Bescheidene Kaliningrader Unternehmer

Bescheidene Kaliningrader Unternehmer
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Vor wenigen Tagen meldeten Kaliningrader Medien, dass es eine Gruppe Kaliningrader Unternehmer gibt, die die Rekonstruktion des Haupteingangs zum Baltik-Stadion und dem dazugehörigen Vor- und Umfeld finanzieren wollen. Und es begann das Rätselraten, wer diese großzügigen Unternehmer sind.

Aber vorläufig wird dieses Geheimnis nicht gelüftet, denn die Unternehmer haben gebeten, dass ihre Anonymität gewahrt bleibt. Und die Wahrung dieser Anonymität ist sicher ein Zeichen, dass sich im russischen Unternehmertum im Allgemeinen und im Kaliningrader Unternehmertum im Besonderen, ein gewisser Wandel im Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft, für die Gesellschaft vollzieht. Noch sind es zaghafte Pflänzlein, die zeigen, dass die russische Unternehmergesellschaft sich wandelt – aber immerhin, es gibt diese.

Somit konstatieren wir, dass die breite Kaliningrader Öffentlichkeit nicht erfährt, wer die Sponsoren sind, die dafür sorgen, dass in Kaliningrad eine weitere Sehenswürdigkeit ihren Status verbessert. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Kaliningrader Stadt- und Regierungsverantwortlichen nicht wissen, wer diese Rekonstruktion finanziert. Und eben darin sehe ich das eigentliche Problem, denn Leben ist Geben und Nehmen und wenn Kaliningrader Entscheidungsträger wissen, wer der Stadt oder dem Gebiet Gutes antut, so ergibt sich im Gegenzug eine gewisse moralische Verpflichtung, diesen Sponsoren ebenfalls etwas Gutes zu tun. Und eben dies tangiert dann schon wieder den Bereich, den man großflächig mit Lobbyismus oder Korruption umschreiben könnte.

Lange Rede kurzer Sinn – es wäre besser, wenn das Kaliningrader fortschrittliche und gesellschaftlich bewusst eingestellte Unternehmertum einen Fond für die Stadt- und Gebietsentwicklung schaffen würde, wo die Unternehmen, die durch ihr Engagement in Kaliningrad viel Geld verdienen, einen Teil ihrer Gewinne anonym einbringen können, um Entwicklungsprobleme zu lösen, zu denen Stadt und Gebiet, eben aus Geldmangel, nicht in der Lage sind. Eben diese Anonymität würde dazu dienen, dass die Geld- oder Sachspenden wirklich als „uneigennützig“ durch die Gesellschaft anerkannt werden könnten.

In einem redaktionellen Beitrag des liberalen Internetmediums „newkaliningrad“ wird daran erinnert, dass es in der jüngsten Vergangenheit bereits andere Sponsoren gegeben hat, die ihre Anonymität gewahrt wissen wollten. Genannt wird das Denkmal für Alexander Newski am Wassiljewski-Platz in Kaliningrad, die Gestaltung des Platzes am Haus der Räte und die Ausgrabungen der Fundamente des Königsberger Schlosses.

Die Kaliningrader Gebietsregierung kommentiert, dass die anonymen Investoren auf keinerlei Gegenleistungen hoffen. Das ist natürlich angenehm zu lesen, aber trotzdem bleibt die Möglichkeit offen, dass irgendwann, vielleicht nicht heute, nicht morgen, aber vielleicht übermorgen, die Stadt- und Gebietsverantwortlichen daran erinnert werden, wer, wem, wann etwas Gutes angetan hat und es Zeit ist, sich dankbar zu erweisen.

Ich finde, wenn die Gutmütigkeit, die Großherzigkeit wirklich von ehrlichem Herzen kommt, so ist dies zu begrüßen, aber sie sollte so organisiert werden, dass niemals auch nur der leiseste Hauch eines gewissen Beigeschmacks auftauchen kann.

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Kommentare ( 1 )

  • boromeus

    Veröffentlicht: 1. März 2019 10:18 pm

    "Die Kaliningrader Gebietsregierung kommentiert, dass die anonymen Investoren auf keinerlei Gegenleistungen hoffen.()..
    ...als nicht ostelbischer deutscher Oberlehrer würde ich sagen:Welch heere Ziele.Hoffentlich erinnert man sich auch morgen noch (natürlich nur regional)) an diese markigen Worte,ansonsten wie schon beschrieben..einfach einen Beratervertrag machen.Muss ja kein Geld fliessen..vielleicht reicht auch ein einfaches Mittagessen....für die nächsten drei Jahre...

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