Ansichten eines Kaliningrader Großunternehmers

Ansichten eines Kaliningrader Großunternehmers
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Wladimir Scherbakow ist einer der bekanntesten Unternehmer in Kaliningrad. Er ist der Gründer der Fahrzeugholding „Avtotor“, der Firma, die in Kaliningrad zu rund 50 Prozent für ein gutes oder schlechtes Leben verantwortlich ist, denn sie ist der größte Steuerzahler. Mit ihr steht und fällt Kaliningrad.

In Kaliningrad gibt es ein Veranstaltungsformat in der Industrie- und Handelskammer. Unter dem Titel „Ein Abend mit den Haien des Kaliningrader Unternehmertums“ treten bekannte Unternehmer auf und antworten auf Fragen oder legen ihre Ansichten dar. Am 27. Februar nahm Scherbakow an diesem Format teil.

Er teilte mit, wie schwer es sei, in Kaliningrad Unternehmer zu finden, die bereit sind zu arbeiten und Geld zu verdienen. Seine Firma suchte Partner, die für die, von ihr produzierten Fahrzeuge, die Sitze herstellt. Es fand sich niemand in Kaliningrad, der im Jahr 40.000 Fahrzeugsessel, mit Abnahmegarantie, herstellen wollte. Dafür kam ein Koreaner, mietete eine Fläche in einer leerstehenden Produktionshalle eines ehemaligen Kühlschrankherstellers an und verdient nun das Geld, was eigentlich ein Kaliningrader hätte verdienen können.

Als weiteres Beispiel informierte er, dass man vor einiger Zeit einen großen Austausch von Fenstern in einer Produktionshalle vorgenommen habe. Logisch, dass man nach neuen Fenstern in Kaliningrad suchte. Bei fünf Kaliningrader Firmen holte man Angebote ein, hatte den Eindruck, als ob die Firmen sich untereinander bei den Preisangeboten abgesprochen haben und entschloss sich letztendlich, die Fenster in Moskau zu kaufen. Zusammen mit dem Transport und allen Nebenkosten waren die Fenster um die Hälfte billiger als die Angebote der fünf Kaliningrader Firmen.

Daraus schlussfolgerte Scherbakow, dass die Kaliningrader Unternehmer keine Enthusiasten sind. Sie sind geizig und wollen kein Geld verdienen.

Er erinnerte in seinen Darlegungen, dass es vier, fünf große Firmen im Kaliningrader Gebiet gibt, die die Wirtschaft Kaliningrads hochhalten und das Gebiet befindet sich in Abhängigkeit von diesen Firmen.

Zu diesen Firmen gehören „Produkte Pitanije“, ein Unternehmen aus Kroatien, „Sodruschestwo“, die Schiffsbauwerft „Jantar“ und sein Unternehmen. Er wollte niemanden beleidigen und ergänzte, dass es auch noch andere wichtige Firmen gäbe, aber die fallen ihm gerade nicht ein.

Und er vertrat die Meinung, dass es so nicht sein kann. Wo ist das klein- und mittelständische Unternehmertum – fragte er? Diese Firmenebenen müssen die Wirtschaft Kaliningrad stützen und nicht einige wenige Großfirmen. Wenn es diese klein- und mittelständischen Firmen nicht gibt, wird sich das Gebiet wirtschaftlich auch nicht entwickeln.

Für sich selber machte sich Scherbakow weniger Sorgen. Er kommentierte, dass es eine Sache der Kaliningrader sei, wie diese leben wollen. Ihm selber gehe es gut, denn er lebt in Moskau. Unlängst hat er sein Unternehmen seinem Sohn übergeben und auch dem gehe es gut, denn der lebt in der Schweiz.

Im weiteren zeigte er sich etwas irritiert zu den Plänen, auf der Oktoberinsel ein großes Kultur- und Bildungszentrum einzurichten, wo eine Filiale der Eremitage und der Tretjakow-Galerie Domizil finden sollen. Ihm war nicht klar, warum Touristen in diese Museumsableger fahren sollen, wenn ein paar Flugkilometer weiter die Originale stehen. Kaliningrad hat nichts zu bieten, außer ein paar Hühnerflügel von der Firma „Produkte Pitanje“, falls man dieser Firma nicht das Licht ausbläst, oder ein saftiges Stück Fleisch von „Miratorg“ – und das war es auch schon – so Scherbakow.

Und dann erzählte er noch ein wenig über die goldene Zukunft seiner Firma und Kaliningrads. Denn „Avtotor“ plant am Stadtrand von Kaliningrad eine völlig neue „Intelligente Stadt“ für 40 Milliarden Rubel zu errichten. Das Geld für dieses Großprojekt ist fast vollständig vorhanden. Realisiert wird es im Verlaufe von 6-10 Jahren. In dieser Stadt sollen 30.000 Menschen wohnen – vollständig digitalisiert. Auch das Projekt ist schon erarbeitet und die ingenieurtechnische Erschließung hat bereits begonnen.

Nun, dann hoffen wir gemeinsam mit Scherbakow auf die goldene Zukunft Kaliningrads und auf kluge Entscheidungen der jungen, modernen Regierung unter Führung von Anton Alichanow.

Reklame

Kommentare ( 2 )

  • Georg

    Veröffentlicht: 3. März 2019 14:18 pm

    wird höchste Zeit, dass man in Russland eine Kartellbehörde ins Leben ruft, um offensichtliche Preisabsprachen zu bekämpfen. Dann würde vielleicht auch so manches im Lebensmittelsektor billiger werden. Wie bescheuert muss denn eine Fensterfirma sein, sich ein Großauftrag vor Ort durch die Lappen gehen zu lassen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. März 2019 17:54

      ... es gibt in Russland ein Anti-Monopol-Komitee - es ist auf allen föderalen Ebenen vertreten. Aber, man sieht es ja auch am Beispiel Deutschland, dass man Preisabsprachen und ähnliches Verhalten niemals vollständig ausschließen kann. Was den Lebensmittelsektor anbelangt - ja, hier fehlt wohl wirklich die ernsthafte Konkurrenz. In Kaliningrad gibt es eine große METRO-Vertretung. Diese scheinen wohl selbständig zu arbeiten, denn ein Bekannter erzählte mir, dass dort die Preise erheblich billiger sind. Für mich, als "Einzel-Esser" ist dies keine Alternative, denn ich fahre für meine Mini-Einkäufe zu weit (am anderen Ende der Stadt) und da ist mir meine Zeit mehr wert, als die paar Rubel, die ich bei Viktoria mehr ausgebe.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 3. März 2019 22:02 pm

    Vielleicht liegt es daran ,dass es im Markt noch nicht regulierende Konkurenz gibt.Möglicherweiser können die wenigen ,noch den Markt dirigieren.Thema Fenster ist eh noch schwierig. Der Markt ist Lieferantenmäßig noch nicht ausreichend durchdrungen.Standartfenster aus Kunststoff sind zu bekommen .Geht es in den Bereich Fertigung auf Maß, wird es schon schwieriger.Holzfenster noch schwieriger.Die Fensterfabrik, die es im Oblast gab, die auch die typischen Kastenfenster herstellen konnte, gibt es nicht mehr.Hier muss man sich dann wahrscheinlich eher nach Petersburg oder Moskau orientieren.Eigentlich schade,denn das industrielle als auch das handwerkliche Know Hoff ist mit Sicherheit in KGD vorhanden.Irgendwie unverständlich ,denn der Bedarf ist auf jedenfall gegeben .Und Arbeitskräfte braucht es auch.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung