Das „Sozialverhalten“ deutscher diplomatischer Vertretungen in Russland

Das „Sozialverhalten“ deutscher diplomatischer Vertretungen in Russland

MEINE MEINUNG, … mit deutschem akzent, kommentiert russische wirtschaftliche, politische, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse aus dem Blickwinkel eines Deutschen. Die Rubrik ist der Versuch, mit etwas BLOGGER-Hintergrundwissen dem deutschen Leser die manchmal nicht einfachen Verknüpfungen in der russischen Realität etwas verständlicher zu machen.

Das „Sozialverhalten“ deutscher diplomatischer Vertretungen in Russland

Genau vor einer Woche erreichte uns ein Kommentar unseres Lesers „pazi“:

Und wenn ich in mich gehe, so muss ich zugeben, dass „pazi“ Recht hat und ich in der letzten Zeit wenig Positives, wenig Optimistisches über den „Westen“ schreibe. Da kam mir dann, genau zu dem Moment, als ich den Kommentar von „pazi“ las, eine Meldung des ARD-Morgenmagazins vom 23.02.2015 recht. Dort wurde berichtet, dass die Bundesregierung nun eine eigene „Facebook“-Seite hat.

Steffen Seibert, Regierungssprecher der Bundesregierung, freut sich auf den Austausch von Gedanken, Informationen und Meinungen mit uns. Und die Anzahl derjenigen, denen die „Facebook“-Seite der Bundesregierung gefällt, hat sich innerhalb einer Woche auch schon verdoppelt.

Und mir kam der Gedanke, mal zu schauen, wie es denn mit dem „Sozialverhalten“ anderer staatlicher Einrichtungen in Deutschland so aussieht, ob sich auch andere auf einen Gedanken- und Meinungsaustausch freuen. Ich gab in einer Suchmaschine den Begriff „Auswärtiges Amt Deutschland“ ein und wurde fündig.

Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes fand ich viele interessante Informationen, sah, dass es unter dem Menüpunkt „Presse“ an „technischem SchnickSchnack“ alles gibt, was man braucht, um operativ Informationen zu erhalten. Für mich als Auslandsdeutschen ist das wichtig. Denn um mein verfassungsrechtlich garantiertes Wahlrecht in Deutschland nicht nach 25 Jahren Abwesenheit zu verlieren, muss ich einiges tun um mich auf dem Laufenden zu halten.

Aber ich fand auch, dass sich das Auswärtige Amt bei „Facebook“ tummelt, eine Twitter-Funktion hat und bei YouTube vertreten ist.

Ich habe mal bei einigen Beiträgen in „Facebook“ quergelesen, sah, dass die Kommentarfunktion aktiv genutzt wird, dass Bürger „teilen“ – kurz, dass der, durch das Auswärtige Amt organisierte Gedanken- und Meinungsaustausch klappt und was soll ich Ihnen sagen:

Aber das Auswärtige Amt ist weltweit aktiv und einige Dinge sind für mich, der ich in Russland lebe, natürlich nicht so interessant. Deshalb habe ich mich bei meinen weiteren „Forschungsarbeiten“ zum Sozialverhalten unserer Diplomaten auf Russland beschränkt.

Die Bundesrepublik Deutschland hat eine Botschaft in Moskau und vier Generalkonsulate quer durch das Land verteilt.

Grafik: Standorte deutscher diplomatischer Vertretungen in der Russischen Föderation


Natürlich schaute ich zuerst auf die Seite der Botschaft in Moskau

Die Internetseite der Botschaft gibt mir die Möglichkeit mit einem Klick auf „Teilen“ meine Begeisterung anderen mitzuteilen. Ich kann auch „Newsletter“ bestellen oder über den „RSS-Feed“ operativ Neuigkeiten erfahren. Allerdings, wenn ich die Newsletter bestellen will, dann teilt mir die Seite mit, dass ich die Kulturereignisse aus St. Petersburg bekomme. Da muss wohl ein Programmierer noch mal nachputzen …

Aber ansonsten sind diese Dinge natürlich sehr bequem für solche Leute wie mich, denn ich kann nicht jeden Tag die Internetseiten der diplomatischen Vertretungen checken. Auf unserer Liste stehen 15 deutschsprachige Medien und 36 russischsprachige Informationsportale, die wir täglich durchforsten. Weiterhin „überwachen“ wir  zusätzlich 30 Internetauftritte russischer staatlicher Einrichtungen, die wir informationstechnisch benötigen und da sind wir für technische Hilfestellungen natürlich dankbar.

Etwas verunsichert war ich zur „Facebook“-Seite, denn die habe ich nicht gefunden. Dafür aber einen Hinweis:

Für Deutsche, die kein Russisch können ist der Link leider nicht verwertbar – schade, finde ich, denn die andere Möglichkeit der Sozialkontakte, die die Botschaft (oder besser Germaniaonline) nutzt, ist die russische „Konkurrenz“ zu „Facebook“, nämlich „VKontakte“ – aber natürlich auch in russischer Sprache und somit für einen Großteil der Deutschen nicht zu nutzen.

Ansonsten hatte ich von der Internetseite der Botschaft den Eindruck einer aktuellen, konservativen Informationsquelle. Die Internetseite ist eben keine Tageszeitung.

Schade ist aber, dass man mit der Botschaft nicht die Sozialkontakte pflegen kann, wie dies mit der vorgesetzten Behörde – dem Auswärtigen Amt möglich ist. Woran liegt`s, dass die Botschaft keinen Auftritt in den Sozialmedien hat?

Dann schaute ich, wie es denn mit dem Sozialverhalten der, der Botschaft nachgeordneten diplomatischen Vertretungen in Russland aussieht. Ups …, da ist mir doch ein Fehler unterlaufen. Die Generalkonsulate, so hatte mir mal ein Diplomat gesagt, sind der Botschaft in Moskau nicht nachgeordnet, sondern arbeiten selbständig und eigenverantwortlich. Das ist eine wichtige Information, um die Arbeit der deutschen Einrichtungen richtig bewerten zu können.

Deutschland hat neben der Botschaft in Moskau, noch vier Generalkonsulate:

Screenshort der Titelseite der Botschaft Moskau

 

Nun ja, die Titelseite der Botschaft in Moskau erweckt schon den Eindruck, als ob es hier ein Unterstellungsverhältnis gibt – für den nicht Informierten kann das schon etwas irritierend sein.

Wenn man die Internetseite des Generalkonsulats in Jekaterinburg anklickt, schlagen die dortigen Mitarbeiter auf der Titelseite in deutscher Sprache vor, sowohl auf „Facebook“ wie auch bei „VKontakte“ ihr Fan zu werden.

Da war ich schon angenehm überrascht, denn nachdem die Botschaft in Moskau kein „Facebook“ nutzt, hatte ich das bei den nachgeordneten/nicht nachgeordneten Generalkonsulaten auch nicht erwartet. Aber so kann man sich irren – zumindest bei Jekaterinburg.

Aber wenn ich deutscher Fan des Generalkonsulats in Jekaterinburg werde, dann finde ich auch hier nur Informationen auf Russisch vor. Für mich kein Problem, aber für andere Deutsche? Und dann klickte ich die „Newsletter“ an, die mir das Generalkonsulat anbietet. Und auch hier erhalte ich, genau wie bei der Botschaft in Moskau, die Kulturneuigkeiten aus St. Petersburg. Aber ich will doch die Kulturneuigkeiten aus Jekaterinburg! Zum Glück gibt es noch einen Extra-Punkt, wo ich den aktuellen Kulturplan aus Jekaterinburg erhalten kann.

Dann ging´s weiter zum Generalkonsulat in St. Petersburg. Man bietet dem Interessierten „Newsletter“ und den „RSS-Feed“ an. Für den Kulturbereich gibt es noch einen Extrapunkt, über den ich die „Nemezkaja Afischa“ abonnieren kann. Tja, das war es aber auch schon … Kein „Facebook“, kein „VKontakte“ … Da ist Jekaterinburg wohl ein wenig besser.

Ähnlich sieht es im Generalkonsulat in Nowosibirsk aus. Das Generalkonsulat hat außer einem „Begeisterungs-Symbol“ für „Facebook“, den Kultur-Newslettern aus St. Petersburg und einem RSS-Feed nichts zu bieten. Ich hoffe, ich habe da nichts übersehen.

Bleibt als letztes noch das Generalkonsulat in Kaliningrad. Verständlich, das für mich als deutschem „Neu-Kaliningrader“ die Öffentlichkeitsarbeit des Generalkonsulats besonders interessant ist. Kaliningrad ist nun mal für mich die schönste, die beste, die größte und die wichtigste Stadt überhaupt … Sie ist mein Lebensmittelpunkt und ich will alles wissen, was diese Stadt so betrifft.

Foto: Gebäude des Generalkonsulats - leicht modifiziert durch Kaliningrad-Domizil

 

Tja, was soll ich Ihnen sagen? Kein „Facebook“, kein „vkontakte“, kein „twitter“  und noch nicht einmal Symbole zum „Teilen“ oder um meine „Begeisterung“ anderen mitzuteilen.

Aber ich habe mich bei den „Newslettern“ jetzt angemeldet. Ich wurde, wie bei allen anderen diplomatischen Vertretungen aufgefordert, die News auszuwählen, die mich interessieren. Aber angeboten wurde mir nur der Kulturplan aus St. Petersburg. Na, ich habe ihn bestellt, obwohl der Kaliningrader Kulturplan interessanter wäre. Und pünktlich am 27.02.  erhielt ich den Kulturplan von St. Petersburg.

Persönlich will ich mich nicht beklagen, denn wenn ich Wissensdurst habe, so kann ich mich direkt an das Generalkonsulat wenden und man hat mir versprochen, auf alle Fragen eine Antwort zu finden. Auch wenn ich keine Fragen habe – für ein Gespräch, einfach mal so, findet sich auch immer ein Zeitfenster.

Aber es geht nicht um mich, sondern um viele Deutsche, aber auch Russen, die etwas mehr zur Tätigkeit des deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad wissen wollen, die sich austauschen wollen, die kommentieren wollen, die einfach nur „Sozialkontaktpflege“ betreiben wollen. Und all diese Leute haben nicht die Chance, dem Generalkonsulat „die Bude einzurennen“.

Nun steht die Frage, warum das Generalkonsulat in Kaliningrad diese Sozialkontakte nicht hat, trotzdem es doch schon viele Jahre eine Kulturabteilung gibt, die dafür vermutlich zuständig ist. Warum hat das Generalkonsulat in Jekaterinburg Sozialkontakte eingerichtet und Kaliningrad nicht? Sind wir schlechter? Doch wohl kaum!

Ich finde, wir (die Deutschen) nutzen hier viele Möglichkeiten der modernen Kommunikation mit unseren russischen Gastgebern leider nicht und vielleicht entstehen dadurch auch Missverständnisse, die nicht sein müssen.

Da gab es mal einen Ausspruch eines bekannten amerikanischen Politikers und die Amerikaner sind ja unsere Vorbilder – oder?

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