und vielleicht unternimmt dann die betroffene dortige Bevölkerung Schritte zur Selbstverteidigung.
 
Putin bat den französischen Präsidenten, nein, er bat die französischen Partner, den Interessen Russlands mit Verständnis zu begegnen und an der Erörterung der Problematik aktiv teilzunehmen.
 
Anschließend sprach Putin mit einem nördlichen Partner Russlands, dem finnischen Präsidenten. Der Inhalt des Gespräches wer in etwa der gleiche. Und … damit es nicht in Vergessenheit gerät, am Montag hat Putin auch mit dem britischen Premier gesprochen. Von ihm musste sich Putin anhören, dass man ernste Folgen plane, wenn Russland seine Sicherheitsinteressen wahrnimmt.
 
 
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Kommentare ( 1 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 15. Dezember 2021 03:16 pm

    Die Schotten haben keine Lust mehr, nach der Pfeife aus London zu tanzen und wirtschaftlich dort angebunden zu sein. Sollte es Wirklichkeit werden - Schottland eine souveräne Republik, dann wird Nordirland wohl sich der Inselrepublik wieder anschließen. Dann bleibt Johnson oder irgendjemand anderes Premierminister*Innen (irre, was?) von KleinBritannien. Die alte Dame wird, wenn schon nicht vorher passiert, vor Gram sterben.

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