BMW – vom Können, Wollen und Dürfen einer deutschen Firma in Kaliningrad

BMW – vom Können, Wollen und Dürfen einer deutschen Firma in Kaliningrad
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Will BMW in Russland Fahrzeuge verkaufen? Will BMW in Russland ein Werk bauen? Darf BMW in Russland ein Werk bauen? Fragen, die seit Jahren auf der Tagesordnung stehen. Für den Konkurrenten Mercedes gibt es diese Fragen anscheinend nicht.

Mercedes hat irgendwann nach dem Schlüsseljahr 2014, also dem Jahr, wo Deutschland sich entschlossen hatte, seine Russlandpolitik neu auszurichten, beschlossen, in Russland einen Produktionsstandort zu eröffnen. Am 3. April 2019 war es so weit: das Mercedes-Benz-Autowerk bei Moskau wurde in Betrieb genommen. Das Werk soll jährlich rund 25.000 Autos für den heimischen Markt produzieren – also genauso viele Fahrzeuge, wie BMW plant, im aktuellen Jahr in Kaliningrad, im Rahmen der Korporation mit „Avtotor“, zusammenschrauben zu lassen. Die Gesamtinvestitionen von Mercedes in das Projekt betragen rund 250 Millionen Euro.

BMW hat bereits im Jahre 2012, also drei, vier Jahre vor Mercedes, verkündet, in Kaliningrad ein neues Werk bauen zu wollen und nicht nur das. Es sollte eine neue Stadt entstehen mit allen Sozialeinrichtungen und sämtlicher neuer moderner Infrastruktur. Es sollte eine Ausbildungsstätte für Kfz.-Spezialisten eingerichtet werden  - es las sich alles märchenhaft, damals, im Jahre 2012.

Aber es hat sich nichts getan. Im Januar 2017 begab sich dann der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow nach München, um zu sehen, «откуда ноги растут», also, „woher die Füße wachsen“, wie der Russe so formuliert. Vielleicht hat er es erfahren und nur nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt?

Seit diesem Zeitpunkt gibt es in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen irgendwelche Meldungen und Dementis von allen beteiligten Seiten. Und beide Seiten fangen langsam an, sich lächerlich zu machen – meine ich. Die russische Seite macht sich lächerlich, weil es doch langsam klar sein müsste, dass BMW nicht in Kaliningrad baut und man aufhören sollte, diese deutsche Firma zu hofieren. Und BMW macht sich lächerlich, weil man anscheinend nicht bereit ist, einfach einen Schlussstrich zu ziehen und zu bekennen, dass man eigene wirtschaftliche Interessen, den politischen Interessen des Landes unterordnet, dessen Politiker mit BMW-Steuergeldern ihre Gehälter finanziert bekommen. Man füttert die Öffentlichkeit mit immer neuem BlaBlaBla, was sowieso niemand mehr glaubt.

Aber was soll man glauben?

Ich glaube, dass BMW natürlich bauen will, aber nicht bauen darf. Die Anwesenheit von BMW in Kaliningrad ist eine Imagefrage. Andere Investoren, die Absichten in Kaliningrad haben, sehen BMW und werden denken: „… na, wenn BMW hier ist und erfolgreich seit den 90er Jahren arbeitet, kann es ja nicht so schlimm sein, wie immer über Kaliningrad erzählt wird.“

Aber im Westen ist man nicht an einem positiven Image Kaliningrads interessiert. Man ist auch nicht interessiert, dass das russische Kaliningrad, vollgestopft mit Iskander-, Bal- und Wal-Raketen, sich mit deutscher Hilfe zu einem blühenden Industriestandort mit zufriedener Bevölkerung entwickelt. Das militarisierte Kaliningrad ist ein schmerzhafter Nagel im Fleisch der NATO und man muss alles tun, um dieses „Problem Kaliningrad“ zu lösen.

Lösungsmöglichkeiten sind die langsame Entfremdung der Bevölkerung vom russischen Mutterland, nach der einfachen Formel: „Kaliningrad ist Russland. Königsberg ist Europa“, sprich die Germanisierung des Gebietes und die schleichende mentale Neuprogrammierung der Bevölkerung, einhergehend mit einer negativen Entwicklung der Wirtschaft, wirtschaftlichen Problemen, Verarmung und Verelendung der Bevölkerung – beste Voraussetzungen, um die Bevölkerung auf die Straße zu treiben und Proteste zu organisieren.

Somit darf BMW nicht in Kaliningrad bauen. BMW sucht deshalb Alternativen in Russland, spricht hier, spricht da und kommt trotzdem zu keiner Entscheidung, irgendwo in diesem Riesenland einen Produktionsstandort zu errichten. Mercedes ist da um ein Vielfaches schneller als BMW. Aber warum findet BMW keinen neuen Standort im russischen Mutterland?

Meine Vermutung ist, dass, so wie Deutschland vermutlich nicht daran interessiert ist, dass BMW in Kaliningrad produziert, Russland nicht daran interessiert ist, das BMW im russischen Mutterland produziert und deshalb alles tut, um mögliche Standorte, die BMW an anderen Orten in Russland findet, für BMW wieder unattraktiv zu machen, mit dem Ziel, dass BMW in Kaliningrad bleibt.

Ich denke, diese Überlegungen sind vielleicht nicht ganz unsinnig, insbesondere, da es keinerlei Erklärungen gibt – von keiner Seite, mit denen sich die Verzögerungen der BMW-Investitionen logisch und verständlich erklären lassen. Nach mir vorliegenden Informationen sind die Versprechungen der russischen Seite für BMW, im Falle des Baus eines neuen Produktionsstandortes im Kaliningrader Gebiet derart, dass ich nicht verstehe, worin der wirtschaftliche Vorteil für Kaliningrad überhaupt besteht. Vieles wird für BMW gesponsert, subventioniert, geschenkt. Was gibt es also noch zu überlegen?

Scherbakow, der Gründungsvater von „Avtotor“, hatte vor wenigen Tagen kommentiert, dass der Bau eines BMW-Werkes keine einfache Angelegenheit sei. Möglich. Für Mercedes war es anscheinend keine schwierige Angelegenheit bei Moskau zu bauen.

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Kommentare ( 2 )

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 20. Juni 2019 02:45 pm

    [...Vieles wird für BMW gesponsert, subventioniert, geschenkt. Was gibt es also noch zu überlegen?]

    Offensichtlich ist BMW handlungsunfähig. Wer Jahre lang wiederholt nur "pflanzt" und plaudert, ohne dass Taten folgen, ist in meinen Augen auf deutsch übersetzt eindeutig ein Verarscher.

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 20. Juni 2019 13:53 pm

    Das ist ein Teil eines Spieles, das so genannte "good cop - bad cop". Mit rhetorischen Tiefschlägen versucht man regelmäßig Kaliningrad zusätzlich zu verunsichern. Die eine Interpretation ist, dass BMW (Deutschland) nicht mehr zuverlässig ist, dass man andere Partner suchen muss.

    Auf der anderen Seite hofft man doch, dass dies wieder vorbei geht und dass man seitens BMW nicht schon wieder nur etwas schönes zu sagen versuchte. Dieses Spiel zeigt die Verzweiflung bei BMW und das verstärkt den Eindruck, bei BMW habe man einfach keinen Mut zur Investition in Kaliningrad.

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