Alle guten Dinge sind drei - Das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad

Alle guten Dinge sind drei - Das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad

Alle guten Dinge sind drei - Das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad

Eine alte deutsche Redensart, diese drei guten Dinge und eine der Erklärungen für deren Herkunft und Bedeutung ist die Bibel. Dort ist als Ausgangspunkt die Dreifaltigkeit genannt: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Angewandt auf Kaliningrad und das deutsche Generalkonsulat bedeutet dies, dass es im dritten Anlauf endlich geklappt hat mit einem neuen und nun hoffentlich ständigen Gebäude für die deutsche diplomatische Vertretung in Kaliningrad. Und auf die Bibel geschaut müsste man sagen, es hat mit Hilfe des Heiligen Geistes geklappt - oder?

Es geht also heute um das Gebäude des Generalkonsulates der Bundesrepublik Deutschland in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg. Nun ist es endlich passiert – der Umzug.

In den letzten Wochen wurde mit Hochdruck gearbeitet …

… in der vergangenen Woche wurden Akten gepackt …

… am Wochenende wurden Fenster und Außenrevier geputzt …

… und am Samstag und Sonntag wurde umgezogen.

Nun befindet sich das Generalkonsulat mit all seinen Mitarbeitern, Akten, Computern, Telefonen und Kaffeemaschinen in der Thälmannstraße 14, der ehemaligen Herzog-Albrecht-Allee und der Besitzer des bisherigen zeitweiligen Domizils der deutschen Diplomaten in der Leningradskaja 4 muss sich neue Pächter suchen.

Foto: Gebäude des Generalkonsulats bis 25.11.2013

Bei dem neuen Haus handelt es sich um ein altes Haus in einer, zu deutschen Zeiten, bevorzugten Wohnlage. Auch heute ist die Thälmannstraße irgendwie etwas Besonderes. Und das Haus Nr. 14 beherbergte wohl schon immer deutsche Beamte, mit einer kleinen Unterbrechung von 1946 bis 2005.

Im Einwohnermeldebuch 1935 fanden wir unter der genannten Adresse einen Bruno Fastnacht, Amtsgerichtsrat. Und im Einwohnermeldebuch von 1941 finden wir noch eine Frau Martha Pahlke und einen Herrn Ordniger, Reisebeamter.

Und überhaupt, haben in der ganzen Straße immer gut situierte Leute gewohnt. Im Haus Nr. 3 ein Heerespsychologe zusammen mit einem Studienrat. Ein bisschen weiter wohnte ein Diplomlandwirt und ein Droschkenbesitzer, ein Bankbeamter und eine Kaufmannswitwe … schauen Sie einfach mal hier, wenn es Sie interessiert.

Nun sind wieder deutsche Beamte Bewohner geworden. Es war ein langer, vermutlich mühseliger Weg, vom Finden, Kaufen, Bauen, bis hin zum Einziehen.

Vier Generalkonsule haben sich mit diesem Gebäude beschäftigt, aber erst Dr. Krause, unserem jetzigen Generalkonsul, seit Herbst 2012 in Funktion, ist es gelungen, das Gebäude mit diplomatischem Leben zu füllen.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Es gibt schon Zweifel in den diversen Amtsstuben, ob das Gebäude unbedingt eine Ideallösung oder doch zumindest eine Verbesserung zum bisherigen Gebäude darstellt. Dies insbesondere im Hinblick auf die Visaabteilung, deren arbeitstechnische Belastung von Jahr zu Jahr erheblich zugenommen hat und die im neuen Gebäude nicht mehr Platz hat, als im alten, zeitweiligen Konsulat in der Leningradskaja.

Aber schauen wir optimistisch in die Zukunft – wenn denn erst die Visafreiheit zwischen Russland und der Europäischen Union eingeführt ist, so erledigt sich auch dieses Problem automatisch. Nehmen wir den Umzug heute erst einmal zum Anlass ein wenig nostalgisch zurückzuschauen. Wie hat das denn nun alles begonnen?

Im Jahre 2004 kam das sogenannte Vorkommando, bestehend aus Dr. Cornelius Sommer und Konsul Michael Scholz. Beide hatten die Aufgabe einfach bei „Null“ anzufangen. Ich finde, es ist eine reizvolle Aufgabe gewesen.

Die allererste Unterkunft fand Generalkonsul Dr. Sommer in der ul. D. Bjednogo.

Hier wohnte und arbeitete er in der zweiten Etage dieser Vorstadtvilla auf 94 m2 und von hier aus machte er sich auch auf die Suche nach einem passenden ständigen Domizil für das Generalkonsulat.

„Alle guten Dinge sind drei“, sagten wir zu Anfang unseres Artikels und so wurde das erste der drei guten Dinge, das erste zeitweilige Generalkonsulat im Hotel „Albertina“, gefunden – dank dem „Vater … Dr. Cornelius Sommer“.

Foto: Hotel Albertina, Kaliningrad, ul. D. Bjednogo

Von hier aus begann dann die Suche nach einem ständigen Gebäude für das deutsche Generalkonsulat. Es gab viele, sehr viele Vorschläge. Alleine unsere Immobilienverwaltung schlug 21 Gebäude an allen möglichen und unmöglichen Standorten in Kaliningrad vor. Letztendlich entschied man sich Anfang 2005 für das Gebäude in der Thälmann-Straße 14 – keine Ideallösung, wie wir heute wissen, aber die damaligen Verantwortlichen haben sich so entschieden – aus welchen Gründen auch immer.

Vor wenigen Tagen habe ich noch einmal einen Nostalgiespaziergang durch Kaliningrad gemacht und bin an einem Gebäude vorbeigekommen, welches ebenfalls zur Auswahl stand – allerdings für einen wesentlich geringeren Preis und an einem wesentlich schöneren Ort, doppelt so groß, direkt gelegen am Oberteich einerseits und gelegen in der Leningradskaja andererseits. Damals war die Straße mit einem Naserümpfen abgelehnt worden – schade, wie ich finde.

Im Mai 2005, einen Tag vor der Anreise von Präsident Putin, Bundeskanzler Schröder und des französischen Präsidenten Jaques Chirac nach Kaliningrad, anlässlich des 750. Jahrestages der Stadtgründung, erhielt die Bundesrepublik Deutschland die offizielle Information, dass das Gebäude in der ul. Thälmana 14 als Gebäude der diplomatischen Vertretung Deutschlands in Kaliningrad durch die russischen Behörden genehmigt wurde.

Foto: Bundeskanzler Schröder, Präsident Putin, Präsident Chiraque im Jahre 2005 in Kaliningrad

Ein Grund zur Freude für die deutschen Diplomaten. Insbesondere weil man das Beispiel der lettischen Diplomaten vor Augen hatte, die damals versucht hatten, nur eine Kanzlei in Kaliningrad zu eröffnen und hierfür mehrere Jahre brauchten. Tja, die politische Situation war damals nicht einfach.

Aber auch die weitere Arbeit mit dem Gebäude des deutschen Generalkonsulates gestaltete sich wohl nicht ganz so einfach, wie sich die damaligen Verantwortlichen dies vorgestellt hatten. Nun ja, es gibt schon einige Besonderheiten zu beachten, wenn man in Russland „geschäftlich“ tätig ist und Immobilien kauft.

Und so entschied sich der zweite Generalkonsul, Dr. Guido Herz Anfang 2007, zu einem zweiten zeitweiligen Gebäude in der ul. Leningradskaja 4. Es sollte eine Übergangslösung sein, bis alle anderen Probleme im Zusammenhang mit dem Gebäude in der Thälmannstraße geklärt sein würden. Er, der Nachfolger des ersten deutschen Generalkonsuls, also wenn man so will, in doppelter Hinsicht der „Sohn“ des „Vaters“, fand dieses Gebäude.

Foto: Zeitweiliges Domizil des deutschen Generalkonsulats 2007 - 2013 in Kaliningrad

Der Umzug erfolgte in Etappen. Zuerst die Visaabteilung und rund ein Jahr später zogen dann die restlichen Diplomaten in die Leningradskaja 4 ein.Die Visaabteilung begann hier erfolgreich zu arbeiten. Viele Kaliningrader hatten darauf sehnsüchtig gewartet, denn sie waren bisher gezwungen, mit großem Zeit- und Finanzaufwand, nach Moskau zu fahren. Die deutsche Visaabteilung unterschied sich vom ersten Tag an von den Visaabteilungen der anderen diplomatischen Vertretungen in Kaliningrad. Es gab keine Schlangen und es gab keine „Infrastruktur“ aus Buden und Kiosken rund um das Konsulat. Konsul Michael Scholz, der mit der Leitung der Visaabteilung beauftragt worden war, hat hier mit seiner Mannschaft tolle Arbeit geleistet und somit den Ruf der Deutschen als gute Organisatoren in Russland/Kaliningrad gefestigt.

Ein wenig später stellte sich heraus, dass das neu erworbene Gebäude in der Thälmann-Straße auch noch denkmalgeschützt ist. Dazu kamen noch angeblich ungeklärte Eigentumsprobleme aus grauen, postsowjetischen Vorzeiten. Gerüchte liefen, dass die Bewohner der umliegenden Villen nicht begeistert waren von der neuen Nachbarschaft. Kurz und gut, die Anzahl der Probleme nahm zu und es gab wohl keine Frage die alle Generalkonsule öfter beantwortet haben, als die Frage des Umzuges in das dritte Gebäude. Fast neun Jahre sind seit dem Kauf vergangen, fast neun Jahre musste man auf den „Heiligen Geist“ warten, aber nun hat an diesem Wochenende alles seinen glücklichen Abschluss gefunden und die Beamten arbeiten in der neuen Adresse Thälmannstraße 14 – am heutigen Montag natürlich noch nicht öffentlich, aber ab Dienstag sind die Türen und Tore für das Publikum geöffnet.

Die Nervosität war vielen, an diesem Umzug Beteiligten, in den letzten Wochen anzumerken. So richtig siegesgewiss war man sich wohl mit dem Umzugstermin auch nicht, denn es wurde immer sehr vorsichtig bei offiziellen Anlässen, aber auch im Rahmen von privaten Gesprächen formuliert – verständlich natürlich, denn alle bisherigen laut ausgesprochenen Termine „platzten“.

Und es gab und gibt noch jede Menge anderer Informationen die ahnen lassen, dass der ideale Arbeitszustand wohl nicht sofort eintreten wird. Da kann man dann nur hoffen, dass alle die notwendigen Nerven haben und die richtigen Maßnahmen einleiten, wenn mal irgendetwas nicht ideal läuft.

Selbst die eingesetzten deutschen Bauarbeiter reagierten nervös, als unsere Informationsagentur eine Woche vor dem Umzugstermin Fotoaufnahmen machen wollte und neugierige Bahnen um das Gebäude zog. Man verwies auf Geheimdienste die sich vielleicht für das Gebäude interessieren. Aber da sind die Sorgen bestimmt übertrieben, denn Amerikaner sind nicht in Kaliningrad. Da gab sich dann der deutsche Bundespolizist, der mitverantwortlich ist für Sicherheitsfragen im Generalkonsulat, schon etwas cooler. An der Stelle somit ein Dank an Sebastian „…“ für seine Hilfe und Unterstützung für uns und unsere Neugierde am Wochenende.

Foto: Erste Eindrücke vom neuen Domizil des deutschen Generalkonsulats

Auch der deutsche Generalkonsul Dr. Krause wird wohl am Wochenende durchgeatmet und am heutigen Montag früh tief durchgeatmet haben, dass nun unter seiner Leitung das (bisher) schwierigste Problem gelöst wurde. Und sicher hat ihm dabei auch letztendlich (unsichtbar) der Heilige Geist zur Seite gestanden. Also herzlichen Glückwunsch Herr Dr. Krause an Sie und Ihre Mannschaft und viel Glück im neuen Haus.

Ach, apropos „Glück“ im neuen Haus. Es gibt da so Traditionen in Russland. Sie nennen sich «Обмывание» und «Новоселье». Wenn schon der neue Dienstwagen für das Generalkonsulat nicht „abgewaschen“ wurde – um die Einweihungsfeier in der „Thälmanna“ kommt Ihr nicht herum!

Foto: Alle guten Dinge sind drei ... Drei Varianten: Deutsch, Festlich, Einfach und herzlich

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Kommentare ( 1 )

  • Jenenser

    Veröffentlicht: 25. November 2013 11:30 pm

    Es ist schon nicht einfach mit der Transkription in der Sprachwissenschaft. Wie schreibt man nun den Thälmann, Ernst mit kyrillischen Buchstaben? Man hat, noch zu Sowjetzeiten, eine Variante gefunden, und zwar ohne den, im Russischen völlig unbekannten, Buchstaben ä und h.

    Durch den Umzug des deutschen Generalkonsulates in Kaliningrad rückt der Namensgeber einer schönen Straße, in dem sich jetzt das moderne Gebäude befindet, wieder in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit. Für Geschäftspost, für den bevorstehenden aktualisierten Internetauftritt werden erneut lateinische Buchstaben für die Anschrift benötigt.

    Man könnte sich auf gültige Transkriptionsregeln, bei der Übertragung aus dem Kyrillischen berufen. Und am Ende käme dann ein Telman heraus in Verbindung mit uliza (Straße).

    Ich bin gespannt, wie sich die deutsche Seite verhalten wird. Mag man zum deutschen Kommunisten Ernst Thälmann stehen, wie man will. Teil der deutschen Geschichte ist er auf jeden Fall. Und nicht nur in der Sowjetunion, auch im modernen Russland gedenkt man seiner, als einen mutigen Kämpfer gegen Krieg.

    Dem deutschen Generalkonsulat wünsche ich bei der Lösung der umfangreichen Aufgaben im neuen Gebäude weiterhin eine glückliche Hand.

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